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KOSMOS JOSQUIN

JOSQUIN (2)

Frühere und mittlere Messen


The Tallis Scholars | Foto (C) Nick Rutter

Bewertung:    



Nunmehr standen die früheren und mittleren Messen von Josquin des Prez (um 1450-1521) auf dem Programm des vierten Konzerts mit The Tallis Scholars innerhalb ihrer Gesamtdarbietung aller 18 Messen des im letzten Jahr seinen 500. Todestag "gefeiert" habenden frankoflämischen Komponisten; das Jubiläumsfest unter dem Codenamen KOSMOS JOSQUIN wird aktuell (nachdem es wegen der Coronapandemie im letzten Jahr entfiel) im Pierre Boulez Saal nachgeholt.

Das Publikum nimmt das exorbitante Großereignis sehr gern wahr - ich registriere eine überwiegende Anzahl von Konzertbesucherinnen und Konzertbesuchern, die sich mit der nicht ganz unkomplizierten Materie der Renaissancemusik einigermaßen auszukennen scheinen; zumindest sind es Leute, deren Interesse an Josquin viel weniger dem Zufall als einer speziellen Hingabe zu dieser Art von mehrstimmigem Chorgesang geschuldet ist.

Erwartungsgemäß gut und ausgelassen (tosender Beifall auch schon vor der Pause!) war die Stimmung gestern Abend!

Missa Gaudeamus und Missa D’ung aultre amer waren dann die Programmpunkte des ersten Teils, bei denen ich zugegen war - hinsichtlich der Übersetzung der zweitgenannten Messe "D'ung aultre amer" musste ich passen, weder im Programmheft noch im Internet konnte ich eine deutschsprachige Entsprechung finden; ich hätte freilich gern gewusst, was das denn eigentlich dann heißt, der automatische KI-Übersetzer von Google bockte höchstwahrscheinlich bei dem "D'ung"; na ja, man muss ja auch nicht alles wissen.

Hier nun nachlesbares Sachdienliches (nur als kleiner Auszug), was vom Chorgründer und -leiter Peter Phillips, der die beiden Messen so erklärte, stammt:


"Die Missa Gaudeamus verkörpert die Kunstfertigkeit der Renaissance in ihrer intensivsten Form. Ausgehend von einer umfangreichen Choralmelodie kommen hier ausgeklügelte und dankenswert hörbare mathematische Kompositionsverfahren zum Einsatz. Sie entstand wahrscheinlich genau in der Mitte von Josquins Schaffen als Messkomponist als neunte von 18 Vertonungen, die ihm standardmäßig zugeschrieben werden – zwanzig Jahre nach seinen ersten und zwanzig Jahre vor den letzten Beiträgen zur Gattung.

Josquin zitiert die vollständige Choralmelodie nur zweimal, einmal im Gloria und einmal im Credo, und zwar jeweils im Tenor in zumeist langen Noten, deren Konturen erheblich verziert sind. Nur sehr erfahrene Hörerinnen und Hörer
[das meint beispielsweise mich als ganz besonders "Unerfahrenem", AS] werden sie als zusammenhängende Melodie wahrnehmen. In den übrigen Sätzen dagegen konzentrierte sich Josquin nur auf die ersten sechs Töne des Chorals, die er insgesamt 61 Mal erklingen lässt. Dieser Ausschnitt ist fast jedes Mal hörbar und hält die Gesamtstruktur in überzeugender Weise zusammen."



Es sangen die Sopranistinnen Amy Haworth und Charlotte Ashley, die Altistinnen Elisabeth Paul, Caroline Trevor, der Altist Alex Chance, die Tenöre Simon Wall, Gay Cutting und Ben Hymas sowie die Bassisten Tim Scott & Simon Whiteley.

Überirdisch, ungreifbar.

Und dann Josquins angeblich kürzeste Messe, jene mit diesem "D'Ung" im Titel:


"Der Grund für die Kürze liegt im syllabischen [und was ist das nun wieder? AS] Stil, insbesondere im Gloria und Credo, wo die Texte ineinandergeschoben und verschiedene Abschnitte gleichzeitig gesungen werden. Im Kyrie, Sanctus und Agnus ist trotz kurzer Phrasen eine größere Freiheit spürbar – besonders ungewöhnlich ist, dass das Kyrie länger ausfällt als das Gloria.
Dieser Stil rührt wahrscheinlich von der Gattung der polyphonen Laude her, die innerhalb der ambrosianischen Liturgie Mailands, wo Josquin in den 1480er Jahre arbeitete, eine wichtige Stellung einnahmen. Ein weiteres Charakteristikum dieser Tradition war es, das Benedictus und zweite 'Hosanna' durch eine Motette zu ersetzen – hier erklingt an dieser Stelle
Tu solus qui facis mirabilia [auf deutsch: "Du allein, der du wundersame Dinge vollbringst", AS]."



Es sangen dieselben Choristinnen und Choristen, die bereits die Missa Gaudeamus zum Vortrag brachten - außer Alec Chance, Ben Hymas und Tim Scott Whiteley; statt ihrer gesellten sich die Tenöre Steven Harrold und Oscar Golden-Lee sowie der Bass Robert Macdonald dazu.

Nicht minder überirdisch und ungreifbar.

Was für eine magische Musik und welch betörende Stimmen!!!!!



The Tallis Scholars | Foto (C) Nick Rutter



"In beinahe fünf Jahrzehnten weltweiter Konzerttätigkeit und mit einer Vielzahl ausgezeichneter Aufnahmen haben Peter Phillips und die Tallis Scholars wie kaum ein anderes Ensemble einen Beitrag dazu geleistet, geistliche Vokalwerke der Renaissance fest im Konzertrepertoire zu etablieren. Einem größeren Publikum bringen sie Kompositionen der Renaissance durch Aufführungen in Kirchen, Kathedralen und Konzertsälen nahe. Dazu zählen u.a. die Royal Albert Hall, die Sixtinische Kapelle, das Lincoln Center und die Carnegie Hall in New York, die Berliner Philharmonie, der Markusdom in Venedig, das Seoul Arts Centre, Shakespeare’s Globe und die Wigmore Hall in London, das Concertgebouw Amsterdam, die Beijing Concert Hall, das Megaron in Athen und das Sydney Opera House. Bis heute entwickeln die Tallis Scholars ihren unverwechselbaren, für seine Klarheit und Geschmeidigkeit gerühmten Klang weiter und widmen sich neuen Interpretationen nicht nur von Werken historischer Komponisten, sondern auch von Zeitgenossen wie Arvo Pärt, John Tavener, Paul Whitacre und Nico Muhly."

(Quelle: boulezsaal.de)


Andre Sokolowski - 15. Juli 2022
ID 13713
JOSQUIN DES PREZ - ALLE MESSEN (Pierre Boulez Saal, 14.07.2022)
Frühe und mittlere Messen

Josquin: Missa Gaudeamus
- Missa D'ung aultre amer
- Missa Di dadi
The Tallis Scholars
Leitung: Peter Phillips


https://www.boulezsaal.de/de/konzerte/Josquin

https://www.thetallisscholars.co.uk/


https://www.andre-sokolowski.de

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