| Rosinenpicken (239) mit Andreas Petersens dramatisierter Biografie des Erwin Jöris - Deine Schnauze wird dir in Sibirien zufrieren - am theater 89 Andre Sokolowski - 11. Mai 2013
Bernhard & Leonhard Geffke (Vater & Sohn) sowie der aus einer Reihe von Neuenfels-Produktionen sichtlich bekannte Christian Natter lassen uns zig Zeitstationen, Episoden und noch anderes Erfahrenswertes zu dem Hundertjährigen leicht-locker - und mitunter schon dann etwas langatmig - Revue passieren. "Untermalt" werden die flutartig auf uns (das anwesende Publikum, das aufgestützt an Tischen, worauf die Akteure hin und wieder auf und ab gehen, sitzt) abgestreuten Fakten-Flatter-Fetzen mit nem Dutzend fesch und fröhlich hergesugener Weill-, Eisler-, Brechtlieder u.v.m. |  | Rosinenpicken (238) - Johann Kresniks Volksbühnen-Comeback mit Villa Verdi Andre Sokolowski - 4. Mai 2013
Kresnik hatte in den Anfangsjahren nach der sogenannten Wende eine Art von künstlerischer Heimstatt in Berlin gefunden, bis ihn Der, der ihn einst holte, nicht mehr ausbezahlen konnte und die Truppe (rund um Kresnik, der nämlich zu der besagten Zeit mit seiner Company aus TänzerInnen und BewegungskünstlerInnen hier am Hause Hof hielt) wieder gehen musste - das verzieh er Castorf sicher nie... |  | Rosinenpicken (237) - Angst essen Deutschland auf (Fassbinder-Hommage an der Schaubühne Berlin) a. so. - 16. April 2013
Vom viel zu früh verstorbenen Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) gibt es - außer seinen über vierzig Filmen - auch noch 18 (!) Bühnenstücke. Sie sind alle gut und haben keine Patina, und hin und wieder findet sich auch heute noch, fast 30 Jahre nach dem Tod dieses Genies, die eine oder andre Bühne, die sie aufführt... So gesehen tut total verwundern, dass sich die Berliner Schaubühne nunmehr zu einer Art von buntem Abend rund um Fassbinder entschlossen hatte anstatt aus dem starken Fundus seiner Bühnenwerke, die es aufzuführen lohnte, auszuwählen. |  | Rosinenpicken (236) - Zeit zu lieben Zeit zu sterben von Fritz Kater am Maxim Gorki Theater Andre Sokolowski - 14. April 2013
"Zeit zu lieben Zeit zu sterben" ist der lebensweisheitliche Schluss Fritz Katers, als er ungefähr so 38 Jahre alt gewesen war und sich mit seiner Lebensvita (oder der von Armin Petras, seinem Uraufführungsregisseur und Alterego) für sein Stück befassen tat, welches bereits vor einem Dutzend Jahren am Thalia Theater Hamburg seh- und hörbar wurde - eindeutig ein großer Brocken Prosa, der vielleicht als Memoiren eines jugendlichen DDRlers, der zwar gern ein DDRler war aber auch gern kein DDRler hätte sein wollen und daher mit der sogenannten Wende 1989 nur bedingt was anfangen und/oder enden konnte, genremäßig zu bezeichnen wäre... |  | Rosinenpicken (235) - Das Duell (nach Anton Tschechow) an der Volksbühne Berlin Andre Sokolowski - 5. April 2013
Castorf macht mit seinen Vorlagen - das ist sein nettes Markenzeichen (spätestens seit seinem Geraer CLAVIGO aus der Agonie-Phase der DDR) - was immer er zu welchem Zwecke will. Dass es ihm, nun seit längerem bereits, die großen Russen angetan haben, dessen Romane und Erzählungen er emsig vertheatert, hat sich als ein weit und breit durch uns (sein treues Publikum) geduldetes Regielingshobby nachhaltig bewährt und ungezwungen etabliert. Die geistigen Essenzen dieser immergleichen Jahrmarktsschreiereien sind inzwischen freilich auf ein Nullmaß abgemildert worden - Weltanschauliches und/oder "die Moralanstalt" an sich waren und sind fürwahr beabsichtigte Komponenten solchartiger Mega-Produktionen; mehr als bloße Unterhaltung liefern sie hingegen nicht! |  | Rosinenpicken (234) - Bildstörung von Elsa-Sophie Donata Jach / Agnes von Jakob Nolte am Salzburger Landestheater uraufgeführt!! Andre Sokolowski - 23. März 2013
Das eine Stück spielt im bockig-aufsässigen Gutbetuchten-Milieu von irgendwelchen reichen und gutbürgerlichen Absenkern, dessen Hauptsproß, der sich selbst dann hin und wieder "König" nennt, durch einen kurzerhandnen Suizid am Schluss verendet. Das andere behandelt die Ab-/Anwesenheit eines rein versehentlich durch deren Mutter vor nicht allzu langer Zeit zu Brei gefahrnen Töchterleins und wie sich dieser Zwischenfall letztendlich auf den nur noch aus dem Vater und der Mutter (jenes ab- bzw. anwesenden Töchterleins) bestehenden Familien-Restverbundes psychisch niederschlägt... |  | Rosinenpicken (233) - Vanitas von Salvatore Sciarrino in der Werkstatt im Schiller Theater Andre Sokolowski - 20. März 2013
Putzig war dann schon, wie Frerichs/Hirschmüller - allein ihr großer Auftritt in der großen Doppel-Robe (wie als wären sie gerade aus der MET herabgetreppt) entpuppte sich als theatralisch und grandios in Einem und an sich - vor einem leeren Bilderrahmen (wie als würden sie noch kurz ins MoMa hochgetreppt gewesen sein) verweilten und der Gatte seine Gattin von der Seite so betrachten tat à la "was guckt sich meine Alte diesen Scheiß da an, ich kann mit dieser Scheiße so und so nichts anfangen, ich will hier endlich wieder raus". |  | Rosinenpicken (230) - Tilla von Christoph Hein / mit Inge Keller (89) Andre Sokolowski - 23. Februar 2013
Sie sitzt also anderthalb Stunden lang in relativer Nahdistanz zum überwiegend reifaltrigen Publikum der Kammerspiele des DT und raucht in der ihr unvergleichlich-herben Art und Weise sozusagen an dem Text (den sie zur Hälfte, ihre Brille aufsetzend, aus ihrer Klemmmappe herauszitiert) herum; am Lustigsten und auch Interessantesten entpuppt sich plötzlich dieser Text, indem er eine indiskrete Liebes-Stellung von den Zwein (Tilla im Handstand / Paul sie währenddessen penetrierend; war zwar nicht so ausgedrückt, aber zu schließen) kurz thematisiert... |  | Rosinenpicken (228) - Die gelbe Tapete an der Schaubühne Berlin (Regie: Katie Mitchell) Andre Sokolowski - 17. Februar 2013
Sie dreht dann also (Markenzeichen Katie Mitchell, wie gesagt) Live-Filme und/oder Live-Filmchen, die sie dann den jeweiligen Stücken, welche sie gerade so missbraucht, auf einer Großleinwand hinzuveräußert. Meistens nerven diese Art Performances aufs Gigantischste - aber es gibt auch Ausnahmen in diesem ihrem merkwürdigen Oevre... |  | Rosinenpicken (226 / 227) - Regers Der 100. Psalm und Strauss Ein Heldenleben in der Philharmonie Berlin Andre Sokolowski - 11. Februar 2013
...mit dem dreinschlagenden Halleluja-Brüller eines außer Rand und Band geratenen Konzertbesuchers, der sich, kaum dass Dirigent Marek Janowski seinen Taktstock senkte, zu dem epileptischen Entgleisungsakt hinreißen ließ; man war, als sozusagen Unbeteiligter, etwas frustriert und wusste in dem Augenblick nicht so genau, ob nun vielleicht gar (s)eine Bombe, die der Enthusiast um seine Taille hätte tragen können, hoch geht oder was auch immer; jedenfalls: so eineindeutig-harmlos war der Grad der "ungeheueren" Begeisterungsattacke dieses fremden Menschen auch nun wieder nicht. |  | Rosinenpicken (225) - Viktor Ullmanns Der Kaiser von Atlantis in der WERKSTATT im Schiller Theater (Deutsche Staatsoper Berlin) a. so. - 9. Februar 2013
Exemplarisch gut bis ausgezeichnet die Besetzungsliste: Gyula Orendt (Kaiser Overall) hören wir ganz und gar im Mahler-Rückert-Lieder-Sound stimmlich agieren; optisch lebt er aggressive "Führer-Qualitäten" erzkomischer Weise aus. / Kyungho Kim (Harlekin / Ein Soldat) brilliert mit tenoraler Kraft und Schärfe. / Und beim Hören des Mezzosoprans von Narine Yeghiyan (Bubikopf / Ein Soldat) ereilt uns plötzlich die für diesen Augenblick tollkühne aber zukunftsrealistische Idee, dass der dann irgendwann vielleicht Brünnhildes Welten auszufüllen in der Lage sein könnte; ergreifend-schöne Spitzentöne... |  | Rosinenpicken (224) - Sketches / Notebook von Meg Stuart im HAU 3 Andre Sokolowski - 2. Februar 2013
Wir jedoch sind baff gewesen und noch baffer denn als baff geworden, als wir beispielsweise diesem Körper-Knäuel der Performer (Jorge Rodolfo Hoyos, Antonija Livingstone, Leyla Postalcioglu, Maria F. Scaroni und Julian Weber) bei dem einen und in dieser lustvoll-körperlichen (An-)Spannung so wohl noch nie erlebten Fortbewegungs-"Sketch" zuschauten und zustaunten; absolutes Bild! sensationell!! |  | Rosinenpicken (222) - der Herheim-Xerxes nunmehr auch am Rhein erlebbar / die Neue Düsseldorfer Hofmusik a. so. - 27. Januar 2013
Zwei gravierende Gründe schlugen zu Buche, uns den (szenisch) unsäglichen XERXES in der Dargebrachtseinsweise Stefan Herheims (den wir schon im Mai des letzten Jahres in Berlin gesehen hatten) noch einmal - nämlich in Düsseldorf - jetzt anzutun: den Hauptdarsteller Valer Barna-Sabadus (auch den kannten wir längst aus einer anderen Berliner Inszenierung [LAST DESIRE]) und die Neue Düsseldorfer Hofmusik wollten wir unbedingt hinzuerleben!! |  | Rosinenpicken (221) - Peter Grimes an der Deutschen Oper Berlin a. so. - 26. Januar 2013
PETER GRIMES von Benjamin Britten ist ein düster-deprimierendes und wetterwendisches Gebilde - sowohl vom Stück als auch von der Musik her. Seine Großartigkeit liegt in der gekonnten (und von seinen Schöpfern [das Libretto stammt von Montagu Slater nach dem Poem THE BOROUGH von George Crabbe] so geglückten) Verbindung Mensch-Natur am Beispiel eines Einzelgängers, Außenseiters der Gesellschaft; Britten - eingestandner Maßen schwul - sollte ein Liedlein hiervon singen können, obgleich er und sein "Problem" nicht annähernd mit dem seines emotional vereinsamten und fehlgehenden (Opern-Anti-)Helden zu vergleichen wäre... |  | Rosinenpicken (220) - Die Präsidentinnen von Werner Schwab am Berliner Ensemble a. so. - 13. Januar 2013
DIE PRÄSIDENTINNEN von Werner Schwab (1958-1994) sind ein Seniorenstück und von stark österreichischer Couleur. Sie wären, würde man sie "innerösterreichisch" einschubladen, in der Nähe Thomas Bernhards und Elfriede Jelineks verwandschaftlich gut aufgehoben; damit haben sie - logische Konsequenz - weltliterarisches Niveau! Die Sprache des ja leider viel zu früh (durch Alkohol) verstorbenen Genies aus Graz ist unverwechselbar wie die seiner zuvor bezeichneten "erwachsenen Familienangehörigen"; nicht minder stark sind auch die zum Extremen hin tendierenden Kleinst-Fabeln einer von ihm ausbedungnen Personnage mit teils gigantischen Biografien, die dann ihresteils und jeweils nach und nach durch ihre jeweiligen Handlungsträger monologisch oder dialogisch offenbart/offengelegt werden... |  | Rosinenpicken (219) - Die Liebe zu den drei Orangen an der Deutschen Oper Berlin a. so. - 22. Dezember 2012
