Fantasievoll und
frischluftig
inszeniertes
Endlosgesülze
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Caroline Cousin (als Baya Balthasar Bux) in Michael Endes Die unendliche Geschichte - am Düsseldorfer Schauspielhaus | Foto (C) Thomas Rabsch
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Bewertung:
Man kann und will es sich nicht vorstellen, dass sich Kinder dies- und jenseits ihres kindlichen Alters freiwillig und ohne jeden Bildungszwang das vom Inhalt her so unsäglich umständliche und, was seine Sprache betrifft, künstlich gespreizte Gesülze von Michael Ende (1929-1995) in dessem Märchen-Bestseller Die unendliche Geschichte in Buchform antun - aber höchstwahrscheinlich war dem so (und höchstwahrscheinlich ohne jeden Bildungszwang), denn sonst wäre es kaum vorstellbar, dass die Schwarte sich zu einem der erfolgreichsten Kassenschlager, die der internationale Buchmarkt jemals zustande brachte, entwickelte und sogar einen (ziemlich sehens- aber weniger hörenswerten) Film von Produzent Bernd Eichinger, gegen den der Autor seiner Zeit erfolglos klagte, nach sich zog; Sachen gibt's, die gibt es einfach nicht, möchte man hoffend glauben. Aber egal.
Das Buch...
"...erzählt von dem schüchternen Jungen Bastian Balthasar Bux, der ein geheimnisvolles Buch entdeckt und darin zu lesen beginnt. Das Buch handelt von dem Fantasiereich Phantásien, das von einer bedrohlichen Macht namens 'Das Nichts' zerstört wird. Der junge Krieger Atréju erhält den Auftrag, Phantásien und die kindliche Kaiserin zu retten.
Während Bastian liest, merkt er zunehmend, dass er selbst Teil der Geschichte wird. Schließlich gelangt er nach Phantásien und hilft dabei, dem Reich neue Kraft zu geben, indem er Wünsche erschafft. Doch je mehr Wünsche er erfüllt, desto mehr verliert er seine Erinnerungen an sein früheres Leben. Am Ende muss Bastian lernen, was wirklich wichtig ist, um den Weg zurück in die reale Welt zu finden.
Der Roman verbindet Abenteuer und Fantasy mit Themen wie Fantasie, Selbstfindung und der Bedeutung von Geschichten."
So [s.o.] fasst ChatCBT Die unendliche Geschichte kurz zusammen, und die mehr oder weniger bühnentaugliche Fassung von John von Düffel (60), die die Ende-Erben vor Jahren schon bei ihm in Auftrag gaben und die beispielsweise auch bereits das Schauspiel Stuttgart für seine vorjährige Inszenierung nutzte, wurde nunmehr ebenso am DÜSSELDORFER SCHAUSPIELHAUS in der Regie von Roger Vontobel sowie der Ausstattung von Ansgar Prüwer (Bühne) und Martina Lebert (Kostüme) verwendet; gestern Abend war Premiere.
Gespielt wurde drinnen und draußen, und das Wetter (draußen) spielte auch entsprechend mit - im Übrigen war's draußen deutlich unlangweiliger als drinnen, was wahrscheinlich auch an der Unendlichen Geschichte an sich, die ja aus zwei Teilen besteht, gelegen haben könnte. Teil 1 fokussierte sich auf das in Not geratene Phantásien-Reich der sog. Kindlichen Kaiserin (frühgereift verkörpert durch die grandiose Claudia Hübbecker) und dass es nur durch ein Menschenkind (in der Gestaltung durch Caroline Cousin als Baya statt des romanoriginalen Bastian) gerettet werden könnte, ja und Teil 2 deutete auf die menschheitliche Verführungsgefahr hin und dass halt Baya ihr nicht widerstehen konnte und sie ganz am Schluss wieder geerdet wurde à la "Aus der Traum" - und ihr Vater (Rainer Phillippi als Kiefernorthopäde Dr. Bux) holte sich sein bis dahin vermisst geglaubtes Töchterchen im Vespa-Galopp zurück...
Man möge mir an dieser Stelle großzügig ersparen die verhandelte Gesamt-Geschichte irgendwie auf einen Punkt zu bringen - nein und sorry, das vermag ich nicht; bin einfach nicht aus all diesen Stationen, die die beiden oftmals an den Seilen durch die Luft fliegenden Zentralhelden (Moritz Klaus als Atréju und Alexander Wanat als sein Glücksdrache Fuchur) abzubestehen hatten, sonderlich schlau geworden; was ich einigermaßen mitbekommen hatte, war, dass ein gewisses Nichts die Weiterexistenz Phantásiens und das leibliche Fortleben seiner kindkaiserlichen Herrscherin bedrohen würde...
