3 Schwestern
von Barbi Marković
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Bewertung:
Die diesjährigen AUTOR:INNENTHEATERTAGE finden zum 17. Mal am Deutschen Theater in Berlin statt. Ihr Gründer Ulrich Khuon hob sie 1995 in Hannover aus der Taufe, als er dort am Staatstheater Intendant war. Dann nahm er sie 2001 (mit seinem Intendantenwechsel nach Hamburg) ans Thalia Theater mit und wiederholte dieses Ein- und Auspacken 2010 (mit seinem abermaligen Intendantenwechsel, diesmal zum DT). Demnach blickt das bedeutendste Festival für zeitgenössische Dramatik auf eine mittlerweile 31-jährige Geschichte zurück; und man muss dankbar sein, dass - trotz Kuhons verdienter Versetzung in den beruflichen Ruhestand - die neue DT-Intendanz an diesem alljährlichen Highlight bemerkenswerter Theatergastspiele aus dem deutschsprachigen Raum festhielt und hoffentlich auch (falls hierfür die Gelder aus öffentlicher Hand noch zur Verfügung gestellt werden sollten; bei den aktuellen Spar-Orgien nicht nur im Kultursektor wohl keine Selbstverständlichkeit) noch weiter festhält; beten wir zu Gott, dass dem so sein wird!
Der 2026er Jahrgang wartet mit insgesamt 11 Inszenierungen neuer Stücke (von Barbi Marković, Mirjam Unterthiner, Kim de l’Horizon, Hannah Zufall, Kieran Joel, Calle Fuhr, Leo Meier, Akın Emanuel Şipal und Fabienne Dür sowie [als Kollektivarbeiten:] von der Frankfurter Hauptschule als auch von Total Refusal & Theater im Bahnhof) auf. Diese werden in Produktionen aus Zürich, Aachen, Bern, Luzern, Ingolstadt, München, Köln, Dresden, Bremen, Gießen und Graz gezeigt.
Außerdem werden 3 neue Texte von Simone Saftig, Gesa Geue und Marcus Peter Tesch in der "Langen Nacht der Autor:innen" als Werkstattinszenierungen hintereinander vorgestellt.
Los ging's dieses Wochenende mit den 3 Schwestern von Barbi Marković.
Die Autorin ist [lt. ChatCBT]...
"...eine der bedeutendsten Stimmen der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur. Sie wurde 1980 in Belgrad geboren, studierte Germanistik in Belgrad und Wien und lebt seit 2006 in Wien. Sie schreibt Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke auf Deutsch und Serbisch.
Bekannt wurde sie 2009 mit ihrem Roman Ausgehen, einer ungewöhnlichen literarischen Bearbeitung von Thomas Bernhards Erzählung Gehen, die sie in die Belgrader Clubszene versetzte.
[...]
Ihr Stil gilt als experimentell, oft humorvoll, grotesk und gesellschaftskritisch. Viele ihrer Texte verbinden Alltag, Popkultur, politische Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens und absurde Situationen. Minihorror etwa besteht aus zahlreichen kurzen Geschichten, in denen scheinbar normale Alltagsszenen plötzlich ins Surreale oder Unheimliche kippen."
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3 Schwestern von Barbi Marković - am Schauspielhaus Zürich | Foto (C) Arno Declair
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Da Marković' drei Schwestern nicht Olga, Mascha und Irina, sondern Lejla, Nina und Marija heißen, kann getrost davon ausgegangen werden, dass die Autorin nicht im entferntesten Sinne das gleichnamige Tschechow-Stück in irgendeiner Art und Weise zu "adoptieren" oder gar (wie es heutzutage so schön heißt:) zu "überschreiben" beabsichtigte, gottlob nicht; und hätte sie's gemacht, hätte ich mir's wahrscheinlich nicht angetan - keine Ahnung, warum das russische Original und seine mehr oder weniger gelungenen Bearbeitungen in den letzten Jahren die Spielpläne deutscher Bühnen so unverhältnismäßig oft verstopften.
Worum geht es Marković? Es geht ihr um...
"...die Beziehung dreier Schwestern, so eng verbunden, dass Nähe zur Waffe wird. Ohne Filter, ohne Distanz, ohne Selbstkontrolle spielen sie ein gnadenloses Strategiespiel familiärer Abhängigkeit.
Starke Frauenfiguren tragen hier Kämpfe, Ärgernisse und Freuden des Lebens aus – mit Witz, Schmerz und Tempo" (Quelle: schauspielhaus.ch)
Und:
"Wer möchte, kann während der Vorstellung mit dem eigenen Smartphone über einen QR-Code Teil einer digitalen Ebene der Inszenierung werden. Dafür können Sie im Foyer und zu Beginn der Vorstellung den QR-Code scannen, indem Sie Ihre Handykamera darauf richten. Die Teilnahme ist freiwillig – Sie können das Stück problemlos auch ohne Nutzung Ihres Telefons geniessen." (Quelle: dto.)
Mitmachtheater also, gut, von mir aus.
Geschauspielert wird - was bei einem Haus wie dem Schauspielhaus Zürich sicherlich zu erwarten war - superb: Lena Urzendowsky, Verena Jost und Sabine Waibel übertreffen sich gegenseitig als Schwesterntrio; Karin Pfammatter brilliert als die Schwestern-WG urplötzlich mitbewohnende Psychologin Evelyn Glanzl, und Alexander Angeletta legt einen nicht nur serbisch (?) sprechenden Kurzauftritt als Klempner hin.
Auch geht es um "teilweise Anorexie resp. Essstörungen" und "Tod durch Explosionsunfälle" oder so; davor wurde vorsorglich gewarnt; inszeniert hat alles das Christina Bona Maria Tscharyiski (Regie), und die mehr als erstaunliche Ausstattung besorgten Michael Simon (Bühnenbild) und Miriam Draxl (Kostüme).
Schier endlos sich anhörende Sprechtexte; die vier Damen müssen unglaublich Vieles auswendig gelernt haben; Respekt.
Hat irgendwie Spaß gemacht dabei gewesen zu sein, obgleich ich es mir nicht noch einmal anschauen und v.a. anhören würde. Zu nervig.
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Andre Sokolowski - 8. Juni 2026 ID 15894
3 SCHWESTERN (Deutsches Theater Berlin, 07.06.2026)
Eine Kosmologie von Barbi Marković
Regie: Christina Bona Maria Tscharyiski
Bühne: Michael Simon
Kostüme: Miriam Draxl
Musik: Cornelia Pazmandi
Video: Judith Selenko
Licht: Christoph Kunz
Dramaturgie: Rebecca Ajnwojner
Besetzung:
Jüngste Schwester Leila ... Lena Urzendowsky
Mittlere Schwester Nina ... Verena Jost
Älteste Schwester Marija ... Sabine Waibel
Psychologin Evelyn Glanzl ... Karin Pfammatter
Cameo-Auftritt ... Alexander Angeletta
UA am Schauspielhaus Zürich: 17. Januar 2026
Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich
Gastspiel zu den Autor:innentheatertagen 2026
https://www.schauspielhaus.ch
https://www.andre-sokolowski.de
AUTOR.INNENTHEATERTAGE
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