Ein Hammergag in dieser neuen Produktion ist beispielsweise der, dass justament eine der drei Prinzessinnen aus der besagten Behrenstraßen-Inszenierung von Homoki sozusagen o-zitiert wird: Rachel Hauge als Linetta tut einem als "Komische Orange" anbeschrifteten Papphaus entsteigen und singt - ganz im Gegensatz zu allen andern Mitwirkenden - ihren Kurzeinsatz auf Deutsch [weil halt bis dato nur auf Deutsch in der KO gesungen werden durfte; womit ja nun endgültig, seit die Ägide Barrie Koskys anfing, aufgeräumt wurde]; auch trägt sie gar dasgleiche Kleid mit Krone wie Linetta "damals" in der Behrenstraße. |  | Rosinenpicken (217 / 218) - Clear History und Duet beim Rumänischen Festival MANY YEARS AFTER... im Berliner HAU Andre Sokolowski - 16. Dezember 2012
Vermeintlich "kalt" - aber durch das Gehörte in der nachgeraden Vollbewusstwerdung eines schier unsagbar-geglaubten Ungeheuerlichen nicht mehr "kalt" lassend - ließen die drei Schauspieler Veaceslav Sambriş, Doriana Talmazan, Irina Vacarciuc ihre jeweiligen O-Texte über uns zuhörende Zuschauer ergehen; mittels Videoprojektionen hatte sich zu all Dem Schriftliches und Fotografisch-Filmisches quasi hineingestreut, und zwischen Ohr und Auge und mit stark rasendem Herzen wechselte und übersteigerte sich unser Auffassungsvermögen = ja, man sollte und man musste hart im Nehmen sein, um alles Das, was derart kam, verarbeiten und aushalten zu können... |  | Rosinenpicken (215) - Die Pforten der Liebe von Mozart/Neuenfels in der Staatsoper im Schiller Theater Andre Sokolowski - 2. Dezember 2012
Das "Überlange" dieses Jugendwerkes (Mozarts GÄRTNERIN AUS LIEBE) gab den Anlass, dass der Regisseur es kürzend also spielbar machen sollte oder wollte, und so sann er sich ein Stück im Stück (frei nach QUARTETT von Heiner Müller) aus, das dieses "Überlange" mittels lauter Quatschereien quasi retuschiert - es wurde hierdurch freilich, durch das viele Rumgequatsche, lang und länger und vor allem furchtbar langweilig! Denn außer den verspritzten ranzig-samenhaltigen Passagen wurde auch noch unendlich-altväterlich über das Wörtchen Liebe hin und her sinniert und grauenhaft gereimt. Es war die Hölle diesem unbedarften Schwachsinn in Geballtheit zuhören zu müssen! |  | Rosinenpicken (210 / 211 / 212) - Die Monteverdi-Trilogie an der Komischen Oper Berlin Andre Sokolowski - 5. November 2012
ORPHEUS kommt als Sinnenrausch! Die Bühne (Katrin Lea Tag) sieht wie'n gigantisches Gewächshaus mit den farbenfrohesten und üppigst vor sich hin wunchernden Pflanzen aus; der schönste Wildwuchs, den man sich nur denken kann. Hierin agieren ebensolche (schöne wildwuchsige) Menschen - überhaupt ist sehr viel Haut & Haar in dieser prallen Produktion zu sichtigen; etliche TänzerInnen und StatistInnen, mitunter splitternackt, bevölkern unaufhörlich die Terrains... |  | Rosinenpicken (209) - Marat/Sade an der Schaubühne Berlin a. so. - 19. Oktober 2012
StudentInnen der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" probten das Stück mit/in der Schaubühne Berlin; ihr Regisseur war Peter Kleinert. Ja und wie nicht anders zu erwarten war, reicherten sie es selbstverständlich mit viel Subtexten und reichlich Improvisationen an - das führte nicht etwa zu einer "Kürzung" vorliegender Peter-Weiss-Verse; gefühlter Maßen zog sich dann die Chose stellenweise fast schon unerträglich länger als erlaubt gewesen wäre hin... |  | Rosinenpicken (208) - Pierrot Lunaire von Arnold Schönberg mit Sylvie Rohrer und dem Merlin Ensemble Wien Andre Sokolowski - 16. Oktober 2012
Und wenn ich ihr vor sieben Jahren, als ich zu der Zeit im Herbst auf Helgoland gewesen war und über Helgoland der Mond drei Nächte schien und ich daher nicht schlafen konnte und so nachts über das Hochland Helgolands spazieren ging, begegnet wäre... Also wenn ich ihren sehrenden Pierrot-Gesang so neben oder hinter mir vernommen hätte, oh... Wer wüsste vorher schon zu sagen, wann oder weswegen es "abrupt" die Steilklippen nach unten ginge? / Rohrer war und ist ein Ideal-Pierrot!! |  | Rosinenpicken (206 / 207) - Anne Teresa De Keersmaeker bei den FOREIGN AFFAIRS im Haus der Berliner Festspiele a. so. - 14. Oktober 2012
[Bei EN ATENDANT] war entweder Überwindung anschleichender Müdigkeitsattacken oder eine Nach-und-nach-Gewöhnung an den wahrlich ungewohnten obgleich ziemlich unverbindlich und ins absolute Leere laufenden Theater-Stil der weltberühmten Choreografin angesagt; kurzum: Eine "Entschlüsselung" des Ganzen stellte sich - egal aus was für merkwürdigen Gründen - überhaupt nicht ein. Der Abend wurde immer länger... Lauer Beifall hierfür. |  | Rosinenpicken (204 / 205) - Die Walküre / Siegfried in der Staatsoper im Schiller Theater Andre Sokolowski - 7. Oktober 2012
Der unsägliche Videobrei, der diesen RING bislang zuschüttete, war/ist System der internationalen Produktion - - eine Entschlüsselung durch uns war/ist nicht zwingend nötig. Auch die krampfhaft tänzerischen Herbemühungen (jetzt hatte sich der Choreograf und Tänzer Sidi Larbi Cherkaoui in puncto Fafner "Riesensachen" ausgedacht sowie den Siegfried als Person vervierfachtelt) nervten total... |  | Rosinenpicken (201) - Der Geldgott von Peter Hacks (Stücklesung) Andre Sokolowski - 25. September 2012
Und wenn da nicht so von uns Hörern aufgeschnappte hübsche Sätze oder Teilsätze wie beispielsweise "was die Vettel läufig ist" oder "ich such nach deinen Brustwarzen" oder "mein eigner Sohn, was für ein Schwein er ist" oder "komm zu mir, grindiges Ding" oder "Sie Heuchler von einem männlichen Ferkel" usf. gewesen wären, hätten wir wohl nicht so recht gewusst, weshalb uns dann der Hacks'sche GELDGOTT so gefallen haben sollte... |  | Rosinenpicken (199) - Nathan der Weise im Kölner Theater im Bauturm a. so. - 15. September 2012
Evelyn Tzortzakis, Lara Pietjou, Charles Ripley, Makke Schneider sind die Spieler - anfangs machen sie sich auf das Kumpeligste mit dem Publikum gemein; ihm tun sie beispielsweise ihre generellen Vorbehalte oder "Sorgen", die sie mit dem Lessing allgemein und seinem Stück besonders haben, eingestehen. Dass es halt dann auch ein heutzutage kaum noch nachvollzieh- oder bezwingbarer Theater-Brocken wäre oder so. Und Blankvers hin und fünfaktiger Aufbau her; schon in der Schule machte man (heute gewiss nicht anders als vor Jahren und Jahrzehnten) einen Riesenbogen um den dicken Schinken. Zu viel Text, zu viele Handlungen, zu viel Gesülze... |  | Rosinenpicken (198) - Händels Theodora in der Kölner Philharmonie a. so. - 14. September 2012
So fiel dann gestern Abend - bei der deutschen Aufführungsreprise anhand der von Spering bevorzugten sog. Direktionspartitur - in der mäßig besuchten Kölner Philharmonie vor allem eine Minimalbesetzung des Orchesters auf (9 Geigen, 2 Bratschen, 2 Celli, 1 Kontrabass, 2 Oboen, 1 Fagott / Orgel + Cembalo). Es klang bestechend klar und ordnete sich der gleichsam nicht unschlank und noch mehr "geradlinigen" Sangesart des mit 31 Personen auch nicht übermäßig "dick" geschweige üppig zu nennenden Chors unter... |  | Rosinenpicken (193/194) - Daniel Linehan und P.A.R.T.S. beim diesjährigen TANZ IM AUGUST a. so. - 15. August 2012
Gezeigt wurden vier Arbeiten an zwei Abenden... Einzel-Etüden von nun nicht gerade sensationslastigem Qualitätsformat; und insbesondere die jeweils beiden Teile vor den jeweiligen Pausen ließen durch uns Zuschauende/Zuhörende sehr geduldig-brav erkennen, dass da schon sehr ernthaftig und ausdauernd eine Performance neu erstellt, geprobt und abgeleistet war - im ganz Besonderen wurde da allerdings bewusst, wie nervtötend (für uns als Rezipienten) sich das Stilmittel der permanenten Wiederholungen erwies. |  | Rosinenpicken (192) - Open for Everything (Constanze Macras / DorkyPark) in der Schaubühne Berlin a. so. - 11. August 2012
Und ausgerechnet dann die uns durch deutsche Übertitelung vermittelten (authentischen!) Biografieberichte einiger der Live-Akteure dieses Abends rückten die Geschichte und Geschichten etwas weiter weg vom - zugegebner Maßen mehr ironisch-spielerisch gemeinten - allzu Folkloristischen der insgesamten Show, die freilich einen zwingend faszinierenden Gesamteindruck erbrachte... |  | Rosinenpicken (191) - anderland mit cie.toula limnaios Andre Sokolowski - 4. August 2012
Jeder der Akteure unternimmt in diesem Stück (s)ein Ding für sich. Auch wenn es permanent - im Laufe zunehmend und zunehmender - zwischenmenschliche Beziehungen oder Interaktionen (um es "technisch" zu markieren) gibt: Diese vergruppende Entwicklung fängt mit Amit Preisman an - die Tänzerin löst sich mit einem Mal aus den solistischen Aktionen ihrer Mitstreiter und wird in einer Art Crescendo der Gewalt quasi als Buhfrau/Sündenbock/Hauptschuldige [Amit ist Israelin!] für gelebte oder ungelebt gebliebene Enttäuschungen und Minderwertigkeiten ihres bis dahin eintänzerischen Umfelds drangsaliert... |  | Rosinenpicken (190) - Aufstand der Glückskekse an der Neuköllner Oper a. so. - 22. Juli 2012
Es wird da also kauderwelschisches Chinesisch, wo auch ab und zu so Worte wie z. B. Ai Weiwei, Feng Shui oder Mitsubishi (Japan ist 2030 höchstwahrscheinlich auch schon längst chinesisches Protektorat) dazwischenflattern, hin und her gepingpongt; meistens kommt auch Alles, wie's gedacht war, lustig bei uns an - wir sind dann sowieso bei bester Laune, denn man hat uns jeweils einen Wegwerffächer auf den Sitz gelegt gehabt, mit dem wir uns die dünne Luft, die in der kleinen Studiobühne steht, auffächeln konnten; schöner Service. |  | Rosinenpicken (189) - Mozarts Entführung im Berliner Stadtbad Steglitz a. so. - 19. Juli 2012
Professor Helmut Weese - den ich in der Pause kurz befragte - wird als pädagogisches wie korrepetitoröses Urgestein, falls man den Namen übers Internet herbeizugoogeln sich bemühte, wahrgenommen; und so kann er beispielsweise auf zwei Dutzend Jahre Assistent in Bayreuth oder an der Scala und und und zurückblicken, ja und von Karajan bis Kleiber kannte er fast alle... Weese hatte also für die Aufführung ein "siebenköpfiges" Orchester aufgestellt. Er selbst ergänzte am Klavier, was für die Illusion eines vermeintlich vollmundigen Großorchesterklanges notwendig geworden war. |  | Rosinenpicken (188) - INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater - mit Strawinskys Wüstlingsoper Andre Sokolowski - 15. Juli 2012
Krzysztof Warlikowski's knallig bunte und vervideofizierte Inszenierung von 2010 ist außerordentlich lasziv geraten; permanent wird beispielsweise Schwanzlutschgestisches per Video rübertransportiert - und das gesamte Personal (einschließlich Chor) scheint irgendwie doch einen Wohlgefallen an der volkstümlich so überaus beliebten Sexualtechnik zu haben; warum nicht?