Sichtlich gern und gut gelaunt spielten desweiteren: Sebastian Tessenow (in seiner Doppelrolle sowohl als Inspizient Konrad Koreander wie auch als Gmork der Werwolf), Natalie Hanslik (als Uyulála, das Südliche Orakel), Thomas Wittmann (als Gnomin Urgl), Florian Lange (als Gnom Engywuck) oder das stets wiederkehrende Zweiergespann mit Belendjwa Peter (als Rennschnecke) und Felix Werner-Tutschku (als Felsenbeißer).
An der frischen Luft gesellten sich dann unter anderem noch Friederike Wagner (als böse Zauberin Xayide) inkl. ihrer starwarsmäßig kostümierten Leibgarde hinzu. Auch ein auf dem Gustav-Gründgens-Platz herumfahrender Pick Up (Xayide-Vehikel) beeindruckte und erfreute uns Freiluftbesucher ganz besonders.
Matthias Herrmann & Keith O’Brien komponierten Musik zum Stück, und es wurde nicht nur live von vier Musikerinnen und Musikern (Doppelbesetzung, daher nicht klar, wer am Premierenabend anwesend war) gespielt, sondern auch gelegentlich von den Schauspielerinnen und Schauspielern gesungen; das hörte sich dann wie so'n Musical-Verschnitt an.
Als es nach reichlichen drei Stunden vorbei war, gab es zustimmend Applaus für die Beteiligten.
Prima Saisonabschluss.
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Claudia Hübbecker (als Die Kindliche Kaiserin) in Die unendliche Geschichte am Düsseldorfer Schauspielhaus | Foto (C) Thomas Rabsch
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Andre Sokolowski - 23. Mai 2026 ID 15875
DIE UNENDLICHE GESCHICHTE (Düsseldorfer Schauspielhaus, 22.05.2026)
von Michael Ende, in einer Fassung von John von Düffel
Regie: Roger Vontobel
Bühne: Ansgar Prüwer
Kostüme: Martina Lebert
Musik: Matthias Herrmann und Keith O’Brien
Videodesign: Stefan Bischoff
Licht: Christian Schmidt
Dramaturgie: Robert Koall
Besetzung (Erste Hälfte, drinnen):
Baya Balthasar Bux ... Caroline Cousin
Atréju ... Moritz Klaus
Fuchur, ein Glücksdrache ... Alexander Wanat
Gmork, ein Werwolf/ Karl Konrad Koreander ... Sebastian Tessenow
Die Kindliche Kaiserin ... Claudia Hübbecker
Uyulála, das Südliche Orakel ... Natalie Hanslik
Cairon, Herold/ Urgl, eine Gnomin ... Thomas Wittmann
Engywuck, ein Gnom ... Florian Lange
Ückück, eine Rennschnecke ... Belendjwa Peter
Blubb, ein Irrlicht ... Fnot Taddese
Pjörnrachzarck, ein Felsenbeißer ... Felix Werner-Tutschku
Artax, Atréjus Pferd ... Jonas Friedrich Leonhardi
Die Uralte Morla/ Ygramul, die Viele/ Die Vier Windriesen ... Jonas Hanke, Maurice Schnieper, Anastasia Schöpa und Vincent Wiemer
Besetzung (Zweite Hälfte, draußen):
Baya Balthasar Bux ... Caroline Cousin
Atréju ... Moritz Klaus
Fuchur, ein Glücksdrache ... Alexander Wanat
Graógramán, der Bunte Tod/ Jicha, eine Mauleselin ... Florian Lange
Xayíde, eine Zauberin ... Friederike Wagner
Dame Aiuóla, die Mutter im Haus der Veränderung ... Claudia Hübbecker
Yor, der blinde Bergmann ... Thomas Wittmann
Argax, ein Affe und Aufseher der Alten Kaiser Stadt ... Jonas Friedrich Leonhardi
Ückück, eine Rennschnecke ... Belendjwa Peter
Pjörnrachzarck, ein Felsenbeißer ... Felix Werner-Tutschku
Blubb, ein Irrlicht ... Fnot Taddese
Karl Konrad Koreander ... Sebastian Tessenow
Papa Bux, Bayas Vater ... Rainer Philippi
Yskalnari/ Graógramáns Körper/ Schwarzer Ritter/ Acharai ... Jonas Hanke, Maurice Schnieper, Anastasia Schöpa und Vincent Wiemer
Premiere war am 22. Mai 2026.
Weitere Termine: 25., 29., 30.05.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.dhaus.de
https://www.andre-sokolowski.de
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