Blutbrot
von Miriam Unterthiner
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Bewertung:
Letzten Sonntag galt es gleich zwei Autorinnen auf einmal bei den diesjährigen AUTOPR.INNENTHEATERTAGEN mit ihren neuesten Stücken kennenzulernen; über die 3 Schwestern von Barbi Marković hatte ich bereits berichtet - nunmehr folgt das Blutbrot von Miriam Unterthiner.
Wer ist sie?
"Miriam Unterthiner wuchs am Rande des Bergdorfes Latzfons in Südtirol auf und besuchte die deutschsprachige Schule. In ihrer Jugend war sie Handballspielerin, spielte zunächst für den ASV Klausen und wechselte im Alter von vierzehn Jahren zum SSV Brixen. Mittlerweile lebt sie in Wien.
Sie studierte Philosophie (BA) und Germanistik (BA) an der Universität Innsbruck sowie Deutsche Philologie (MA) an der Universität Wien und Sprachkunst (MA) an der Universität für angewandte Kunst Wien. 2022 nahm Unterthiner am Förderprogramm für Szenisches Schreiben Forum Text 1 des Drama Forums teil.
Der Theatertext Va†erzunge entstand im Rahmen des Autorenprogramms Drama Lab der Wiener Wortstaetten und wurde am 24. Mai 2025 am Tiroler Landestheater unter der Regie von Blanka Rádóczy uraufgeführt. Mit dem Stück war Unterthiner für den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2023 nominiert.
Der Theatertext Blutbrot war Miriam Unterthiners Abschlussarbeit des Sprachkunst-Studiums. Der Text erschien im Frühling 2025 im Innsbrucker Verlag Edition Laurin. Der Text wurde 2025 mit dem Kleist-Förderpreis für neue Dramatik, dem Literaturpreis der Universität Innsbruck sowie dem Debütpreis des Österreichischen Buchpreis 2025 prämiert. Die Uraufführung fand am 26. September 2025 am Theater Aachen unter der Regie von Jakob Weiss statt."
(Quelle: Wikipedia)
Und wie wird ihr Blutbrot beschrieben?
"Der Brennerpass: Eine Schneise zwischen Bergen in idyllischer Landschaft und ein Grenzübergang zwischen Österreich und Italien. Hier spielte sich vor 80 Jahren ein eher unbekanntes Verbrechen ab. Auf geheimen Schmugglerpfaden über die grüne Grenze flohen hochrangige NS-Funktionäre wie Josef Mengele oder Adolf Eichmann vor dem Zugriff der Alliierten und vor ihrer gerechten Strafe erst nach Italien und von da aus in die Welt. Und sie hatten Hilfe von der Bevölkerung vor Ort. Von der sogenannten 'Rattenlinie', wie diese Fluchtroute genannt wurde, handelt" das Stück. "Dabei ist das Blutbrot eine Metapher für verdrängte Schuld: Der Boden, auf dem das geschah, bringt das Brot hervor, das wir heute essen sollen. Können wir es kauen, schlucken und verdauen? Oder bekommen wir es nicht mehr hinunter? Poetisch verdichtet und zugleich konkret, virtuos und kraftvoll, mit feinem Humor und großen Bildern gräbt sich Blutbrot wortwörtlich in die Vergangenheit und schlägt eine Brücke ins Heute." (Quelle: deutschestheater.de)
So weit so gut.
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Blutbrot von Miriam Unterthiner - am Theater Aachen | Foto (C) Thilo Beu
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Unterthiners Sprache und Poetik ließen mich an Texte Elfriede Jelineks und Josef Winklers erinnern; bei Winkler waren und sind es insbesondere dessen suggestiv vermittelter Erdgeruch gepaart mit schonungsloser Offenlegung seiner selbst (Der Ackermann aus Kärnten u.a.) Auch Unterthiner bringt sich selber in ihr Stück ein - nicht nur dass sie dort als "die unablässig brotessende Autorin" (genial gespielt von Maurice Läbe!) agiert, sondern auch darüber hinaus mit ihrem Vor- und Zunamen permanent dortselbst vorhanden ist.
Die geradezu physisch zupackende Inszenierung, deren zum Greifen nahe Intensität durch die Intimspielstätte der DT-Box noch verstärkter wirkt als sich das vielleicht die sympathischen Gäste aus Aaachen hätten träumen lassen, geht unter die Haut und macht - im Gegensatz zu den 3 Schwestern ca. zwei Stunden davor - mitnichten müde; der chorische Sprech hat was vom guten alten Schleef und ist perfekt aufeinander abgestimmt, d.h. die vier "restlichen" Akteure (Nola Friedrich, Thomas Hamm, Philipp Manuel Rothkopf, Janina Sachau) sind permanent zusammen, und zwar auf den Punkt, grandios einstudiert! Und auch Elke Borkenstein (als Brot & Landschaft) beeindruckt, besonders durch ihren ellenlangen Monolog im dritten Drittel des Stücks, an dessen Inhalt ich mich allerdings im Augenblick nicht mehr zu besinnen vermag, sorry! Zum Finale hin strapazierte ein Etwas-zu-Viel an Max-Brod-Zitaten und anderweitig Didaktischem.
Alles in allem jedoch: Eine Entdeckung sondergleichen, sowohl was die Autorin als auch das Aachener Ensemble betrifft.
Nicht enden wollender Applaus.
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Andre Sokolowski - 9. Juni 2026 ID 15896
BLUTBROT ( DT-Box, 07.06.2026)
von Miriam Unterthiner
Regie, Bühne und Musik: Jakob Weiss
Kostüme: Elena Gaus
Video: Luca Fois
Licht: Dirk Sarach-Craig
Dramaturgie: Dominic Friedel und Kerstin Grübmeyer
Besetzung:
Das Dorf ... Nola Friedrich, Thomas Hamm, Philipp Manuel Rothkopf und Janina Sachau
Das Brot, Die Landschaft ... Elke Borkenstein
Die unablässige brotessende Autorin ... Maurice Läbe
UA am Theater Aachen: 26. September 2025
Gastspiel zu den Autor:innentheatertagen 2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.theateraachen.de
https://www.andre-sokolowski.de
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