|  | Rosinenpicken (187) - Fafner, die Bisam-Maus von Peter Hacks im HABBEMA (Berlin) Andre Sokolowski - 28. Juni 2012
...und so leistete er es sich damals, die Ausbürgerung Wolf Biermanns (beispielsweise) für nicht unbegrüßenswert zu halten = das verziehen ihm die Wenigsten, die's damals etwas anging; jedenfalls konnte er nach der Wende machen, was er wollte = kaum ein Sprech- oder Musiktheater mochte sich an seine vielen Stücke noch erinnern... Hacks war plötzlich out. |  | Rosinenpicken (186) - West Side Story gastierte in der Deutschen Oper Berlin a. so. - 27. Juni 2012
Bernsteins WEST SIDE STORY konnte man noch vor ein paar Jahrzehnten in diversen Produktionen - also mit sehr unterschiedlichen Regiehandschriften - in- und ausländisch besuchen; selbst so kleine Stadttheater wie das ostthüringische in Gera (wo ich her bin) hatten sie gelegentlich im Repertoire. Das letzte freizügige "Lebenszeichen" von der WEST SIDE STORY registrierte ich - auch noch zu DDR-Zeiten - aus Richtung Semperoper, wo der damalige Chef-Opern-Regiestar Harry Kupfer sie dort inszenieren wollte; was ihm allerdings verwehrt gewesen worden war - - nicht etwa aus politisch-relevanten Gründen, nein, vielmehr standen da plötzlich urheber- bzw. erbrechtliche Dinge ganz und gar im Weg. |  | Rosinenpicken (185) - Salzburger-Festspiele-Don Giovanni in der Staatsoper im Schiller Theater Andre Sokolowski - 25. Juni 2012
Das sei und muss noch rasch in die Erinnerung zurückvertieft sein, dass der Superaufwand dieses von den Salzburger Festspielen eigens nach Berlin herübertransplantierten DON GIOVANNI einzig und allein wegen der Opernweltstarin Anna Netrebko betrieben worden war; also die Chose - extra in die Sommerferien gelegt, damit dann auch die Opern-Freiluft-Feierer (per "Staatsoper für Alle" [vorgesehener Termin: 30. Juni]) diese Hauptstarin neben den sie flankierenden 6 oder 7 Nebenstaren hätten live auf einer Großbildleinwand sehen wollen können - sollte sich dann, nicht nur geldlich, lohnen... |  | Rosinenpicken (184) - Yma im Berliner Friedrichstadt-Palast a. so. - 20. Juni 2012
Einen roten Faden braucht natürlich auch so eine Show; in diesem Falle wars besagte YMA, die mit rotem Riesenfummel und auf meterhohen Pumps durch alle Einzelnummern (Bilder) stakende Palast-Diseuse - lüstern scheinend und zugleich doch jungfräulich ambitioniert von Travestie-Youngstar Jörn-Felix Alt verkörpert. Der Gesangssolist, in dessen Kurzvita wir sogar E-Musik-Erfahrungen (Neuköllner Oper beispielsweise) lasen, hatte es dann im Verlauf des Abends manchmal schwer, gegen die "unverschämte" Röhre Meike Jürgens' anzukämpfen - letztere nervte dann allerdings und zunehmend auch mehr und mehr...
|  | Rosinenpicken (179 / 180) - 2 x Die Walküre (mit den Berliner Philharmonikern / in der Deutschen Oper Berlin) Andre Sokolowski - 26. Mai 2012
...waren wir erst mal wieder neuerlicher Zeuge einer beispiellosen Repertoire-Pflege der DOB, wo ja seit Hunderten von Jahren der Götz-Friedrich-RING untilgbar läuft und läuft und läuft - es war die 52. Vorstellung seit der Premiere am 6. Oktober 1984! Hinz und Kunz hatten in dieser Produktion schon ihre weltstarhaften Duftmarken zum Klingen bringen wollen; und es wäre lustig einmal festzustellen, wie viel von den "Damaligen" eigentlich noch leben. |  | Rosinenpicken (178) - Die Ringe des Saturn von W. G. Sebald als Performance der Katie Mitchell a. so. - 21. Mai 2012
Sebalds Buch ist freilich autobiografisch, nicht nur nebenbei. Das gibt der Regisseurin eine schöne Möglichkeit, mit dem charakterlich-markanten als wie sprechenden Gesicht des Schauspielers XY [sein Name war dann leider nirgendwo auf dem Besetzungszettel auffindbar] zum Einen durch die ihr bekannten Nahaufnahmen mit den Video-Live-Einsprengseln und zum Anderen durch eben das gefilmte Live-Geschehen im hermetisch abgeschlossnen Extra-Raum zu spielen. |  | Rosinenpicken (177) - Compagnie Marie Chouinard (Kanada) gastierte bei den MAITANZTAGEN BONN a. so. - 19. Mai 2012
Neun Tänzerinnen/Tänzer treten nach und nach mit Krücken, Stöcken und Prothesen auf. Ihre Bewegungen werden - auch unter der Zuhilfenahme der diversen sog. Gehhilfen - nicht etwa ungelenker; allenthalben sehen sie mitunter etwas "ungewöhnlich" aus. Der philosophisch rauskristallisierte Querschluss des Gesehenen könnte, mittels des vorgezeigten Beispiels, sein, dass wir als Zuschauende eine generell und allgemein beschädigte Gesellschaft inkl. ihrer strukturellen (= amputierten) Ordnung vorgeführt bekommen. |  | Rosinenpicken (172) - Anna Karenina vom Boris Eifman Ballet St. Petersburg a. so. - 21. April 2012
Jetzt hatte Boris Eifman (Gründer als wie Leiter der nach ihm benannten Company im russischen St. Petersburg) den gleichen Stoff (= Anna Karenina), aber mit einer losen Aneinanderreihung x-beliebiger Tschaikowski-Nümmerchen und -nummern, als Ballett choreografiert und inszeniert; die Uraufführung war gerade mal vor sieben Jahren. |  | Rosinenpicken (171) - Andrea Breth kommt der Lulu von Alban Berg nur unvollkommen, dafür aber umso unschlüssiger nah a. so. - 15. April 2012
Ja, die Figur-Entwicklung Lulu's ist der Andrea-Breth-Sicht nirgends nachvollziehbar. Und wir denken mit sehr großer Wehmut, aber auch mit großer Freude, an die Peter-Mussbach-Produktion vor ca. 15 Jahren, wo gerade diese Linie völlig stimmte, gern zurück: Lulu - und es ist eingestanden-schlimm, dass man das hier an dieser Stelle klugscheißend erwähnen muss - hat ja dann schließlich, außer ihrem grauenhaften Gossendasein nach der Flucht aus dem Gefängnis, farblichere und auch schimmerndere Tage vorgelebt; nun gut... |  | Rosinenpicken (170) - The Day Before the Last Day von Yael Ronen & the Company a. so. - 13. April 2012
Ganz zum Schluss stürzt Schaubühnen-"Gast"schauspieler Niels Bormann auf die Bretter; er war kurz mal auf 'ner Nebenbühne, wo gerade HAMLET lief, ja und da hätten sie ihn für Polonius gehalten und auf ihn geschossen, und seither würden die ersten dänischen Flaggen auf den Straßen verbrannt... Die Umstehenden beugen sich um den Dahinscheidenden; und sie werden sein Vermächtnis (heftig reeagierend) weitertragen oder so. |  | Rosinenpicken (169) - Don Carlo an der Deutschen Oper Berlin Andre Sokolowski - 11. April 2012
Marco Arturo Marelli inszenierte ganz im Zeichen einer über 300 Jahre währenden und wütenden Inquisition, welche von jener unrühmlichen Uranin der Philipps oder Carlos - jener Isabella von Kastillien (1451-1504), die den Schreckensapparat von Spanien aus begründete und quasi installierte - ausgegangen war. Sehr konsequent und schlüssig durchgearbeitet! |  | Rosinenpicken (167) - Hondsdagen/Hundstage von und mit dem RO Theater Rotterdam a. so. - 24. März 2012
Hundstage bezeichnen die heißesten Tage eines Jahres. Meistens sind sie für die Menschen derart unerträglich, dass so eine Art von Ausnahmezustand existiert. Man wird durch allzu große Hitze anders als man sonst ist: abgeschlafft zum Einen - angespannt und aggressiv zum Anderen; es scheint wohl einzig und allein vom Körper auszugehen... |  | Rosinenpicken (165 / 166) - Bruckners Dritte und Tschaikowskys Pathetique, jeweils dirigiert von Marek Janowski und Christian Thielemann Andre Sokolowski - 11. März 2012
Michelle Breedt sowie Jane Archibald waren die beiden - voneinander unabhängig aufgetretenen - Solistinnen beim RSB und den Berliner Philharmonikern. Sie sangen beide hübsch und eindrucksvoll in dem für sie von Gott vorher bestimmten "Stimmen-Fach"; die Erstere ließ sich die seit Jahrhundereten an diesem Hause hier nicht mehr gehörten WESENDONCKLIEDERN von Wagner auf das Auge drücken; und die Zweitere empfahl sich, viel viel unlangweiliger als jene Erstere, mit vier von neun Liedern aus den POÈMES POUR MI von Messiaen... |  | Rosinenpicken (162) - Reanimierter Figaro in der Staatsoper im Schiller Theater Andre Sokolowski - 11. Februar 2012
Die Staatskapelle Berlin - bestmöglichst gelaunt und adäquater Weise aufgelegt - musizierte einen freilich "altmodischen", aber musikantisch auf höchstem spielerischen Niveau sich bewegt habenden FIGARO. [Das mit dem "altmodisch" scheint dahingehend der Erwähnung wert zu sein, weil: Heutzutage mag es diskussionswürdigere Herangänge (zum Beispiel durch die Akamus!) an Mozart geben.]
|  | Rosinenpicken (159) - Der einsame Weg am DT a. so. - red. 28. Dezember 2011
DER EINSAME WEG ist eines der etwas weniger bekannten Stücke vom "Wiener Arzt, Dichter und Frauenverbraucher" (O-Zitat Deutsches Theater) Arthur Schnitzler, und es wurde hier (im DT) vor über hundert Jahren uraufgeführt. Auch geht es - in der Tat - in ihm um Ärztliches, Dichterisches und Frauenverbraucherisches... Ein Familienstück also. |  | Rosinenpicken (158) - Berliner Philharmoniker hatten (gottlob) null Lust auf Weihnachtlich-Vorweihnachtliches!! a. so. - 23. Dezember 2011
Heute (23. Dezember) war das dritte der drei vorletzten Konzerte der Berliner Philharmoniker im alten Jahr. Es bestand (gottlob) aus keinem weihnachtlich bzw. vorweihnachtlich ausgerichtetem Gesülze; allenthalben hätte man, obzwar sehr weit geholt, das GLORIA Francis Poulenc' auf "diese Schiene" drücken können, aber alle diese Gloria's aus allen diesen Messen passten ja dann sowieso, von Weihnachten bis Ostern, ins Konzerthaus oder sonstwohin... |  | Rosinenpicken (157) - Edward II an der Schaubühne am Lehniner Platz a. so. - 21. Dezember 2011
Aufgrund der Tatsache, dass dann die Hauptgestalt im Stück - weil sie in blöd machender (blinder) Liebe zu 'nem andern Mann entflammt ist und allein aus diesem Grunde alle Politik-und-Staats-und Repräsentationsverpflichtungen aufs Peinlichste und auch auf das Gefährlichste vernachlässigt, in jene damals schon suspekte Schublade der "schwulen Sau" geriet - konnte und kann die (General-)Sicht nur in puncto MÄNNER-STÜCK gewesen sein. |  | Rosinenpicken (156) - TAGE UNTER von Arne Lygre im Haus der Berliner Festspiele a. so. - 18. November 2011
Generell ja eigentlich nichts einzuwenden gegen solche Menschverbesserer - ihr Wollen und ihr Tun sind ganz und gar "uneigennützig" und so ergo auf das beste Wohl der zu verbessernden Ex-Straßen"kinder" abgerichtet. Dass die Angelegenheiten - abgesehen davon, dass es (auch in Norwegen) ganz sicher illegal und strafbar ist, so Leute von der Straße weg in irgendwelche Heimesbunker zu verschleppen - irgendwie dann aber doch so eine Art von pathologischer Anomalie besitzen, daran zweifelt auch der allerletzte Stück-Erleber bei und nach dem tiefen Stückerlebnis nicht! |  | Rosinenpicken (155) - Der Rosenkavalier in der Götz-Friedrich-Inszenierung der Deutschen Oper Berlin (zum 71. Mal) a. so. - 12. Dezember 2011
Der schöne "alte" ROSENKAVALIER Götz Friedrichs (1993 war die DOB-Premiere) kann sich immer wieder sehen lassen. Und die eigentlich ja furchtbar traurige Geschichte um Vergänglichkeit von Zeit und körperlicher Liebe - worum es in dem genialen Doppelwurf von Hofmannsthal & Strauss letztendlich geht - erfuhr durch jene luftig-leichte Sichtweise des Regisseurs und seiner beiden Ausstatter (Bühne/Kostüme: Gottfried Pilz & Isabel Ines Glathar) ein immer wieder Zuversicht und gute Laune stiftendes Erlebenwollen jener "fremden Schicksale" des wunderbaren Frauenstimmendreiers Feldmarschallin-Octavian-Sophie nebst ihres wunderlichen und sie alle drei aufs Wunderlichste so bedrängt habenden Ochs von Lerchenau... |  | Rosinenpicken (154) - Lemi Ponifasio und MAU Company waren zum zweiten Mal in diesem Jahr bei der spielzeit'europa a. so. - 3. Dezember 2011
BIRDS WITH SKYMIRRORS sind eine (vom Licht her) ziemlich dunkle und - außer den mit der Zeit mächtig auf das Gemüt schlagenden Geräuschzusammenstellungen - ziemlich leise Angelegenheit, die man im Lauf der anderthalbstündigen Tanz- und Sing-Performance als 'nen gut gemeintem Appell gegen die großen Umweltsünden unsrer Zivilisation verstanden haben mochte; ja, ganz hinten wird dann nämlich permanent ein in Maschinenöl getankter Pelikan, der nach und nach sein Leben aushaucht, videokräftig eingeblendet - haben wir soweit begriffen, gut, okay! |  | Rosinenpicken (152) - Gonods FAUST am Gran Teatre del Liceu Barcelona Andre Sokolowski - 29. Oktober 2011
...diese Gonod-FAUST-Bearbeitung zählt allenthalben immer noch zu den wohl unbedeutendsten und allernervigsten Paradebeispielen aus dem Gesamtchorus der Goethe-Epigonialien. Wir waren also froh, ihn daher gottlob nicht noch szenisch ertragen haben zu müssen. / Doch das Haus (Liceu) ist dann schon 'ne absolute Wucht!!! |  | Rosinenpicken (148) - "BeWeGung" / Die Mobilés (im COMEDIA Theater Köln) a. so. - 3. September 2011
...und besonders haften bleiben für den justament hinzugereisten Rezipienten jener sommerlaunigen Bespaßung diese Bilder hier: Entwicklungsstufen des aufrechten Ganges, Sport und Schönheit resp. Diskuswerfer u. s. ä., Tollereien auf dem Fußballfeld, Drangsale auf der Raststatttoilette, Überzüchtungen im Fitnessstudio, Rumlungern im Warteraum, Beflissentliche auf der Rolltreppe/im Fahrstuhl (Superszene!), Handyterrorismus im geschlossenen Theaterraum, Befreuung der Senioren. |  | Rosinenpicken (147) - NACHTASYL / Schaubühne am Lehniner Platz in Koproduktion mit der Hoschule für Schauspielkunst a. so. - 31. August 2011
Es ist die Schauspielerinnen- und Schauspielergeneration der 89er, also der nach der sog. Wende Geborenen. Ja und ich seh' und ahne selbstverständlich, dass dann diese jungen, schönen Menschen eigentlich so richtig oder echt noch nie mit dieser (pennerhaften) Art von Echt-Leid, Echt-Not, Echt-Unglück zu tun gehabt haben können - was ich ihnen nicht zum Vorwurf machen kann und darf! Und dennoch schauspielern sie diese Art von Echt-Leid, Echt-Not, Echt-Unglück ganz großartig und engelgleich.
