Über Avatare
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Homo Faber/ Robo Faber am Staatsschauspiel Dresden | Foto (C) Sebastian Hoppe
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Bewertung:
Marcel Kohler fokussiert seine Inszenierung frei nach dem Roman Homo faber von Max Frisch (die er in seiner Sicht der Dinge folgerichtig als Homo Faber/ Robo Faber bezeichnet) weniger auf die Dramatisierung oder Überschreibung jener Prosa, sondern vielmehr - und das ist seine eigene Idee - auf die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gäbe und wie "sinnvoll" das Ganze, also aus der Perspektive noch Lebender, wäre. Das ist nicht schlecht gedacht und fordert uns, die wir das sehen & hören, nicht nur intelektuell heraus, sondern setzt auch jede Menge Emotionen frei - ich selbst oute mich hiermit als einer der etwas näher "Betroffenen", der vor ein paar Tagen seine geliebte Mutter, die im Krankenhaus an einer heftigen aber gottlob kurzen Lungenentzündung verstarb, auf immer und ewig verlor; und freilich hat diese Idee von Kohler, sie mit einem Avatar KI-haft zu "ersetzen", um mit ihr auch weiterhin, also auf immer und ewig, zu kommunizieren, einen verführerischen Charme; am Ende schüttele ich mich natürlich völlig angewidert von dieser Idee, denn: leben ist leben, tot ist tot...
Es geht auch etwas durcheinander in dem Stück (Dramaturgie: Ute Girod), denn:
Sven Hönig (als Walter Faber) spricht bereits nach etwa 45 Minuten, also zur Hälfte der Inszenierung, den allerletzten Satz des Romanes, der da heißt "Sie kommen.", und gemeint ist das griechische Operationsteam, das sich um seinen vermeintlichen Magenkrebs kümmern soll, wobei nicht eindeutig klar ist, hat er nun Krebs oder hat er keinen Krebs, aber so schließt dann halt der Roman von Frisch und lässt dann insbesondere diese nicht unentscheidende Frage, ob Faber "es" überlebt oder nicht, offen.
Im Roman davor hat allerdings seine Tochter Elisabeth (gespielt von Leonie Hämer) bereits das Zeitliche gesegnet; es war ein Unfall, als sie mit ihrem Vater, der zu dieser Zeit noch nicht wusste, dass es seine eigene Tochter ist, und daher, was gewiss auf Gegenseitigkeit beruhte, mit ihr schlief, quasi auf einer Art von spaßig inszenierter Hochzeitsreise war und aus Todesangst vor einer sie gebissen habenden Viper mit dem Hinterkopf auf einen Stein stürzte, dessen unerkannte innere Verletzung Wochen später zu ihrem Tod führte.
Alles das schert den Kohler nicht, und so zieht er seine Idee mit dem Avatar tapfer durch: Jonas Holupirek (unter anderm auch als Techniker) bastelt ihn, den Avatar, zusammen mit Faber, und ab da - als Faber dann später ins Wachkoma versetzt wird - spricht Klein Sabeth mit der Avatarstimme des großen Faber und verzweifelt über sie und ihn; kein Ort nirgends.
Und auch Fanny Staffa (als Hanna, die Mutter von Elisabeth), lässt kein gutes Haar an ihrem Ex.
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Das Bühnenbild des Schweizer Multikünstlers Zimoun besteht aus 12 aufrecht stehenden offenen Holzkisten, die wie Riesensärge aussehen; sie dienen als Rahmen oder Hülle für Zimouns Raum- und Klanginstallation, wobei jeweils ein Ball oder eine Kugel (häufig aus Kork, Holz oder Gummi) an einer Schnur, einem Draht oder Stiel hin- und herschwingt bzw. anschlägt. Das sieht schon toll aus und klingt auch so!!
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Homo Faber/ Robo Faber am Staatsschauspiel Dresden | Foto (C) Sebastian Hoppe
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Andre Sokolowski - 14. Mai 2026 ID 15854
HOMO FABER / ROBO FABER (Kleines Haus 1, 13.05.2026)
nach dem Roman von Max Frisch und unter Verwendung von Künstlicher Intelligenz
Regie: Marcel Kohler
Bühne und Kostüme: Torsten Köpf & Zimoun
AI Development: Benjamin Kohler
Sound/Musik: Till Hillbrecht & Zimoun
Video: Roman Kuskowski
Chorarbeit: Toni Jessen
Lichtdesign: Olaf Rumberg
Dramaturgie: Uta Girod
Besetzung:
Walter Faber ... Sven Hönig
Hanna ... Fanny Staffa
Elisabeth ... Leonie Hämer
Techniker, Herbert Hencke, Arzt ... Jonas Holupir
Premiere am Staatsschauspiel Dresden: 7. Februar 2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.staatsschauspiel-dresden.de
https://www.andre-sokolowski.de
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