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Konzertbericht

Groove

that thang



Marla Glen (re.) im Bonner Pantheon | Foto © Ansgar Skoda

Bewertung:    



Marla Glen ist live eine Wucht, spätestens wenn sie zur Mundharmonika greift und diese ausdrucksstark zum Schwingen bringt. Die charismatische, 1960 geborene Künstlerin trat am vergangenen Freitag im Bonner Pantheon im goldschimmernden Anzug auf, einen Schlapphut tief ins Gesicht gezogen. Bereits in den 90er Jahren wurde die Bluessängerin mit der tiefen, markanten Stimme mit ihrem bewegenden Albumdebüt This is Marla Glen (1993) weltberühmt.

Das rauchige Timbre, die tiefe stimmliche Intonation und die rhythmisch eingängigen, aber nie beliebig wirkenden Arrangements schaffen einen Wiedererkennungswert. Auch das lebhafte Spiel mit Geschlechterrollen ist bei der in Chicago geborenen Amerikanerin legendär. Im Pantheon spielt sie exzentrisch mit Erwartungen, lacht kehlig, wirft sich elegant in Pose. Sie präsentiert ihr neues Album Unexpected (2020), in Deutsch „unerwartet“. Tatsächlich lässt der experimentelle Stilmix aufhorchen. Glen besorgte nicht nur Kompositionen und Lyrics der Songs, sondern produzierte das Album auch erstmals in Eigenregie.

Maßgeblich wurde sie hierbei von ihrem Bandleader unterstützt, dem Keyboarder Bruno Seletkovic, der in Bonn lässig an den Tasten sitzt. Auch sonst ist ihre siebenköpfige Band [wie bei den vorherigen im Pantheon in den Jahren 2017 und 2016] wieder exquisit aufeinander eingestimmt. Catrin Groth meistert nicht nur einen Parforceritt des jazzigen Saxophon-Sounds, sondern unterstützt nuanciert zwei junge Neuzugänge im Backgroundchor, die bei der Ballade „Forever and ever“ stimmungsvoll zu wahrer Höchstform aufläuft. Groth nimmt während des Konzertes mit ihrem Saxophon auch einmal Glens Platz im Bühnenzentrum ein, während diese sich gutgelaunt zu den Backgroundsängern gesellt. Drazen Zalac an der E-Gitarre und Gereon Basso am Schlagzeug tun ihr übriges. Sie heizen dem Publikum mit sich steigernden, schneller und deftiger werdenden Rhythmen ein, insbesondere bei „What time is it till love“. Hier schreit und keift Glen mehr als zu singen.

Im Mittelpunkt des Abends stehen die vierzehn Songs des neuen Albums Unexpected. Stilistisch pendeln die Arrangements facettenreich und verspielt irgendwo zwischen Funk, Disco, Reggae, Blues, Country, Jazz, Swing und Rock. In „I Don’t Care“ zitiert Glen gar Akkorde und eine Songzeile aus Michael Jacksons Billie Jean. Bei „Who’s the blame” und „What time is it till love” werden anfangs männliche Backing Vocals von Band eingespielt. Die knisternde Klangcollage in „Who’s the blame” (Wer ist der Schuldige?) birgt afrikanische Elemente und zitiert den Gospel-Klassiker Go Down Moses (When Israel Was In Egypt's Land). Marla Glen knüpft mit ihrer rauchigen Reibeisenstimme an den Spiritual an und führt ihn fort, originell Akzente setzend. Bei den Lyrics erfrischt ein entspannter Improvisationsreichtum mit vermeintlich sinnfreien Reimen. Das rhythmisch-funkige „Steppin’ Up“ ist ein weiteres, euphorisch gefeiertes Publikumshighlight. Auch eine schrillende Fahrradklingel, Snare Drums und allerlei Blasinstrumente oder Keyboard-Klangverzierungen kommen zum Einsatz.

Glen ist mit musikalischen Vorbildern aufgewachsen. Bereits ihr Vater war Bluesgitarrist und ihre Mutter pflegte eine Freundschaft mit B.B. King. „The Cost Of Freedom”, ein Hit von 1993, wird temporeich dargeboten. Glen verzichtet jedoch darauf, einen ihrer weiteren größten Hits, „Believer“, zu performen. Erwartungen altbekannter Hits wurden so getreu dem Motto ihres aktuellen Albums, Unexpected, durchkreuzt. Dafür interpretieren sie und ihre siebenköpfige Band „Repertoire“ aus ihrem Album Love & Respect von 1995. Ein klanglich ereignisreicher, groovig treibender, höchst gelungener Konzertabend.



Saxophonistin Catrin Groth (li.) mit Marla Glen im Bonner Pantheon | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 5. Oktober 2021
ID 13188
Weitere Infos siehe auch: https://www.marlaglen.net/


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