|  | Rosinenpicken (145 / 146) - CABARET im Tipi am Kanzleramt / DER NAME DER ROSE im Berlin Kriminal Theater Andre Sokolowski - 26. Juli 2011
Wir waren jetzt - auch weil die sog. Saure-Gurken-Zeit bei allen "staatlich Etablierten" diese allbekannten Sommerlöcher hinterlässt und man dort nichts bzw. künstlerisch so gut wie nichts hinzuerfährt - in CABARET (im Tipi) und DER NAME DER ROSE (im Kriminal Theater); und die beiden Produktionen hatten sogar sowas wie einen gemeinsamen Nenner, denn: In beiden Stücken ging und geht es um Gewaltherrschaft und Despotie. Das Eine (CABARET) beschwört den 1929/30 auf dem Vormarsch sich befindenden NS-Staat gänsehauterzeugerisch herauf - das Andere (DER NAME DER ROSE) zeigt eine von der Außenwelt hermetisch abgeriegelte katholische Abtei mit lauter Mönchen, die sich nicht so recht getrauen, gegen eine sie und ihr Gemüt herunterdrangsalierende Vorsätzlichkeit (= Du sollst nicht lachen!) aufzuopponieren... |  | Rosinenpicken (141 / 142) - Keiner weiß mehr am Schauspiel Köln / Rajzok (Zeichnungen) von Márton Illés in der Kölner Philharmonie Andre Sokolowski - 4. Juli 2011
Es geht, vereinfacht ausgedrückt, um eine Vater-Mutter-Kind-Geschichte, wobei die Figur des Vaters (von dem Säugling) resp. die Figur des Manns der Frau ungleich gigantischer im Fokus des Erzählers resp. des Erzählten steht; kurzum: Was fange ich - als Dichter - mit dem mir zuteil gewordenen und (leider) unwegsprengbar'n familiären Anhang meiner selbst in Gegenwart und Zukunft an - - "Problem" der ganzen Chose nämlich ist die grauenhafte Enge, die sich freilich nicht allein aus den vier Wänden, die die Kleinstfamilie fallenhaft umgeben, identifiziert... |  | Rosinenpicken (139) - ELEKTRA in der Staatsoper im Schiller Theater Andre Sokolowski - 31. Mai 2011
Strauss hatte mit seinen Textdichtern (nach Hofmannsthal war es sogar mal Stefan Zweig) zumeist doch Riesenglück; am Schluss des Opern-Oevres wurde es dann freilich etwas dürftiger und wunderlicher mit seinen Librettiangeboten. Wie dann überhaupt - um seine Reichsmusikkammer-Geschichte - hin und wieder auch sehr Fragwürdiges aus dem Griffel von ihm
kam; und wir betonen das an dieser Stelle ruhig noch mal sehr laut, weil wir bis dato nicht verstehen oder nachvollziehen wollten, weshalb uns vor ein paar Wochen die Berliner Philharmoniker dieses unsägliche Scheiß-Nazi-Stück von ihm ("Festmusik der Stadt Wien") zumuteten... |  | Rosinenpicken (138) - Simone Kermes als Armida in RINALDO an der Oper Köln a. so. - 22.05.2011
Das Sängeraufgebot vom Feinsten. Die drei Frauen aus der Riege sehr bestimmend und sehr vordergründig; allen allerdings voran - Simone Kermes als Armida! Sie beherrscht sowohl ihr eig'nes stimmliches Vermögen (ihre Höhenpfiffe, laut wie leise, exkursieren schon ins Reich des Sensationellen) als ihr kollegiales Umfeld, welches sie im Saugsog mit sich reißt... und sowieso beherrscht sie folglich auch ihr Publikum; sie ist 'ne kapitale Rampensau!! |  | Rosinenpicken (137) - DON CARLO (René Pape als Philipp II.) in der Staatsoper im Schillertheater Berlin a. so. - 1. Mai 2011
Wir waren eigentlich dann wegen René Pape, der den König Philipp gab, zugegen; weil ja auch die Staatsoper so vehement für seinen Auftritt in DON CARLO warb. Zurecht! Der Pape ist dann schon so was wie eine Idealbesetzung für den König Philipp, ja, o ja - man kriegt durch seine Darstellung gesondert und mit einer Extraklasse zu verstehen, dass dann eigentlich diese Geschichte um den ungeliebten König Philipp die Zentralhandlung des eigentlich ja völlig sinnlos mit Historie im Allgemeinen sowie Flamen/Flandern und Karl-V und Großinquisitionen im Besonderen "belad'nen" Stückes ist; ja, wenigstens; den Rest (der Handlung) kann man ja getrost vergessen... |  | Rosinenpicken (134 / 135) - Wagners PARSIFAL / ÜBER LEBEN von Judith Herzberg Andre Sokolowski - 10. April 2011
Einen Bogen von Richard Wagner (1813-1883) zu Judith Herzberg (geb. 1934) zu schlagen, scheint wohl unmöglich - - wir machen das jetzt trotzdem, weil: Die Herzberg-Stücke unterm Epopöe-Titel ÜBER LEBEN handeln von in sich verbandelten sowie zerstrittenen jüdischen und nichtjüdischen Familienmitgliedern der Ära/Nachära des Holocaust; und Holocaust und Wagner wären schon auf eine ganz bestimmte Art und Weise stark beziehungsreich... obgleich kein Ton/kein Wort von/über Wagner bei der Herzberg nachzulesen und/oder zu hören sind. |  | Rosinenpicken (130) - NACHT im Ballhaus Ost a. so. - 16. Januar 2011(2)
Ein stark herauszuhörendes Ressentiment des Polen gegen Russen oder Russland; oder habe ich mich da total verhört? Und inflationable Ost-und-West-Klischees mit fast schon infantil zu nennenden "Metaphern" à la WEST gleich Inbegriff von schicken Autos, OST gleich Inbegriff eines moldawischen Zigeunerkönigs; wenn es wenigstens dann im Ironischen und/oder gar durch Spott gezeichnet worden wäre... |  | Rosinenpicken (129) - LES TROYENS an der Deutschen Oper Berlin Andre Sokolowski - 12. Dezember 2010
(...) wir freuten uns über diesen sportiven Ehrgeiz, den dann jetzt Sir Donald Runnicles nebst Produktionsteam packte, uns Berlioz' TROJANER einmal groß und breit und kräftig auf der Bühne vorzuofferieren. Freilich wunderten wir uns dann schon (und pausenlos), warum er Dieses tat, denn: Dieses Stück bereicherte uns, also "menschlich", reinweg nicht - wir registrierten bloß so aufgesetzt gewollte Wirkung, wie sie vielleicht damals bei der Großen Oper in Paris gefordert und gefragt gewesen war... |  | Rosinenpicken (126) - MONKEY SANDWICH am Schauspiel Köln Andre Sokolowski - 24. November 2010
(...) Das handwerklich grandios gestemmte Unternehmen - eine Art Gesamtkunstwerk - hat seine faszinierendsten Momente dann, wenn (eineindeutig, wiederum!!) entschlüsselt ist, dass ES am Ende doch um die Geschichte EINES MANNES geht... |  | Rosinenpicken (125) - Bernard-Herrmann-Alfred-Hitchcock-Abend in der Kölner Philharmonie a. so. - 23.11.2010
Das brillant-pfiffig und üppig-schön spielende hr-Sinfonieorchester war die ausladende Klangwanne, worüber dann - auf einer überdimensionalen Breitfilm-Leinwand - solche Mega-Kracher (Hitchcocks) wie zum Beispiel "Der unsichtbare Dritte", "Psycho" oder "Der Mann, der zuviel wusste" auszugsweise in Erinnerung gebracht gewesen waren... |  | Rosinenpicken (123) - Sensationelles Jelinek-Spektakel am Schauspiel Köln!!! (DAS WERK / IM BUS / EIN STURZ) Andre Sokolowski - 11. November 2010
Elfriede Jelinek's DAS WERK / IM BUS (UA) / EIN STURZ (UA) wurden von Karin Beier feucht-fröhlich und lustvoll-laut in einer kurzweiligen, kuriosen Inszenierung dargebracht - ein (riesen-)großer und zwei ("etwas") kleinre Text(e) der Nobelpreisträgerin für Literatur, der Sprach-und Lautezauberin, der hochpolitisch als wie höchst privat sich äußernden Zentralbeherrscherin der Inhalte und Formen regelrecht und überhaupt... |  | Rosinenpicken (121 / 122) - Oper Köln stellt ihre ersten beiden Spielzeit-Produktionen zur Debatte, L'INCORONAZIONE DI POPPEA / ELEKTRA Andre Sokolowski - 10. November 2010
DIE KRÖNUNG DER POPPEA, letzte Oper Monteverdis, wurde dort (Gerling-Quartier) gegeben; und wir staunten überhaupt nicht schlecht über den tollen Saal... und was die Reichen, früher sowie heute, sich so alles Schönes leisten taten oder leisten tun, damit sie ihre Reichtumsangelegenheiten richtig schön "ambitioniert" bewerkstelligen konnten oder können; nein, wir sind nicht neidisch... / Gabriele Rech legte in ELEKTRA großen Wert auf die Herausarbeitung auch der Neben-Rollen; so wird man Zeuge einer körperlichen Züchtigung einer der Mägde, die sich nicht dem Animositätensog (= Gruppenhass der so schon "Unterdrückten" auf Elektra) unterordnen wollte - jene bleibt dann auch, als Einzige, nach dem verübten Schluss-Massacker von Orest & Co. am Leben - - sonst, und überhaupt, fließt literweise das finale Gruppenblut. Sehr hübsch das Alles!! |  | Rosinenpicken (120) - DAS RHEINGOLD im Schillertheater (Wagners "Ring" als Koproduktion der Mailänder Scala mit der Deutschen Staatsoper Berlin) a. so. - 1. November 2010
In dem RHEINGOLD wird am ehesten ersichtlich, dass sich Richard Wagner mit dem aufkommenden Frühkapitalismus auseinandersetzte, dass er (nicht nur instinktiv) die krieg- und unheilstiftende Ermächtigung des Kapitals als eigentlichen "Liebestöter" - fast schon, wollte man euphorisch sagen, parallel zu Marx & Engels, wenn es stimmen würde - mitbegriff; in dieser Art der künstlerischen Dechiffrierung eines todbringeden Kreislaufs (Macht und Geld) erwies er sich als kindisch-großer Revolutionär; das macht den RING DES NIBELUNGEN zeitlos. / Nichts von alledem bei und durch Guy Cassiers! Nur lauter technisch ambitionierte Mätzchen (Licht- und Videoüberreizungen en masse)...
