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Konzertkritik

"Schlachtet sie daselbst"

ELIAS von Felix Mendelssohn-Bartholdy mit dem Kammerchor Stuttgart

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Frieder Bernius ist eine Stuttgarter Institution. Er und sein Kammerchor Stuttgart wurden über Jahrzehnte hinweg als Kontrahenten des vierzehn Jahre älteren Helmuth Rilling und von dessen Gächinger Kantorei wahrgenommen. Beide, Bernius wie Rilling, haben ihre leidenschaftlichen Anhänger wie rivalisierende Fußballvereine, und beide gelten als konservativ. In einer Rundfunksendung nannte Bernius eine ungewöhnlich erfolgreiche CD-Aufnahme mit dem Hilliard Ensemble und Jan Garbarek „geschmäcklerisch“ und „Kitsch“. Der mittelalterliche Komponist Dufay werde da „benützt“, tadelte er. Im Gegensatz zu Rilling hält Bernius seine Ensembles fast dogmatisch zur so genannten „historischen Aufführungspraxis“ an. Bernius und Rilling sind sich in ihrer Konkurrenz so nahe, dass sich ihr Repertoire in Konzerten und auf Tonträgern in beachtlichem Ausmaß überschneidet. Den Oratorien von Felix Mendelssohn Bartholdy haben beide, neben der Barockmusik, seit langem besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

In der Ludwigsburger Friedenskirche, einer ehemaligen Garnisonskirche, die bis zum Bau des Forums am Schlosspark vor drei Jahrzehnten als eine Hauptspielstätte der Ludwigsburger Schlossfestspiele diente, hat Bernius nun an Allerheiligen mit seinem Kammerchor und der Klassischen Philharmonie Stuttgart sowie mit den Solisten Johanna Winkel,  Renée Morloc, Kai Kluge und Michael Volle Mendelssohns Elias aufgeführt. Volle war für viele Besucher wohl die Attraktion, aber auch die anderen Solisten konnten sich neben ihm hören lassen. Und als die Chormitglieder Anna-Sophie Brosig, Clara Steuerwald und Sigrun Bornträger vom Balkon aus Elias a cappella Mut zusangen, kam das wohl selbst für Ungläubige, für die er nur metaphorische Bedeutung haben kann, der Vorstellung eines Engelsgesangs sehr nahe.

Frieder Bernius arbeitete die barocken Einflüsse, die fugierten Chorsätze ebenso wie die Dramatik des Oratoriums auf allen musikalischen Ebenen plastisch heraus. Sympathisch macht es aus heutiger Sicht Elias nicht, wenn er die Anhänger des „falschen Gotts“ verhöhnt, und wenn er das Volk mit den folgenden Worten zur Lynchjustiz aufruft, kann einem schon ein wenig mulmig werden: „Greift die Propheten Baals, / dass ihrer keiner entrinne, / führt sie hinab an den Bach, / und schlachtet sie daselbst!“ Wie anders als makaber kann man es nennen, dass sich ausgerechnet in der viel beschworenen jüdisch-christlichen Tradition ein keineswegs kritisch gemeinter Satz findet, der sich liest, wie der Befehl eines SS-Manns in Babij Jar.

Thomas Rothschild – 2. November 2019
ID 11778
Weitere Infos siehe auch: https://musikpodium.de


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