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"No profit grows

where is no

pleasure

ta´en"



Timo Kählert (vorne) und Markus J. Bachmann in Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt) am Theater Bonn | Foto © Thilo Beu

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"Was Ihr nicht tut mit Lust, gedeiht Euch nicht." So lautet einer der einleitenden Sätze vom Diener Tranio zu Beginn der Widerspenstigen Zähmung (The Taming of the Shrew, Act 1, Scene 1) frei übersetzt. Shakespeares Verse leben von Leichtigkeit, Großzügigkeit und augenzwinkernd lebendiger Poesie. Sie zeichnen Augenblicke voller Leben nach. Die Erfolgskomödie Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt) der Amerikaner Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield gilt nicht nur als Dauerbrenner an der Vaganten Bühne in Berlin, wo sie seit 1997 gespielt wird. Die Klamotte und Tour-de-force über den wohl größten Dichter aller Zeiten könnte sogar den Prominenten „Sladdi“ aus der ersten Staffel von Big Brother begeistern. In der Fernsehrealityshow glänzte der KFZ-Mechaniker Zlatko Trpkovski durch seine Unkenntnis des Autors. Er lernte dazu und ließ nach seinem Big Brother-Erfolgsschlager „Ich vermiss dich (wie die Hölle)“ ein halbes Jahr lang ein Bier brauen, das er „Shakesbier“ taufte.

*

Die Adaptation des Bühnenerfolgs Shakespeares sämtliche Werke, die Roland Riebeling, selbst Schauspieler, nun in Bonn inszeniert, würdigt den englischen Dramatiker auch nicht ganz werkgetreu. Mit starker Mimik und Gestik, experimentellen Wortspielen und herausragenden Gesang agieren hier drei junge Akteure in den 37 Stücken und 1834 Rollen William Shakespeares. Seh- und Hörgewohnheiten werden ad acta gelegt. Die Darsteller wechseln rasant die Kostüme und sprechen sich meist nur mit ihren Vornamen an.

Riebeling aktualisierte die englische Originalfassung von 1987 und schnitt sie auf hiesige Verhältnisse zu. So eröffnet Timo Kählert die Vorführung, indem er auf verschiedentliche aktuelle Einschränkungen durch die Notsituation der Pandemie verweist. Er hebt nüchtern das Abstandsgebot hervor und erklärt übertrieben bemüht, wie bei einer Bordeinweisung im Flugzeug, die Notausgänge und Toilettenzugänge. Als Vorsichtsmaßnahme sind ja auch tatsächlich nur vereinzelt Plätze im Publikum besetzt. Neben Kählert lassen sich beim fliegenden Rollenwechsel auch zwei Neuzugänge im Ensemble bestaunen. Markus J. Bachmann kennen wir bereits als gewieften Mimen aus Clockwork Orange oder Das Fest vom Kölner Theater der Keller. Er stellt zu Anfang engagiert die Vita Shakespeares vor, indem er sie frei vom Smartphone-Display vorträgt. Dabei verwechselt er auch schon einmal Shakespeares Gattin Anne Hathaway mit Eva Braun und ordnet Shakespeares Verdienst um die Menschheit demgemäß völlig falsch ein. Doch Illusionen sind ja da, um sie zu brechen und Kalauer, um lustvoll zu veräppeln. Auch David Hugo Schmitz erweist sich in der Vorführung als erfrischendes Ausnahmetalent, wenn er als Titus Andronicus in einer Kochsendung Menschenopfer präsentiert oder als Othello formschön das Liebesdrama mit Desdemona besingt: „Oh, Desdemona“. Auch Figuren wie Zettel, Hamlet, Macbeth, Julia, Cleopatra, Heinrich VI., König Lear und Malvolio werden wie Mäntel, Hüte und Perücken getauscht. Die vielschichtigen Shakespeare-Sonette werden angestimmt, um deren Rezitation gleich wieder abzubrechen.

Als Kulisse dienen vor allem Kleiderständer im Hintergrund des Geschehens, ein seitlich platziertes Piano und später auch ein weißes Holzpferdeungetüm. Verwechslungen und Verwirrungen in Shakespeares Komödien werden im Schnellvorlauf durchexerziert. Es gibt Fechtszenen und musikalische Einlagen wie Klavierspiel und Percussion auf dem Bühnenboden zu bestaunen. Das Trio deklamiert oder singt mehrstimmig und solo im Wechsel. Die Zuschauer werden vielfach mit einbezogen, etwa um die Komplexität der Figur von Polonius‘ Tochter Ophelia aus Shakespeares vielleicht bedeutendsten Werk Hamlet zu würdigen. Es gilt das Ich, Es, und Über-Ich Ophelias mit Merksätzen bewusstzumachen; schwanke sie doch insgeheim zwischen Friseur, Kloster und Kinderwunsch. Auch die drei Hexen aus Macbeth kommen zum effektvollen dahintorkelnden und rappenden Einsatz. Alle Monarchen bei Shakespeare kicken schließlich um ihr Leben während eines Fußballspiels mit Bühnenrequisiten.

„Seven nation army“ von den White Stripes und „Big in Japan“ von Alphaville werden lustvoll vorgetragen. Souffleuse Angelika Schmidt übernimmt bald eine handlungstragende Rolle. Spätestens beim berühmten Hamlet-Monolog „Sein oder Nichtsein“ kommt es zu allerlei Aussetzern und demonstrativen Selbstanalysen der Figuren-Darsteller. Da gibt es offen und experimentell allerlei Peinlichkeiten, Zänkereien und Zickigkeiten zu bestaunen. Auch Sandra Hüller wird übrigens idealisiert, um sich von ihr abzuheben. Lebendige Schauspielkunst und eine rasante Vorführung voll gelungener und schöner Pannen, die der Kunst, Größe und dem Genie Shakespeares allemal das Wasser reicht. Da brauch man nicht einmal nach Berlin für zu gehen.



Timo Kählert, David Hugo Schmitz und Markus J. Bachmann (von links nach rechts) in Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt) am Theater Bonn | Foto © Thilo Beu

Ansgar Skoda - 10. Oktober 2020
ID 12521
SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE (LEICHT GEKÜRZT) | Schauspielhaus, 06.10.2020
Regie: Roland Riebeling
Kostüme: Nini von Selzam
Kämpfe: Klaus Figge
Musik: Ruben Philipp
Licht: Markus Haupt
Dramaturgie: Nadja Groß
Mit: Markus J. Bachmann, Timo Kählert und David Hugo Schmitz
Premiere am Theater Bonn: 25. September 2020
Weitere Termine: 10., 15., 16., 17., 23.10. / 08., 13., 14., 24., 25.11.2020


Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-bonn.de


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