|  | Rosinenpicken (118) - PEER GYNT am Berliner Maxim Gorki Theater a. so. - 24.10.2010
Peer Gynt, das alte Findelkind, geht zwischenzeitlich in die Irre, handelt gar mit Sklaven; und dann kehrt er einsamer als je zuvor ZU SICH ZURÜCK; und er begreift das einzig wahre Glück im Leben: dass da Eine oder Einer auf dich wartet(e) - und Solveig (die Marina Galic spielte) war so Eine oder Einer, und so'n Peer begriff es endlich, in der Tat!! |  | Rosinenpicken (117) - ADRIANA LECOUVREUR (konzertant) durch die Deutsche Oper Berlin a. so. - 07.10.2010
Cilea's ADRIANA LECOUVREUR ist eine Heuloper so wie aus einem Guss, man kann sich ihrem Soge nicht entziehen; und obwohl man, nach den allerersten Übertiteln, schon vorausbegriffen hat, dass es in diesem extraordinären Schmachtfetzen freilich um Liebe, Eifersucht und Tod geht, lechzt man um so lustvoller nach Dem, was "zwischenhin" und bis zum bittren Ende dann so Alles vor sich geht... |  | Rosinenpicken (116) - DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG, neu inszeniert an der Komischen Oper Berlin Andre Sokolowski - 3. Oktober 2010
DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG haben (Text-)Stellen, die einfach zum Kotzen sind. Und unabhängig davon, dass dann auch noch - muss man allerdings dann zwischen all den Zeilen lesen - Wagners Antisemitismus hier geradezu auf körperliche Weise (Prügelfuge, beispielsweise) "spürbar" ist, bleibt jener Vorwurf ausgerechnet dann und immer wieder an der kotzwürdigen Schlussansprache des Hans Sachs (Festwiese) hängen... |  | Rosinenpicken (114/115) - Wozzeck I / II Andre Sokolowski - 13. September 2010 (2)
Weniger bekannt dürften dann auch jene DREI BRUCHSTÜCKE FÜR GESANG MIT ORCHESTER AUS DER OPER "WOZZECK" OP. 7 sein; Berg stellte diese Fassung, und nachdem er 7 Jahre an der eigentlichen Oper schrieb, für konzertante Darbietungen ein Jahr vor der WOZZECK-Uraufführung her. (...) Es ist ein mäßig-guter Film ("WOZZECK"), ja und ihm merkt man schon - das ist wohl dann der Makel, woran dieser Streifen so besonders "leidet" - diese oberlehrerhafte Botschaftswilligkeit der damaligen Macher (Ostdeutschland im Jahre 1947) an... |  | Rosinenpicken (111) - WOYZECK an den Kammerspielen des DT Andre Sokolowski - 7. September 2010
Tom Waits, der für die Stücke und Projekte von und mit Bob Wilson allerlei Hinzumusiken schrieb und immer wieder schreiben wird, kann/konnte auch die Tinte nicht in puncto WOYZECK bei sich halten. Und so wurden Büchners knappem und milieugetreuem Text paar schöne Song-Einlagen beigefügt; der Misch-Masch hat so was von unfertigem Musical - - nun, wem's gefällt! |  | Rosinenpicken (110) - ÖDIPUS AUF KOLONOS am Berliner Ensemble Andre Sokolowski - 29. August 2010
Zweieinhalb Stunden braucht es geduldiges Sitzfleisch, um den artifiziellen Endlostext des Sophokles'schen ÖDIPUS AUF KOLONOS (Neuübersetzung: Peter Stein) über sich ergehen zu lassen; Peter Stein, die alte Regie-Legende, duldet keine Pause, und so steckt man also hilflos (und sich auf das Notdürftigste nach der Vorstellung vorauseiliger Weise freuend) in der viel zu engen Sitze-Falle drin und wartet, wartet, wartet... bis das Alles endlich fertig ist... |  | Rosinenpicken (109) - BERLINER PHILHARMONIKER, Saison-Eröffnungskonzert in Zusammenarbeit mit der Deutsche Bank AG Andre Sokolowski - 28. August 2010
(...) Die Deutsche Bank AG ist Hauptsponsor von den Berliner Philharmonikern, ja und als solche pumpt sie freilich jede Menge Kohle in die Stiftung; wie viel das genau ist, müsste/könnte man erfahren, wenn man nachfragt; diese Zahlen unterliegen keinerlei Geheimhaltung. Doch darum geht es nicht; wer Geld hat, soll es ausgeben - wer zu viel Geld hat, soll gefälligst spenden; basta-basta!! (...) Nichts desto Trotz war es ein wunderschöner Abend mit Musik von Beethoven und Mahler... |  | Rosinenpicken (108) - 10 Jahre "KÖRPER" von Sasha Waltz Andre Sokolwski - 27. August 2010
Die dreizehn Tänzerinnen und Tänzer von Sasha Waltz & Guests haben KÖRPER, diese mittlerweile schon als Kultstück um die Welt getourte Vorstellung von ihrer Meisterin, seit 10 Jahren im Repertoire und - in den Knochen. Weiß nicht, ob es sich hierbei und heute (26. August 2010) dann um die Ur-Besetzung handelte; aber die meisten der Gesichter sowie Körper dieser Dreizehn "kannte" ich dann doch "von Angesicht zu Angesicht"...
|  | Rosinenpicken (106): ROMEO & JULIA von Nuran David Calis nach William Shakespeare am Berliner Maxim-Gorki-Theater Andre Sokolowski - 30. Juni 2010
ROMEO & JULA wird von Calis nach Berlin verlegt, und der zentrale Handelsplatz ist so ein Nacht- bzw. Szeneclub mit sinnlich-schönem Namen wie V.e.r.o.n.a.. Und so ist die Stadt - ähnlich wie bei dem Grundplot aus Leone's ES WAR EINMAL IN AMERIKA - in zwei (verbrecherische) Lager aufgeteilt: die Montague's, wo Romeo her stammt, verkörpern die Partei der Armen und Verlierer; und die Capulet's, wo Julia her ist, die Partei der Reichen und Gewinner; ja und ROMEO & JULIA wollen mit dem Allen dann nichts mehr zu tun haben und frönen nur noch (richtig, richtig) ihrer Liebe...
|  | Rosinenpicken (105): JOHNNY CHICAGO an der Volksbühne Berlin Andre Sokolowski - 23. Juni 2010
Die Veranstaltung dauert etwas über zwei Stunden und hat eine Pause... Hein kann nicht schreiben und nicht spielen. Krömer bringt Einen, wie stets (wer's mag), zum Lachen. Ja, und Löwendorf, "der" Einzige im Bund, "der" wahrheitlich theatern kann, fegt Alle(s) von den Brettern... Sonst wird geistig dünngeschissen; Text ist Kotze!! |  | Rosinenpicken (104) - GURRE-LIEDER im Konzerthaus Berlin a. so. - 16. Juni 2010
Schönbergs GURRE-LIEDER hören sich doch sehr gigantisch an. (...) Lothar Zagrosek probte lange und sehr intensiv mit den drei Chören und dem Konzerthausorchester Berlin. Wir freuten uns über Details, vor allem über die (zu) lauten und (zu) leisen Stellen... Ja, die GURRE-LIEDER hatten wir schon mal viel breiiger und brummsiger vernommen, nein, das war nicht hier. |  | Rosinenpicken (103) - OTELLO an der Deutschen Oper Berlin a. so. - 3. Juni 2010
Der Shaespearekenner Kriegenburg - von ihm sahen wir letzte Woche seinen kurzweiligen HAMLET in den Kammerspiele des DT - hat die OTELLO-Handlung auf ein Flüchtlingsschiff verlegt. Dort ist Otello Kapitän; dort kann er, letztlich nur noch im Logistischen, beweisen, was er konnte/was er kann. Als Militär hat er inzwischen nur noch musealen Ruf. Die Liebste, die sich im Verteilen milder Gaben an die Ärmsten dieser Welt nicht nur aus Langeweile gütlich tut, versteht die (böse) Welt und bald den (bös gewordnen) Gatten überhaupt nicht mehr... So ungfähr liest sich, bei Kriegenburg, der umgestutzte Plot.
|  | Rosinenpicken (101): FIDELIO 1805 an der Komischen Oper Berlin Andre Sokolowski - red. 2. Mai 2010
(...)Benedikt von Peter will uns sagen, dass die Demontage der Theater (Stichwort vom Theatersterben) - und deswegen lässt er auch die Lüster unter den Proszenniumslogen abmontieren und den halben Opernfundus aus der Behrenstraße in den Müllcontainer schmeißen - mit dem Endverbrauchtsein von Visionen (Stichwort deutsche Einheit) und/oder FIDELIO irgendwie zu tun hätte... |  | ROSINENPICKEN (99): DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG - Oper Köln Andre Sokolowski - red. / 15. April 2010 http://www.andre-sokolowski.de
Laufenberg machte DIE MESTERSINGER zu einer Zeitreise, die drei Riesenakte spielen a) im Mittelalter, b) zur Biedermeierzeit und c) heute. Das macht dahingehend einen Sinn, weil diese Zeitreise halt a) aufs Herkünftliche dieser Meistersingerei, b) auf Wagners Revoluzzertum während der 1848er Barrikadenschlacht und c) auf Köln & Köllsches allgemein und im Besonderen abhebt.
|  | ROSINENPICKEN (98): L'HEURE ESPAGNOLE - Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Andre Sokolowski - red. / 15. April 2010 http://www.andre-sokolowski.de
In dem merkwürdig-frivolen Stück (zu deutsch: "Die spanische Stunde") gehts um Sex. Die Frau eines Uhrmachers hält sich zwei Liebhaber, die sie - immer, wenn der Gatte nicht zu Hause ist - an sich verfahren lässt. Aber die Herren taugen nichts/nichts mehr. Das kriegt die Närrische erst mit, als ihr ein dritter Mann - ein muskulöser Maultiertreiber - unvermittelt zwischen ihre Schenkel läuft, da hat sie nämlich den Vergleich.
|  | ROSINENPICKEN (97): DIDO, KÖNIGIN VON KARTHAGO - zeitfenster - V. Biennale Alter Musik Berlin Andre Sokolowski - red. / 15. April 2010 andre.sokolowski@web.de
Jörg Jacobi hatte nun - so lesen wir in seinem Interview für das sehr imposante Groß-Programmbuch "zeitfenster - V. Biennale Alter Musik" - eine Oper Graupners in den Staatsarchiven der Berliner Nationalbibliothek entdeckt und vorgeholt; hatte dann alles soweit angeguckt, analysiert, ent-fehlert usw. usf. Und justament stand eine Partitur von Graupners Oper DIDO, KÖNIGIN VON KARTHAGO zur Verfügung, die jetzt hier und heute (also jene Oper) ihre reanimisierte Uraufführung hinter sich zu bringen wusste.
|  | Rosinenpicken (90 / 91): Philharmonie Essen / Konzerthaus Berlin - Beethovens Vierte / "apokryphos" von Bernard Rands Andre Sokolowski - red. / 16. März 2010 http://www.andre-sokolowski.de
Beethovens Vierte Sinfonie stand - neben Mozarts fünftem Violinkonzert (Solist war Giuliano Carmignola) - auf dem Nachmittagsprogramm im schönen hellholzigen Saal der Essener Philharmonie.
Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin hatten sich - neben Schuberts "Gesang der Geister über den Wassern" sowie Beethovens 3. Klavierkonzert (Solist war Lang Lang) - APÓKRYPHOS von Bernard Rands als Hauptprogrammschwerpunkt und europäische Erstaufführung gewählt.
|  | Rosinenpicken (88/89): Ständetheater Prag - DON GIOVANNI und: Staatskapelle Berlin - MAHLERS DRITTE Andre Sokolowski - red. / 4. März 2010 http://www.andre-sokolowski.de
Heute nennt sich jene Uraufführungsstätte des GIOVANNI: Ständetheater Prag. Es ist eines der drei Opernhäuser in der Goldenen Prag; alle drei (Ständetheater, Staatsoper, Nationaltheater) funktionieren unter dem Label "Národni divadlo". / Die Premiere der von uns gesehenen Produktion war 2006.
