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Konzertkritik

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gespielter

Rimski-

Korsakow



Cover des RSB-Programmhefts zu Die Nacht vor Weihnachten am 23. Dezember 2023 in der Philharmonie Berlin |

Bewertung:    



Vladimir Jurowski wird dem RSB bis 2027 als Chefdirigent und künstlerischer Leiter erhalten bleiben, er hat seinen Vertrag also verlängert. Seine Reputation erfährt sich freilich vorrangig aus seinem noch viel spektakuläreren Posten, den er 2021 annahm, als er neuer Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper (einem der renommiertesten Opernhäuser auf dem Globus, immerhin) annahm. Aber so ist das meistens mit so hin und her jettenden Pultstars, dass sie, um sich künstlerisch halt auf zwei Beinen aufrechter denn je bewegen zu können, mindestens zwei lukrativ(st)en Anstellungen nachgehen, ja und warum auch nicht.

Sein Vorgänger beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski, hiefte "seinen" damaligen Klangkörper, dem er weit über 15 Jahre vorstand, insbesondere wegen der Einspielung und konzertanten Aufführung sämtlicher großer Wagner-Opern auf ein hoch gehaltenes Tablett, und dieses glänzte, glitzerte und glamourte und machte das Orchester also noch bekannter und beliebter, als es so schon lange, lange vorher war. Und sowieso zählte zu den bei jung und alt begehrten "Hobbys" von Janowski, dass er auch zig andre Opern, außer Wagner, konzertant darbot, zuletzt waren das Straussens Daphne und Elektra, und zuallerletzt Humperdincks Hänsel und Gretel. Unvergesslich alles das!

*

Von Rimski-Korsakows 15 Opern dürfte dessen Märchen vom Zaren Saltan (mit dem populären "Hummelflug") die wohl bekannteste sein; Harry Kupfer hatte dermaleinst eine sehr schöne Inszenierung gemacht, die erst in Dresden und danach auch in der Komischen Oper Berlin jahrzehntelang gelaufen war. Aber auch Zarenbraut oder Goldener Hahn wurden und werden hierzulande ab und an gespielt.

Jetzt gab es die im deutschsprachigen Raum sehr selten aufgeführte Nacht vor Weihnachten - tatsächlich einen Tag vor Heiligabend - konzertant und halbszenisch zu hören und zu sehen:


"So verführerisch romantisch der Titel klingt, so heidnisch archaisch geht es zu in der klangüppigen Oper von Rimski-Korsakow, die eben nicht in der Weihnachtsnacht spielt, sondern in der Nacht davor. Ein Teufel, der sich nicht mehr ernst genommen fühlt, eine Hexe, die einen wackeren, rechtschaffenen Schmied zum Stiefsohn hat, eine Zarin, die ihre goldenen Schuhe verschenkt. Rimski-Korsakow nimmt ukrainische, melodisch einfache 'Koljadki'- und 'Schtschedriwki'-Gesänge, schichtet sie zu harmonisch verknäulten Chorpassagen auf oder lässt sie als rasante Dialoge gegeneinander singen. So kann er gleichzeitig und in musikalisch schönstem Einvernehmen völlig gegensätzliche Dinge behaupten, ange'feuert' im Wortsinn vom Orchester, das seinerseits ein höchst verführerisches Klang-Eigenleben führt. Großes Hörtheater. Frohe Weihnachten!" (Quelle: rsb-online.de)


*

Anisha Bondy war für die szenische Einrichtung (Kostüme: Uta Jäger & Saskia Theis) zuständig. An der mit einer Menge Lampen und Schallelementen bestückten Decke der Berliner Philharmonie flimmerten erahnbar ein paar Ausschnitte aus dem gleichnamigen sowjetischen Zeichentrickfilm von 1951. Und die Protagonistinnen und Protagonisten, fast alle Russinnen und Russen [Namen s.u.], gaben ihrem Gogol, von dem die literarische Vorlage zur Oper stammt, liebe- und lustvoll Zunder, dass es nur so krachte - mit andern Worten ausgedrückt: Da ging die Post so richtig ab!

Als unanfechtbarer Hauptstar der Aufführung sollte und konnte der Philharmonische Chor „George Enescu“ (Einstudierung: Ion Iosif Prunner) brillieren. Selbiger sang dann auch - im Foyer und vor Konzertbeginn - "einige der originalen ukrainischen Weihnachtslieder, die Rimski-Korsakow in seiner Oper verwendet hat".

Und weiter war in dem Zusammenhang auf rsb-online zu lesen:


"Im Jahr 2022 werden Millionen von Ukrainern Weihnachten ohne Strom, Heizung, Wasser und mit eingeschränkter medizinischer Versorgung verbringen müssen. Im Rahmen des RSB-Konzertes möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf die Arbeit der Ukraine-Hilfe Berlin e.V. lenken. Das Orchester und sein Chefdirigent haben dem ehrenamtlich tätigen Verein bereits geholfen, die Menschen in der Ukraine mit dringend benötigten Hilfsgütern zu versorgen. Mit einer direkten Spende an den Verein Ukraine-Hilfe Berlin e.V. können auch Sie den Betroffenen des Krieges Hoffnung und Kraft geben."


Somit [s.o.] hätte der Veranstalter einigermaßen die Kurve gekriegt. Dennoch blieb und bleibt (jedenfalls für mich) ein mulmiges Gefühl, sich auf diese "vorweihnachtliche" und schon irgendwie gigantisch anmutende Fröhlichkeitsorgie unter maßgeblicher Beteiligung führender russischer Gesangssolistinnen und -solisten unbeschwert eingelassen zu haben - bedenkt man, dass Russland wegen des von seinem Despoten und dessen Nomenklatura angezettelten Überfalls auf die Ukraine derzeit in fast allem (und vollkommen zurecht!) sanktoniert wurde und wird.

* *

Fakt ist, rein musikalisch, dass das RSB derzeit in absoluter Topform ist!

Tosende Begeisterung am Schluss.
Andre Sokolowski - 23. Dezember 2022
ID 13976
DIE NACHT VOR WEIHNACHTEN (Philharmonie Berlin, 23.12.2022)
Szenische Einrichtung: Anisha Bondy
Lichtregie: Marco Philipp
Video ... Benjamin Spencer Weiß
Kostümbild: Uta Jäger und Saskia Theis
Besetzung:
Wakula ... Mikhail Vekua
Tschub ... Dmitry Ulyanov
Oksana ... Sofia Fomina
Solocha ... Ksenia Dudnikova
Teufel ... Alexander Fedorov
Die Zarin ... Marina Prudenskaya
Golowa, der Bürgermeister ... Sergei Leiferkus
Panas und Pazjuk ... Milan Siljanov
Küster Ossip ... Vsevolod Grivnov
Frau mit violetter Nase ... Nadine Weissmann
Frau mit gewöhnlicher Nase ... Josefine Mindus
Philharmonischer Chor „George Enescu“ Bukarest
(Choreinstudierung: Ion Iosif Prunner)
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Vladimir Jurowski


Weitere Infos siehe auch: https://www.rsb-online.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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