Szenen einer
jungen Ehe
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Foto (C) Esra Rotthoff
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Bewertung:
Wahrscheinlich war das am gestrigen späten Nachmittag das vorerst letztemal, dass ich eine Aufführung des MAXIM GORKI THEATERS, bevor es dort ab Herbst den Intendatinnenwechsel von Shermin Langhoff an Çağla Ilk gibt, besuchte; sooft wie früher drängt's mich mittlerweile auch nicht mehr zum Schauspiel...
Gespielt wurden, und zwar in der kleineren Zweitspielstätte StudioЯ, Die Allerletzten, ein Stück des iranischstämmigen deutschen Autors und Aktivisten Marco Damghani (34) - und um Folgendes ging es:
"Vor ein paar Jahren verließ ein junges Paar die Stadt. Sie wollten auf dem Land neu anfangen, träumten davon, einen Ort der Zuflucht zu finden vor einer Welt, die ihnen immer bedrohlicher schien. Sie hatten sich und einen Traum. Ein altes, herunter gekommenes Haus sollte ihre Insel werden, Freund*innen und Verbündete wollten folgen, eine neue Gemeinschaft sollte entstehen. Doch bald schon wurde die erste 'Reichsflagge' in ihrer deutschen Nachbarschaft gehisst und die, die ausgezogen waren, ihre Ängste zu vergessen und ein neues Glück zu finden, stehen nun vor einer harten Entscheidung. Rückkehr? Aber wäre das nicht ein feiger Rückzug? Sollten sie vielleicht doch ein wenig geduldiger mit der braunen Dorfgemeinschaft sein? Auch diese Frage wäre zu groß für eine Beziehung, die längst nicht mehr weiß, ob ihre Liebe noch reicht um weiter zu machen. Und wann sind sie eigentlich falsch abgebogen? Keine Ahnung! Also müssen sie sich erinnern, an die schönen Tage, an ihr Glück, den Verrat von Freunden, die längst wieder zurück sind in der trügerischen Sicherheit der woken Stadt. Auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, ihrem Scheitern, kommt das Paar einander gefährlich nah. Und am Ende? Schaffen sie es, nicht zu scheitern an der Verlogenheit unserer Welt, an zu großen Träumen, aneinander?" (Quelle: gorki.de)
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Die Allerletzten im StudioR des Maxim Gorki Theaters | (C) Ute Langkafel MAIFOTO
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Aysima Ergün und Jonas Dassler spielen alles das sehr überzeugend und v.a. herzergreifend, und ich musste paarmal (echt!) vor lauter Rührung schlucken, aber sowieso bin ich sehr nah am Wasser gebaut.
Noch mehr hätte das Stück, rein vergleichend, in die Nähe von Ingmar Bergmanns Szenen einer Ehe gerückt werden können, wenn hierin nicht, fast schon obsessiv, die vom Autor nicht unbedingt verallgemeinernswerte These (zugespitzt formuliert:) "Auf dem Land gibt's fast nur Nazis" Raum gegriffen hätte; sowas nutzt sich alllzu schnell ab und gibt dem vorgeführten Fall zwar eine womöglich durchaus nachprüfbare Realität, verkleinert allerdings den von den zwei hochsympathischen Akteuren glaubwürdig vorgeführten innerfamiliären Mikrokosmos unproportional. Egal.
Aysima & Jonas retten das Ding schließlich, weil sie halt gut spielen können; und ihre tänzerische Einlage so kurz vorm Ende (Choreografie: Theresa Lantez) setzte ihrem schönen Doppeldasein schlicht die Krone auf: umarmen, wegstoßen, fallenlassen, auffangen - halt die ganze Palette zwischenmenschlicher Beziehungen; und das sah richtig gut aus!!
Nicht enden wollender Beifall.
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Andre Sokolowski - 25. April 2026 ID 15817
DIE ALLERLETZTEN (StudioR, 24.04.2026)
Text und Regie: Marco Damghani
Bühne: Hugo Gretler
Kostüme: Ragna Fiona Rabea Hemmersbach
Musik: Oscar Hoppe
Choreografie: Theresa Lantez
Lichtdesign: Günter Berghaus
Dramaturgie: Duygu Ağal (auch Textmitarbeit) und Viktorie Knotková
Mit: Jonas Dassler und Aysima Ergün
UA am Maxim Gorki Theater Berlin: 28. November 2025
Weitere Termine: 28., 29.04./ 09., 16.05./ 03.06.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.gorki.de
https://www.andre-sokolowski.de
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