Für James Levine, der bei der Staatskapelle Berlin mit MAHLERS DRITTER debütieren wollte (und er konnte krankheitshalber diesmal noch nicht kommen; das Debüt mit ihm wird in die nächste Spielzeit vorgeplant), sprang Daniel Barenboim kurzfristig ein.
|  | Rosinenpicken (86): Konzerthausorchester Berlin . Rolf Riehm: Au bord d'une source für Tenorblockflöte, Orchester und CD-Zuspiel Andre Sokolowski - red / 20. Februar 2010
Diesen Vita-Text haben wir von der Homepage Jeremias Schwarzer's (http://recorderprojects.de) kopiert; und zwar deshalb, weil er der Solist - und ohnehin die absolute Attraktion im Programm des Konzerthausorchesters Berlin (Dirigent: Lothar Zagrosek) am letzten Freitagabend war - es erklangen da, als bürgerlicher "Rahmen" sozusagen, die erste Sinfonie vom jungen Beethoven und die letzte Messe vom greisen Haydn; dazwischen machten wir Bekanntschaft mit dem 2007 in Stuttgart uraufgeführten Rolf Riehm-Werk: "Au bord d'une source" für Tenorblockflöte, Orchester und CD-Zuspiel. ... |  | Rosinenpicken (85): Berliner Philharmoniker - Debüt von TON KOOPMAN Andre Sokolowski - red. / 29. Januar 2010 http://www.andre-sokolowski.de
Ton Koopman ist ja oft in Berlin. Mit dem Deutschen Symphonie-Orchester, beispielsweise, hatte er schon Einiges gemacht - - nun ereilte ihn also der Ruf der Philharmoniker, auch mal was mit ihm machen zu wollen. Okay.
|  | Rosinenpicken (84). Konzerthaus Berlin: IL GIARDINO ARMONICO - DANIELLE DE NIESE (Sopran) Andre Sokolowski - red. / 22. Januar 2010 http://www.andre-sokolowski.de
Mit Il Giardino Armonico bestritt das Konzerthaus Berlin einen weiteren Höhepunkt seiner Reihe Kammerorchester International. Das 1985 in Mailand gegründete Spezialensemble für Alte Musik - Il Giardino Armonico zählt heute unangefochten zur absoluten Weltspitze derartiger Kammermusikgruppen - richtete sein Programm insbesondere auf den es hochprofessionell und überhaupt nicht uneitel anschürenden Koloraturstar Danielle de Niese (Sopran) aus.
|  | Rosinenpicken (83): Deutsche Staatsoper Berlin - DER FERNE KLANG von Franz Schreker Andre Sokolowski - red. / 18. Januar 2010 http://www.andre-sokolowski.de
Der Zauber dieser jetzt wiederaufgenommenen Produktion (Regie: Peter Mussbach) geht eindeutig von den Musikern der Staatskapelle Berlin (Dirigent: Pedro Halffter) aus. Sie sind schrekererfahren! Und obgleich schon Gielen, der die Inszenierung vor zehn Jahren musikalisch betreute, von einer gewissen Trivialität der Schreker'schen Musik zu sprechen sich genötigt sah, ist man doch völlig fasziniert von diesem insgesamt so uneinordbar-ungreifbaren Klang.
|  | Rosinenpicken (81 / 82): Akademie für Alte Musik / DSO - MENDELSSOHN UND BRUCKNER Andre Sokolowski - red. / 10. Januar 2010 http://www.andre-sokolowski.de
Georg Kallweit, der Konzertmeister der Akademie für Alte Musik Berlin, ist nicht nur ein begnadeter Violonist; er kann auch wie ein Entertainer unterhalten...
Beim DSO, einen Abend später, stand dann Herbert Blomstedt wieder mal am Pult; er dirigierte BRUCKNERS ZWEITE sowie Mendelssohns d-Moll-Klavierkonzert - hier konnte er auf Martin Helmchen (28) bauen!
|  | Rosinenpicken (79 / 80): WEIHNACHTSORATORIUM von Graun / MESSIAH von Händel - Philharmonie Berlin (KMS) / Konzerthaus Berlin Andre Sokolowski - red. / 19. Dezember 2009 http://www.andre-sokolowski.de
Das Händel-Hallelujah macht der Rademann mit seinem RIAS Kammerchor nun wirklich ganz ganz anders als die vielen Anderen, denn: Er lässt's aus der Ferne, luftig-leise, wie aus einer Schäfchenwolke nach und nach herbeischneien...
Ein paar Tage zuvor dann das WEIHNACHTSORATORIUM - aber nicht das von Bach, sondern das von Carl Heinrich Graun (1704-1759), also vom ehemaligen Hofkomponisten und Hofkapellmeister Friedrichs des Großen. Eine sensationelle Entdeckung übrigens...
|  | Rosinenpicken (75): DER BARBIER VON SEVILLA an der Deutschen Oper Berlin a. so. - red / 30. November 2009
Diesmal können wir uns kurz fassen, weil: Es gibt nichts besonders Wichtiges an dieser neuen Deutsche-Oper-Produktion von IL BARBIERE DI SEVIGLIA des Rossini zu berichten... außer dass sie kreischend kindisch inszeniert und allenthalben akzeptabel musiziert gewesen ist - die (freilich unbeabsichtigte) Konkurrenz zum legendären Berghaus-Kammerspiel im Bau der Lindenoper "nebenan" stellt sich selbstredend überhaupt nicht ein. ... |  | Rosinenpicken (74): PHILIPPE JAROUSSKY mit CONCERTO KÖLN a. so. - red / 25. November 2009
Philippe Jaroussky ist 30 und sieht aus wie'n Gymnasiast. Er hat ein sprechendes, nein - Philippe hat ein singendes Gesicht. Es ist, in seiner anmutigen Unschuld, babyweich und zeitgleich männlich schön wie ein mit warmem Wunderleben durch und durch versetzter Bergkristall; das machen seine Augen (auch), die groß, direkt und aufrichtig zum jeweiligen Gegenüber schauen... und die jeweiligen Gegenüber, also auch Mit-Augen-Die, sind hin- und wegschmelzbar vom "Sternenzauber" dieser dunkelgrauen oder dunkelblauen oder irgedwie in so 'nem Wasser-Glitzer-Dunkel ausstrahlenden Jungenaugen. ... |  | Rosinenpicken (73): Royal Philharmonic Orchestra - JOSHUA BELL spielte Violinkonzert von Brahms Andre Sokolowski - red. / 27. Oktober 2009 http://www.andre-sokolowski.de
Begleiten ließ er (= Joshua Bell) sich vom Royal Philharmonic Orchestra (Dirigent: Charles Dutoit). Es gastierte mit unterschiedlichen Programmen an zwei aufeinander folgenden Abenden im Konzerthaus Berlin. Vor Brahms gab es eine überkulinarisch ausgewalzte Berlioz-Ouvertüre zum Thema Römischer Karneval, nach der Pause eine von Dutoit selbst zusammengestellte Suite aus Prokofjews ROMEO UND JULIA, laut und liebgewollt gespielt.
|  | ROSINENPICKEN (70, 71, 72): HERZTIER / Chopin-Matinee / Philharmonisches Klavierquartett Berlin a. so. - red. / 2ß. Oktober 2009
Mein Freund John - er ist Cellist - war dieses Wochenende zu Besuch; ich wollte ihm das Gebäude zeigen, wo die Berliner Singakademie (der 20jährige Mendelssohn verhalf hier einst der Bach'schen Matthäuspassion zu einem sensationellen Comeback) daheim war - heute funktioniert es als Maxim Gorki-Theater, und es ist eine der spannendsten und innovativsten Sprechbühnen unseres Landes. ... |  | Rosinenpicken (66): Bühnen der Stadt Gera: 1. PHILHARMONISCHES KONZERT / FADO Andre Sokolowski - red / 29. September 2009
Fado = Schicksal. Nach dem großen Erfolg von "Tangos for the affectionate" widmet der Choreograph Hugo Viera nun einen ganzen Ballettabend seiner Heimat Portugal. Im Mittelpunkt dieser sehr persönlichen Auseinandersetzung mit Kultur, Geschichte und Mentalität unseres südwestlichsten europäischen Nachbarn steht ein Begriff, der für die Identität des portugiesischen Volkes zentral ist: Fado.
'Fado' bezeichnet nicht nur ein Musikgenre, eben jene melancholischen Lieder, die seit über zweihundert Jahren in den Kneipen Lissabons und Coimbras vorgetragen werden und die von Liebe und Sehnsucht erzählen ... |  | Rosinenpicken (63): DIDO & AENEAS von Henri Purcell - Ehrenhof Neues Schloss Bayreuth Andre Sokolowski - red. / 20. August 2009 http://www.andre-sokolowski.de
Als KLASSIK UNTERM STERNENZELT (im Neuen Schloss Bayreuth, Eingang Hofgarten) "verkaufen" sie ihre Projekte in der laufenden Saison 2009: Melodien einer Sommernacht, Dido und Aeneas, Der Vogelhändler, Eine kleine Zauberflöte sowie das Festival junger Künstler in Bayreuth. Über eine Woche lang, bei allerschönstem Wetter. Sie, das sind der eingetragene Verein Freies Theater Bayreuth sowie - im zu besprechenden Falle - das Ensemble Vocaliensis Frankoniensis. |  | Rosinenpicken (61 / 62): DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT / THE GEOMETRY OF SEPARATION - Berlin Andre Sokolowski - red. / 3. Juni 2009 http://www.andre-sokolowski.de
In Fassbinders DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT wird einer "selbstbewussten" Modeschöpferin bewusst, wie töricht sie sich Jahr um Jahr, quasi an ihren Laufstegen vorbei, ums eigne Lebensglück (was ist das? wäre dann die Folgethese) brachte: durch erzehrten sogenannten Ruhm und absolute Selbstverdrängung ihrer "lieblichsten" Gefühle.
In THE GEOMETRY OF SEPARATION (noch komplizierter ging der Titel nicht!) nimmt Riki von Falken die Geschicke mehrfach und gleich höchstpersönlich selber in die Hände: uns erklärend oder vorführend, was wohl in einer Frau, die ihrem eignen Alter nich ganz unähnlich erscheint, so (unerklärlich) Merkwürdiges vorgeht, wenn sie einsam und allein ist oder wie auch immer ...
|  | Rosinenpicken (59 / 60): ROSAMUNDE und KONZERT FÜR FÜNF (UA) - Berliner Philharmoniker Andre Sokolowski - red. / 29. Mai 2009 http://www.andre-sokolowski.de
So ist es also völlig wurscht, in welcher Ab- und Reihenfolge Schuberts zugelieferte Musiken (7 = Mindestzahl) im Nachhinein erklingen. Wurschter noch als wurscht, denn um das grauenhafte Chézy-Schauspiel ist das Mäntelchen des Schweigens vornehm und dezent geworfen worden. Es gibt also "nur noch" Schuberts ROSAMUNDE, und sonst nix!
Die Berliner Philharmonischen Bläsersolisten sind Andreas Blau, Albrecht Mayer, Wenzel Fuchs, Stefan Schweigert und Radek Baborak. Für sie hat Siegfried Matthus ... - ein Auftragswerk geschrieben, und es heißt KONZERT FÜR FÜNF.
|  | Rosinenpicken (57/58): ORLANDO PALADINO - Deutsche Staatsoper Berlin / EUGEN ONEGIN - Deutsche Oper Berlin Andre Sokolowski - red. / 10. Mai 2009 http://www.andre-sokolowski.de
Haydn war ein Vielschreiber; vielleicht ging es ihm nicht nur materiell, sondern auch "seelisch" hiermit gut. ... Ein Dutzend Opern hatte er so nebenbei gemacht. ... ORLANDO PALADINO soll, wenn man den Urteilen der Spezialisten traut, das Beste dieses Dutzends sein.
EUGEN ONEGIN, in der schönen Sommergästeinszenierung von Götz Friedrich, hat es mittlerweile schon auf 38 Repertoireaufführungen gebracht; er ist ein echtes Zugpferd in der Deutschen Oper an der Bismarckstraße.
|  | Rosinenpicken (56). Berliner Ensemble – SHAKESPEARES SONETTE a. so.
SHAKESPEARES SONETTE sind die schönsten Liebesgedichte der Welt! Sie sind so schön wie rätselhaft zugleich. Das heißt, so rätselhaft nun wieder nicht. Es heißt zwar immer - und man kann in Bibliotheken dieser Welt Hunderte umständliche Abhandlungen über den Geheimnisgrad der SHAKESPEAR'SCHEN SONETTE nachlesen - , dass dieses Rätsel und Geheimnis einzig und allein im "Adressaten" der SONETTE auszumachen wäre; ... |  | Rosinenpicken (53): BACHS MATTHÄUSPASSION - Orchestra of the Age of Enlightenment Andre Sokolowski - red. / 11. April 2009 http://www.andre-sokolowski.de
So was habe ich noch nie erlebt; ich dachte erst, dass ich in einen Fantasyfilm rein geraten wäre. Alles funktionierte wie von Geisterhand... Das Orchester, im Hintergrund, spielte, und so wie ich das beobachtete, ohne jedes "Einsatz"-Zeichen.
