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Pathologisches

Ehekrise-Drama

in der Jetztzeit



Medea von Simon Stone am Burgtheater Wien | Foto (C) Georg Soulek

Bewertung:    



Der australische Regisseur Simon Stone ist durch seine heutigen Überschreibungen von Klassikern des Theaters wie Ibsen, Strindberg oder Tschechow bekannt geworden. Mitunter beschäftigt er sich auch mit der antiken Tragödie wie jüngst am Berliner Ensemble mit Eine griechischen Trilogie. Aber auch schon 2014 in Amsterdam versah Stone die Medea, eines der bekanntesten Stücke des griechischen Dichters Euripides, mit einem neuen Text. Seine Inszenierung hatte europaweit großen Erfolg. Für das Wiener Burgtheater wohl Grund genug für das eigene Ensemble eine deutsche Version in Auftrag zu geben, die dort (wieder in der Regie von Simon Stone) erst jüngst Premiere feierte.

Bühnenbild und Kostüme wurden ebenfalls übernommen. Bob Cousins hat Stone eine weiße, leere Bühne mit Platz für Videoprojektionen gebaut. Den Part der Medea übernahm Caroline Peters, die schon in etlichen Stücken von Stone aufgetreten ist. In dessen Fassung heißt sie Anna, ist Pharmazeutin und hat versucht, ihren untreuen Ehemann zu vergiften. Zu Beginn des Stücks kommt sie aus der Psychiatrie und will ihr altes Leben mit Mann Lucas und ihren zwei Kindern zurück. Dass Lucas alias Jason nun mit seiner Geliebten Clara zusammenlebt, nimmt Anna zwar zur Kenntnis, hofft aber weiter auf einen neuen Anfang mit ihm. Wie bei Euripides wird das nicht geschehen und bildet so den Ausgangspunkt der nun folgenden Tragödie, an deren Ende Nebenbuhlerin und Kinder tot sind.

Stone hat sich nicht nur von Euripides inspirieren lassen, sondern auch eine wahre Begebenheit in seinen Plot einfließen lassen. Die Geschichte der amerikanischen Ärztin Debora Green, die nach ihrer Scheidung das Familienhaus in Brand setzte und dabei ihre drei Kinder tötete. Das soll als tragische Fallhöhe genügen. Dass Stone damit seine Medea zum rein pathologischen Fall einer betrogenen Frau macht, scheint niemanden zu stören. Die Geschichte der mystischen Fremden wird hier zum Fall für die BILD- bzw. Kronenzeitung. Vom Text her bewegt sich das Ganze auf ganz ähnlichem Niveau.

Halbwegs gerettet wird diese Story nur durch die beiden Hauptdarsteller Caroline Peters und Steven Scharf (der wiederum für den erkrankten Joachim Meyerhoff eingesprungen ist). Sein Lucas ist ähnlich Jason ein windelweicher Opportunist, der die Fähigkeiten von Anna als Wissenschaftlerin ausnutzt, als diese sich um die Kinder kümmert, ihrem Mann aber weiter bei der Karriere hilft. Den mangelnden Sex holt er sich dann bei der viel jüngeren Clara (Mavie Hörbiger), Schwester seines Chefs Christoph (Christoph Luser), der Lucas protegiert und seine alte Mitarbeiterin Anna kalt abserviert.

Annas Kinder Edgar und Georg sind von Beginn an involviert. Sie leiden natürlich an dem unklaren Verhältnis der Eltern und bei einer jungen Betreuerin (Irina Sulaver) abgestellt zu werden. Sie führen eine Videotagebuch, dessen Bilder immer wieder live und in Großaufnahme zu sehen sind. Das Ringen Annas um die Kinder führt zum direkten Konkurrenzkampf mit Clara und endet damit, das Christoph Lucas als Leiter einer neuen Filiale nach China schickt. Das Unglück der labilen Anna nimmt so seinen Lauf. Dauerndes Ascherieseln von oben kündigt das Finale an. Da hilft auch nicht, dass Anna in einem längeren Schlussmonolog drauf verweist, dass Lucas dieses Schicksal hätte ändern können. Auch können die Vorhersehbarkeit der dünnen Story und plötzliche Pathetik nicht wirklich überzeugen. Ein moderner Text ist noch lange kein Garant für wirkliche Aktualität.




Medea von Simon Stone am Burgtheater Wien | Foto (C) Georg Soulek

Stefan Bock - 3. Januar 2019
ID 11130
MEDEA (Burgtheater Wien, 02.01.2019)
Regie: Simon Stone
Bühne: Bob Cousins
Kostüme: An D'Huys und Fauve Ryckebusch
Musik: Stefan Gregory
Licht: Friedrich Rom
Dramaturgie: Klaus Missbach
Besetzung:
Anna ... Caroline Peters
Lucas ... Steven Scharf
Clara ... Mavie Hörbiger
Christoph ... Christoph Luser
Anne-Marie-Lou ... Irina Sulaver
Herbert ... Falk Rockstroh
u.a.
Deutschsprachige Erstaufführung war am 20. Dezember 2018.
Weitere Termine: 12., 17., 21., 25.01.2019


Weitere Infos siehe auch: https://www.burgtheater.at


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