Endlich
aufgeklärt
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Die Orestie am Schauspiel Köln | Foto (C) Birgit Hupfeld
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Bewertung:
Das lange Warten hat ein Ende! Nach fast 13 Jahren "Ausweichen" in die drei Mühlheimer Depots - man hatte sich schon richtig gut daran gewöhnt und fühlte sich auch irgendwie ganz wohl dort aufgehoben - wird das SCHAUSPIEL KÖLN ab Herbst in sein Stammhaus am Offenbachplatz zurückkehren; dort wurde, wie wir alle wissen, schier unendlich lang das Opernhaus saniert, und zwar mit vielen, vielen Pleiten, Pech & Pannen, ja und weil das Schauspielhaus quasi auf gleichem Grund und Boden stand und steht, wurde die Immobilie gleichsam mitgenommen, und so dauerte das halt jetzt derart lang...
Zum Ende dieser laufenden Saison wird sonach ziemlich alles soweit "abgespielt"; die meisten für den Umzug erst mal nicht geplanten Inszenierungen feierten/ feiern daher ihren Abschied - hierzu zählt dann auch Die Orestie (frei nach dem Aischylos), die gestern Abend im Depot 1 das letzte Mal zu sehen und zu hören war:
"Der berühmteste Mord in der griechischen Tragödie findet in einer Badewanne statt. Klytaimnestra, Königin von Argos, erschlägt ihren Mann Agamemnon nach seiner siegreichen Rückkehr aus dem Krieg gegen Troja – aus Rache, weil er ihre Tochter Iphigenie für günstige Winde geopfert hat. Aber Klytaimnestras Triumph währt nicht lang. Orest, ihr eigener Sohn, durchbohrt sie mit dem Schwert, um den Tod Agamemnons zu sühnen. Von nun an wird Orest von den Erinnyen gejagt, Rachegeister, die ihm aus dem Tempel in Delphi bis nach Athen folgen. Dort wird ihm unter Vorsitz der Göttin Athene der Prozess gemacht. Die Jury spricht ihn schließlich frei. Aber ist dieser in die Literaturgeschichte eingegangene Sieg der Rechtsprechung über das Prinzip der Blutrache auch ein Sieg der Gerechtigkeit?" (Quelle: schauspiel.koeln)
Und weil da früher in den schönen Stücken der Antike, welche allesamt auf "wahre Begebenheiten" der griechischen Mythologie fußten, richtig was los war und das alles aber heutzutage bildungsmäßig nicht oder nicht mehr vermittelt wird (Stichwort: Bildungsnotstand deutscher Schulen!), versuchte die australische Regisseurin Adena Jacobs das mit sprachlich gut und emotional noch besser nachvollziehbaren Monologen und Dialogen (Dramaturgie: Alexander Kerlin und Aaron Orzech) allgemeinverständlich auszugleichen. Sachdienlich war diesbezüglich auch das Alphabet der Orestie, das Joyce Halfar in einem lesenswerten Beibackzettel erstellte und wo ich mich nachgerade über mythologische Zusammenhänge, die mir entweder bis dato nicht geläufig oder mir aufgrund meines fortgeschrittenen Alters quasi "entschwunden" waren, bestens informiert sah.
Geschauspielert (und v.a. gesprochen!) wurde vom Feinsten, allen voran Anja Laïs als alle und alles überragende Klytaimnestra! (Ich hatte schon immer eine insgeheime Sympathie für diese Figur, die nicht zuletzt von Strauss/Hofmannsthal in deren grandioser Oper Elektra eine der markantesten und unerbitterlichsten Figurenzeichnungen erfuhr.) In dem Zusammenhang als unabdingbar nennenswert natürlich auch Sarah Sandeh (als Elektra) und Thomas Dannemann (als der von ihr geradezu manisch angehimmelte Vater Agamemnon). Und den abschließenden Rachefeldzug des Orest erledigte Steffen Siegmund mit deutlich wahrnehmbarem (gespieltem) Killerinstinkt.
Ja und dann wurde noch fast eine halbe Stunde lang getanzt und gelegentlich herumgekreischt (Choreografie: Melanie Lane); das sollten dann wahrscheinlich die Erinnyien sein [alle Namen s.u.] - aber so richtig zum Gesamtverständnis der zuvor dann eigentlich ganz gut performten Orestie beigetragen hatte das dann sicher nicht; ich jedenfalls dämmerte die letzten 10 Minuten unbeeindruckt vor mich hin.
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Die Orestie am Schauspiel Köln | Foto (C) Birgit Hupfeld
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Andre Sokolowski - 22. Mai 2026 ID 15873
DIE ORESTIE (Depot1, 21.05.2026)
nach Aischylos
Regie: Adena Jacobs
Bühne und Kostüm: Eugyeene Teh
Komposition und Sounddesign: Max Lyandvert
Videoart: Mario Simon und Eugyeene Teh
Choreografie: Melanie Lane
Lightdesign: Jan Steinfatt
Ton: Joschka Tschirley und Oliver Bersin
Dramaturgie: Alexander Kerlin und Aaron Orzech
Besetzung:
Klytaimnestra ... Anja Laïs
Elektra ... Sarah Sandeh
Chor ... Julia Schubert
Agamemnon ... Thomas Dannemann
Kassandra ... Claude De Demo
Orest ... Steffen Siegmund
Iphigenie ... Louisa Beck
Erinnyen: Evelyn Veronika Fortmeier, Matilda Behrends, Diana Alves de Oliveira, Marlene Gerber, Mara Eileen Grimm, Anouk Krämer, Katharina Lorber , Marret Schlette-Kissling, Lilly Zintl und Luise Maya Menges
Premiere am Schauspiel Köln: 7. März 2026
In Kooperation mit dem Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln
Weitere Infos siehe auch: https://www.schauspiel.koeln
https://www.andre-sokolowski.de
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