Die Solisten, vorne, kamen alle, ohne sich etwa sehr auffällig mit Blicken zu verständigen, quasi auf ihren Punkt. Und sie vollführten alle Chorpassagen, und sie sangen gleichsam alle Arien; hierzu (Arien) gingen sie, nicht immer, aber meistens, in die Mitte zwischen die rechts/links postierten Doppelblöcke...
|  | Rosinenpicken (51): AIDA, dirigiert von Daniel Barenboim - Deutsche Staatsoper Berlin Andre Sokolowski - red. / 29. März 2009 http://www.andre-sokolowski.de
AIDA ist ein Volksstück. Jedermann, und also jeder Unbedarfte (und Bedarfte), kennt das Ding, zumindest von dem Titel her. Und so geschieht es also auch, dass die Veranstalter, die mit AIDA rechnen oder punkten, ihre kauffreudigen Heerscharen per Bus und Bahn und Billigflieger zu AIDA bringen. Es grenzt immer an ein Großevent.
|  | Rosinenpicken (51): LIEDERABEND ANJA SILJA - Komische Oper Berlin Andre Sokolowski - red. / 9. März 2009 http://www.andre-sokolowski.de
Ja, ihre Stimme ist für diese Art zu singen absolut und ideal; sie lehnt und legt sich in die große Kantilene. Ihre Bögen, die sehr weitschweifig und ausladend geraten, zielen stets auf eine ausufernde Höhe, und die Spitzentöne packt sie ja fantastisch... also wenn sie richtig aus und hoch singt, hat man schon die leise Hörerfurcht, dass es das Dach des Hauses abzutragen droht, so spitz, so scharf, so kantig ist sie da ...
|  | Rosinenpicken (50): Neujahrskonzert mit Haydns DIE SCHÖPFUNG Andre Sokolowski - red. / 2. Januar 2009 http://www.andre-sokolowski.de
Johannes Weisser, sündhaft schön und braunknopfäugig und mit einem seine Soprankollegin Julia Kleiter ganz und gar entwaffnen wollenden Gelegenheitslächeln, zog die augen- und auch ohrenscheinliche Konzentration nicht weniger Besucher in dem Saal total auf sich. ...
|  | Rosinenpicken (49): CHRISTIANE OELZE sang Berg, Mahler, Schumann und Messiaen - Konzerthaus Berlin Andre Sokolowski - red. / 4. Dezember 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Oelze ist die Dritte in der Folge, die das Lied-Gesamtwerk von Messiaen (falls ich das richtig aus den Aufzeichnungen im Programmheft in Erinnerung behalten habe) im Konzerthaus am Gendarmenmarkt zur Aufführung gebracht hat; vor ihr standen schon Ruth Ziesak und Christine Schäfer auf demselben Podium. Initiator dieser engagierten Großtat müsste, zweifelsohne, Eric Schneider, der sie alle am Klavier begleitete, gewesen sein.
|  | Rosinenpicken (48): BRAHMSKONZERT - Berliner Philharmoniker Andre Sokolowski - red. / 9. November 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Radek Baborak, Stefan Dohr, Stefan de Leval Jezierski, Fergus McWilliam, Georg Schreckenberger, Klaus Wallendorf und Sarah Willis sind - neben allen weiteren 114 Instrumentalisten des Orchesters - als die ausgewiesenen Hornisten der Berliner Philharmoniker in jedem der Programmhefte (die gibt es jeweils gratis) mitgeteilt. Das fiel mir dieses Mal besonders ein und auf, weil: Mit dem Hornklang steht und fällt die gute Laune des Konzertbesuchers.
|  | Rosinenpicken (47): LOHENGRIN - Deutsche Oper Berlin Andre Sokolowski - red. / 2. November 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Dass der LOHENGRIN vor allem eine richtig große Choroper dann ist, bekam man jetzt und wieder - und zwar deutlicher denn je - in einer schön gepflegten Repertoire-Aufführung (Spielleitung: Gerlinde Pelkowski) angenehm zu spüren.
|  | Rosinenpicken (45): DIE HAMLETMASCHINE am sog. Tag der deutschen Einheit 2008 Andre Sokolowski - red / 4. Oktober 2008
Es gibt Feste, wo es keine rechten Essen dafür gibt. Zu Weihnachten oder am Ostersonntag, beispielsweise, kommen keine kulinaren Zweifel auf. In Thüringen (wo ich her bin) macht meine Mutter Heiligabend immer Fisch, mal Karpfen, mal Forelle; Ostersonntag gibts dann meistens Hasenbraten... |  | Rosinenpicken (43 / 44): Berlin - HAYDN / SCHRECKER, BRUCKNER Andre Sokolowski - red. / 16. September 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Wir wurden gar nicht unoft Zeuge, dass und wie den HAYDN Simon Rattle mag; und jedes Mal, wenn die Berliner Philharmoniker den HAYDN ins Programm bugsierten - wann erfolgte das dann je, seit Rattle Chef ist, ohne ihn? - , war man betört von einem luftig hellblütigen Klang des Körpers, wurde von den frischherzigen Schwingungen, die dieser Rolls Royce (unter Rattles Leitung!) herzubrücken in der Lage war, erfasst.
|  | Rosinenpicken (40): Deutsche Staatsoper Berlin - DANIEL BARENBOIM: Beethoven, Schönberg und Bruckner Andre Sokolowski - red. / 3. September 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Und vom ersten Takt an wurde klar: Die Deutsche Staatsoper Berlin punktet nicht etwa mit verheißungsvollen oder weniger verheißungsvollen Produktionsideen - Braunschweig's visuelle Inszenierung (des FIDELIO) hat zwar eiskalt-klare Züge, doch Personen führen konnte/kann er nicht - , sondern viel einziger durch ihr Orchester!
|  | Rosinenpicken (37): DER FLIEGENDE HOLLÄNDER / DER TÜRKE IN ITALIEN - Berlin Andre Sokolowski - red. / 1. Juli 2008 http://www.andre-sokolowski.de
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER. Gürbaca inszenierte ihn als böses Börsengleichnis, nicht ganz schlüssig, aber mit bemerkenswerter Zwischen- als wie Endlösung.
IL TURCAIN ITALIA (DER TÜRKE IN ITALIEN). Von den hunderttausend Opern, die der hyperfleißig komponierende Rossini aus sich griffelte, sind nicht zu Unrecht grade mal ein halbes Dutzend spielbar; meistens (oder immer) sind sie komisch, und von daher schon mit außerordentlicher Vorsicht zu genießen.
|  | Rosinenpicken (36). JUNG: REBELLION UND MELANCHOLIE am Maxim Gorki Theater Berlin Andre Sokolowski - red / 22. Juni 2008
Jung sein ist schon schön!
Es ist die kürzeste und schönste aller Lebensphasen, sie betrifft vor allem dann das eigene Entdecken, sie umfasst die aufkeimende Sexualität, sie lebt sich also im Geschlechterfinden - bei dem Einen mehr und bei dem Andern weniger - in unterschiedlichen Totalen aus. Wenn wir, nach Jahren und Jahrzehnten dann, an sie erinnert sind, denken wir meist, wenn alles "gut gelaufen" war, sehr gern und sehr sehr wehmütig an sie zurück; wir heißt so viel wie "kollektives Menschenkind"... |  | Rosinenpicken (35): KISS ME KATE (Cole Porter) an der Komischen Oper Berlin a. so. - red / 7. Juni 2008
KISS ME KATE wurde gegeben - an und für sich kein nennenswerter Grund für ein solch lautbuntes Getöse, denn das Stück (als Stück) ist so banal und nichtig, dass man gern drumrum kommt, Näheres zu Stoff und Inhalt weiter Preis zu geben; eine mehr als oberflächiche Geschichte zwischen/mit zwei Paaren, die sich im Theater wie (und nicht nur wie) zu Hause fühlen; Flitter-Flatter halt, und Shakespeares sog. Zähmung der Widerspenstigen spielt auch noch hauptsächlicherweise mit... |  | Rosinenpicken (34): DSO-KONZERT mit Werken Berwalds und Bruckners Andre Sokolowski - red. / 27. Mai 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Blomstedt führte einen regelrechten Todes- oder Teufelstanz am Rand des ersten Höllenkreises vor. Der ganze Streicherapparat wird aufs Brutalste in die Knie gezwungen, und die Bläserfront hält ungezügelt mitten drauf, tritt quasi nach - der Mittelteil der immer dreigeteilten Scherzi hat dann einen etwas leiseren, verspielteren Charakter ...
|  | Rosinenpicken (31, 32, 33): Jüdisches Gemeindehaus / Theatertreffen / Staatsballett Berlin Andre Sokolowski - red. / 21. Mai 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Ich war zum ersten Mal im Jüdischen Gemeindehaus Berlin, das steht in Nähe S-Bahnhof Zoologischer Garten. Stepan Gantralyan, ein seit paar Jahren hier in Deutschland arbeitender armenischer Multikünstler, dem ich menschlich zugetan bin, lud mich ein ...
Das Theatertreffen 2008 setzte mit Christoph Marthalers PLATZ MANGEL seinen diesjährigen und nicht minder launigen Finalpunkt.
In WITH/OUT TUTU - was ungefähr so viel dann heißen soll: wir tanzen zwar meist "klassisch", aber anders können wir mitunter auch - gibt es drei zeitgenössisch anmutende Stücke zu bewundern. |  | Rosinenpicken (30): LA GIOCONDA von Amilcare Ponchielli - Berlin Andre Sokolowski - red. / 21. April 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Dem allen (und dem Affen) Zucker gebend, wurde man in diesen Tagen einer vor 'nem Vierteljahr sehr konsequent gelungenen, gemeisterten und ziemlich mordsmäßigen Ausgrabung im Hause in der Bismarckstraße voll gewahr:
LA GIOCONDA - eine stückmäßige Unbotmäßigkeit aus der Nachverdi-/Vorpuccinizeit - machte sich in vier Aufführungen breit und wichtig. Eine museale Sensation!
|  | ROSINENPICKEN (27/28/29): RIGOLETTO / DER SPIELER / DER FREISCHÜTZ - Berliner Opernhäuser Andre Sokolowski - red. / 25. März 2008 http://www.andre-sokolowski.de
RIGOLETTO. Diese tragische Geschichte um den Mantueser Hofnarren und seine Tochter Gilda, die sich in den vorgetäuschten Liebesblick des vielfickenden Herzogs hoffnungslos verstiegen hatte, könnte nicht beschaulicher und glaubwürdiger inszeniert gewesen sein ...
DER SPIELER. Dostojewski's Kurzroman (17 Kapitel auf knapp hundert Seiten) liest sich nicht sehr gut; man kommt nicht richtig in ihn rein - mir jedenfalls ging's so. Ein assoziativer Einfall, während meiner Buchlektüre, war bereits: Die gleichnamige Oper von Prokofjew, die ja auf den Dostojewski fußt, könnte sehr gut ins Festspielhaus von Baden-Baden passen ...
DER FREISCHÜTZ. Christof Nel, ein Mann vom Schauspiel, deutete vor über sieben Jahren Webers Oper 1.) als ein Jägermobbing Vieler gegen Einen, 2.) als ein landlebiges Kollerkriegen deutscher Jungfern, 3.) als ein blocksbergmäßig inszeniertes Saufgelage bei der Freiwilligen Feuerwehr und 4.), 5.) usf. ...
|  | ROSINENPICKEN (26): NABUCCO -Regie: Hans Neuenfels - Deutsche Oper Berlin Andre Sokolowski - red. / 25. Februar 2008 http://www.andre-sokolowski.de
NABUCCO, vor acht Jahren unter vehementestem Protestgeschrei der zur Premiere anwesenden Alt-Charlottenburger rausgekommen, zähle ich zu den erfrischendsten und pfiffigsten Produkte des Regie-Altmeisters (der - man glaubts ja kaum - erst in zwei Jahren Debütant in Bayreuth werden wird, wenn er dann, und gesundheitlich recht fit, den LOHENGRIN dort macht).
|  | Rosinenpicken (25): ON PAIN AND PRESENCE - Schwelle7 - Berlin Andre Sokolowski - red. / 17. Februar 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Bondage und Sadomaso usf. sind allgemein und überhaupt dann, nicht nur szenemäßig (wo ich auch nie hingehörte), sozusagen "vorbelastet". Also Lieschen Müller (= ich!!) geht ahnungslos dahin, erwartet freilich etwas völlig Anderes als angekündigt war; ich war ja dann auf 'ne Performance neugierig gewesen, dachte also, dass das Duo Ruckert/Martelli mich gegenkäftig "aufzuklären" oder gar zu unterhalten angetreten war - doch weniger von alledem.
|  | Rosinenpicken (24): VIER LIEDER OP. 13 von Anton Webern - Berlin Andre Sokolowski - red. / 16. Februar 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Anna Prohaska hat das Zeug, in allernächster Zukunft wohl zu einer der - wie man schon heute schließen kann - intelligentesten Verkörperinnen starker (stärkster!) Texte aufzugehen. Simon Rattle hatte ihr die Hand behutsam und zugleich doch grifffest angeboten und gereicht.
|  | Rosinenpicken (21): Deutsche Oper Berlin: CASSANDRA/ELEKTRA Andre Sokolowski - red. / 21. Januar 2008 http://www.andre-sokolowski.de
Weswegen wir hier nochmals auf CASSANDRA & ELEKTRA - denn Hans Weger hatte schon am 9. 11. über sie berichtet - eingehen, liegt an der Neubesetzung der Elektra, denn:
Eva Johansson sang sie erstmals an der Deutschen Oper!
Sie ist ja ein echtes Haus-Kind; in zig Friedrich-Produktionen sang sie alles Mögliche; sie fing als Lyrische, um es salopp zu sagen, an. Ich hatte sie hier als Tatjana im ONEGIN (an der Seite Hampsons) oder als Elisabeth im TANNHÄUSER erlebt. Jetzt hat sie einen Fachwechsel gemacht; sie wird auch die Brünnhild im RING bald geben.
|  | Rosinenpicken (20): MARIA STUARDA am 2. 12. 2007 an der Deutschen Staatsoper Berlin Andre Sokolowski - red / 3. Dezember 2007
Wer kennt Ermonela Jaho? Sie!... Sie!.... und Sie! Okay.
Ich muss, zu meiner Schande, eingestehen: Ich kannte sie bis jetzt nicht.
Sie hat ja eine Homepage (www.ermonelajaho.com), hierin bekommt man beiläufiger Weise mit, dass sie eine Albanerin ist... egal. Auf jeden Fall:
Die Rolle der Maria Stuart in der gleichnamigen Donizetti-Oper dürfte, selbst für sie, so was wie'n Höhepunkt ihn ihrer laufenden Karriere sein. Sie hat sie jetzt in der gewitzten und sehr kurzweilig daher kommenden Inszenierung Karsten Wiegand's an der Lindenoper übernommen, und der (ihr!) Gesamteindruck ist: ... |  | Rosinenpicken (19). RIENZI, DER LETZTE DER TRIBUNEN an der Oper Leipzig. a. so. - red / 19. November 2007
"Hörst du! Das ist das Mordsgewühl." heißt es, als Beispiel nur, in Wagners RIENZI. Dieses Frühgeburtsgeschoss des Dichterkomponisten hat die Oper Leipzig jetzt in einem beispiellosen Kraftakt hergewuchtet: musikalisch als ein Hochfest, inszeniererisch als eine Pleite. ... |  | Rosinenpicken (18). ROOM SERVICE an der Schaubühne Berlin Andre Sokolowski - red / 29. Oktober 2007
Kurz und schmerzlos, so viel Scheiße habe ich noch nie auf einen Haufen miterlebt:
Doch das Bemerkenswerteste an Allem ist: Dass sich ein deutscher Spitzenregisseur (als legendär kann man dann schon seine seit Jahren diese seine Stammwerkstätte tragenden Kane-/Ravenhill-Regie'n verzeichnen, um ein Beispiel nur zu nennen) justament mit dieser dünnschissigen Boulevard-Kloake handwerklich "befasst", und alles Das aus einem - wie ich vorwitziger Weise schließe - reinen Kassenklingeleieffekt heraus; ... |  | Rosinenpicken (17). ÜBER TIERE von Elfriede Jelinek am Deutschen Theater Berlin. Andre Sokolowski - red / 13. Oktober 2007
ÜBER TIERE titelte Elfriede Jelinek ihr Stück, das seit dem Mai als deutsche Erstaufführung an den Kammerspielen des DT zu sehen ist. Der Rezensent hat leider leider erst zu diesem Zeitpunkt (10/07) Wind von ihm bekommen, und so trabte er dann auch - die Jelinek zählt neben Jahnn zu seinen Favoritautoren - dem Ereignis ein paar Wochen hinterher. ... |  | Rosinenpicken (16). DER GEDULDIGE SOKRATES an der Deutschen Staatsoper Berlin a. so. - red / 12. Oktober 2007
René Jacobs, der die Deutsche Staatsoper Berlin meist immer dann bespielt, wenn Barenboim & Staatskapelle auf Tournee sind (seit der deutschen Wende "darf" und macht er das), hat dieses Mal im Rahmen der cadenza-Schiene Telemanns GEDULDIGEN SOKRATES ausgegraben und durch Nigel Lowery & Amir Hosseinpour bunt und kess in Szene setzen lassen. ... |  | Rosinenpicken (15): DIE DREIGROSCHENOPER von Brecht/Weill am Berliner Ensemble Andre Sokolowski - red / 30. September 2007
Angela Winkler ragt in jeder Hinsicht aus Brecht/Weill's DREIGROSCHENOPER, die nun endlich, und nach jahrelangem Mühen (Stichwort ist "Mit freundlicher Genehmigung von Barbara Brecht-Schall"), der Multikünstler Robert Wilson ins / mit dem BE gezaubert hat, heraus. Weil: Winkler fasziniert, verblüfft, berührt und irritiert in dieser festzustellenden Vierfaltigkeit! So hat sie sich dann mit der Hure Jenny, also diesem dritten von den Mädchen, das von Stinkefinger Macheath nach und nach "missbraucht", missachtet, weggeschmissen wird, als ihrer Rolle abgefunden. Und sie singt - die Sensation des Abends! - ihre Songs, vor allem den von Salomon, mit einer wispergleichen Lerchenstimme, und sie tremoliert sich leise, immer leiser werdend, schwindsuchtartig in soprane Höhen, dass es einem heiß und kalt den Rücken runterrieselt; sowas Irreschönes habe ich mein ganzes Leben nicht (noch nicht) aus einer Frauenkehle jemals je verlauten hören. ... |  | ROSINENPICKEN (14) : NORD Eine Grandguignolade von Frank Castorf nach Louis-Ferdinand Céline Andre Sokolowski -red / 21. September 2007
OST, WEST, SÜD ... jetzt ists halt NORD was himmelsrichtungshaftig und nicht mehr als plakativ den Riesenbau der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin beklebt. Der Prinzipal hat also mitgedacht, und justament fiel ihm - er hat bestimmt (ich wette) ganz zu allererst im Hinblick auf das Wörtchen NORD von seinem Intelektuellenstamm weltweitig recherchieren lassen - Céline's Frühroman unter dem Titel "Norden" auf und ein. ... |  | Rosinenpicken (13): Staatsballett Berlin - ALICE'S WONDERLAND. Tanzstück von Giorgio Madia nach Lewis Carroll a. so. - red / 10. September 2007
Das Staatsballett Berlin hat Carrolls Schwachsinnsbüchlein von der Wunderland-Alice - von Giorgio Madia vor zwei Jahren schon in Wien als Tanzstück an der Volksoper kreiert - ins Repertoire genommen. Und es wird, da muss man sicher sein, auf lange Zeit hinaus ein echter Kassenschlager werden. Die Premiere war am letzten Sonntag, fand im Hause in der Behrenstraße statt und war sehr schön und sehr sehr sehr erfolgreich. ... |  | Rosinenpicken (12): Bayreuth. Festspiel-Soirée mit Cheryl Studer, Friedrich-Wilhelm Junge und Semion Skigin a. so. - red / 6. August 2007
Auch randseitig vom diesjährigen Festspieltrubel kann und soll, wer keine Karten für den Grünen Hügel kriegte, sehr mondänig unterhalten werden. Im Haus Wahnfried beispielsweise (Ex-Familiensitz der Wagners - heute als das "Richard-Wagner-Museum" betrieben und genutzt) herrscht Hochsaison: Neun Exklusiv-Programmpunkte laden zu einem jeweils 99köpfigen Beisammenweil'n mit Wagners eigenem privatem und von Steinway 1876 frank und frei gesponsertem Salonflügel im größten Raume dieses Hauses - dem Salon halt - ein. Mondän, doch! Wie gesagt: ... |  | Rosinenpicken (10 / 11): ELEKTRA (Deutsche Staatsoper Berlin) / DER ROSENKAVALIER (Deutsche Oper Berlin) Andre Sokolowski - red / 16. Juni 2007
Klaus Wowereit hat wieder mal versucht, die Staatsoper dem Bund zu schenken. Und im Kanzlerinnenamt wäre ein Brief von ihm als Posteingang verbucht worden, hieß es vor kurzem in den Agenturen. Auch das Feuilleton nahm diese selbstverständliche Alltäglichkeit zum neuerlichen Anlass, unbarmherzigst darauf hinzuweisen, dass Angela Merkel (eine passionierte Opernnärrin, wie man weiß) jetzt endlich - will sie sich nicht selber Lügen strafen - handeln müsse, weil: Als sie noch auf der inaktiven Gegenseite stand, als Oppositionelle sozusagen, war für sie wie auch für viele andere, sprich FDP und Grüne beispielsweise, klipp und klar: ... |  | Rosinenpicken (9): Rossinis SEMIRAMIDE an der Deutschen Oper Berlin a. so. - red / 19. Mai 2007
SEMIRAMIDE von Rossini läuft seit drei, vier Jahren an der Deutschen Oper; Harms (Regie) hatte mit ihr dann ihren Einstand in Berlin gegeben - zu der Zeit war noch nicht klar, dass sie dann eines Tages in persona die Geschicke dieses Hauses übernehmen sollte. ... |  | Rosinenpicken (8): RING UM DEN RING, Staatsballett Berlin a. so. - red / 9. April 2007
Erdreich und Zugsaurier im klassisch ausgestreuten Repertoire des Staatsballetts Berlin. Der Intendant Vladimir Malakhov (selbst Loge in dem Stück) schaffte es tatsächlich, Maurice Béjart ein zweites Mal zur Einstudierung seines singulären Lebenswerkes in die Deutsche Oper rückzulocken. Hier hatte der RING bereits vor über 15 Jahren seine Uraufführung. ... |  | Rosinenpicken (7): TRISTAN UND ISOLDE an der Deutschen Oper Berlin a. so. - red / 8. April 2007
Mit Peter Schneider, einem der "verstecktesten" und doch zugleich bedeutendsten Garanten für das insgesamte Strauss- und Wagnerfach (so hat er, um ein Beispiel nur zu nennen, auf dem Grünen Hügel, seit er 1981 debütierte, fast das ganze einschlägige Repertoire dort absolviert) wollte die Deutsche Oper in der Bismarckstraße, freilich nicht wegen des in den letzten Monaten doch leichtens ramponierten Rufs ihres Orchesters, Nummer sicher gehen; und so engagierte sie den virulenten Österreicher außer für den angestandnen TRISTAN gleich noch für die MEISTERSINGER in der nächsten Spielzeit. ... |  | Rosinenpicken (6): OREST. Komische OperBerlin Andre Sokolowski - red / 12. März 2007
Sebastian Baumgarten's OREST ist wieder auf dem Spielplan. Und mit Händel, der die "Vorlage" ja eigentlich gewesen war, hat diese freche Produktion insofern auch bzw. noch zu tun, dass man (als Hörer, wohl gemerkt) der nachstehenden unleugbaren Tasache gewärtiglich sein kann: Das Orchester der Komischen Oper Berlin ist eines der besten Bühnenorchester überhaupt. ... |  | Rosinenpicken (4) - DER ROSENKAVALIER an der Komischen Oper Berlin Andre Sokolowski
DER ROSENKAVALIER - dieser einzigartige Fall von komponierter Weltlliteratur (Text: Hugo von Hofmannsthal) - hat in der Komischen Oper Berlin eine sowohl musikalische wie auch szenische Umsetzung gefunden, die weltweit ihres Gleichen suchen dürfte. |  | Rosinenpicken (3): Goethes FAUST I und II am Deutschen Theater Berlin Andre Sokolowski - red. / 5. Dezember 2005
Wenn Inge Keller in persona alle drei Figuren (Wandrer, Philemon & Baucis) aus FAUST II als eine Art von spielerischem Ansatz vorzutragen in die Pflicht genommen steht - sie meistert diese Aufgabe in dem ihr eigenen und unverwechselbaren Hang zum leisesten Diseusentum - , bedeutet das - und spätestens an dieser Stelle wurde es dem aufmerksam wie konzentriert die beiden kurzweiligen Abende bisher verfolgt habenden Publikum bewusst - , dass etwas ganz Besonderes mit Goethes Supertext erfolgt sein musste ... |  | Rosinenpicken (2) - Die Meistersinger von Nürnberg, Deutsche Staatsoper Berlin Andre Sokolowski - red / 28. November 2005
Um die Adventszeit hält der Hausherr - noch bevor er dann von Januar bis März Dienst in den USA verrichtet (seine Zweitbeschäftigung ist die des Leiters vom Chicago Symphony Orchestra) höchstpersönlichen Berliner Hof. Er richtet es sich meist dann so ein, dass es bis zum Jahresschluss eine Premiere (mit ihm) gibt, und außerdem ein zugkräftiges Repertoirestück (auch mit ihm) auf dem Programm steht; selbstverständlich dirigiert er außerdem zwei drei Konzerte inklusive Neunter Sinfonie Silvester/Neujahr: Daniel Barenboim! ... |  | Rosinenpicken (1) | Andrea Chenier, Deutsche Oper Berlin Andre Sokolowski - red. / 22. November 2005
Der italienische Komponist Umberto Giordano steht, was seine Schaffenszeit und (mehr noch:) sein Bedeutungspotenzial betrifft, nach Verdi / vor Puccini. Dieses "Schicksal" teilt er mit den Boito, Ponchielli, Catalani und Franchetti, um die klangvollsten der Namen dieser "weniger Beachteten" - und heutzutage immer weniger Gespielten - aufgezählt zu haben. Freilich, es gibt eine reiche Auswahl exquisiter Schallplatteneinspielungen der Werke dieser Leute; insbesondere von Giordano existiert ein gutes Dutzend Produktionen beispielsweise von FEDORA und ANDREA CHENIER; nein, da ist kein Mangel; und wer Ohren hat zu hören, stellt sehr schnell und eifrig fest: ... |  | | |