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Willkür-

akte



Hexenjagd am Düsseldorfer Schauspielhaus | Foto (C) Sebastian Hoppe

Bewertung:    



Im Grunde genommen ist es bloß eine klassische Dreiecksgeschichte:

Mann schläft mit der jungen Hausbediensteten, Frau kommt dahinter und entlässt sie; die Geliebtgeglaubte wird zur Stalkerin... Sebastian Tessenow (als John), Tabea Bettin (als Abigail, Ex-Hausbedienstete) und Judith Pohle (als Elizabeth, Johns Frau) könnten, wenn man es so sieht, als Protagonisten-Trio der an übergreifender Emotionalität wohl kaum zu steigernden Inszenierung am Düsseldorfer Schauspielhaus gelten. Hat man also ihre Binnen-Handlung nachhaltig im Hinterkopf, wird klar, wie unausweichlich schnell der Rest-Plot aus der Hexenjagd von Arthur Miller (einem Stück, das bis zur Gegenwart zur Pflichtlektüre in US-amerikanischen Schulen zählt) inflationieren konnte:



"Salem, Massachusetts, im Jahr 1692. Gemeindepfarrer Parris überrascht eine Gruppe junger Mädchen im Wald, halb nackt um ein Feuer tanzend. Ausgerechnet seine Tochter Betty und seine Nichte Abigail haben an dem nächtlichen Treiben teilgenommen. Am nächsten Morgen ist Betty krank, hysterisch, jenseitig – worauf in der streng puritanischen Gemeinde die Angst wächst, Hexerei könne im Spiel sein. Man zieht den Exorzisten John Hale hinzu, der schnell Schauerliches entdeckt: In Salem geht der Teufel um! Und die Mädchen, angeführt von Abigail, wissen, mit wem er im Bunde steht. Ein Gericht wird einberufen, um die Stadt vom Bösen zu reinigen. Doch mit den Mädchen als exklusiven Zeuginnen nehmen die Beschuldigungen schnell überhand. Jeder ist potenziell verdächtig. Allein John Proctor, dessen Frau zu den Angeklagten zählt, behauptet steif und fest, es gehe nicht um Hexerei, sondern um niedere Rache. Seine frühere Affäre mit Abigail und die Zurückweisung, die das Mädchen durch ihn erfahren habe, seien der Grund für den infamen Vernichtungsfeldzug."

(Quelle: dhaus.de)


Der Regisseur Evgeny Titov hat das Stück in einen mehrstufigen, clean gekachelten Schlachtraum, den ihm Star-Ausstatter Christian Schmidt auf der Kleinen Bühne vom Central nahe vom Hauptbahnhof herrichtete, gestellt.

Der Text von Miller hat extreme Längen, die - zum Stückschluss hin - nicht unbedingt zum eigentlichen Punkt hin vorzupreschen sich befleißigen, Vieles wird, insbesondere in der "Gerichtsverhandlung", noch und noch dann wiederholt, ohne dann groß erhellend Neues oder Wichtig(er)es offeriert zu haben. Titov "reduziert", ja ignoriert das plappernd Ausufernde durch beeindruckende und mitunter gar schockierende Bild-Selbstläufer; zum Beispiel lässt er Andrei Viorel Tacu (als Hexenprozessschreiber Hathorne) seine niederen Instinkte in der zuerfundenden Gefängniswärterrolle an den eigentlich ja bis zu ihren Abverurteilungen "Schutzbefohlenen" willkürlich ausleben sprich dass er dann das eine oder andre "Opfer" sexuell missbraucht, um es dann hinterher zu töten usw. usf. Ganz unerträglich wird der Anblick des von Titov derart Zuerfundenen, indem dann die hochschwangere Elizabeth vor, während oder nach der sexuellen Nötigung durch die besagte Bestie Mensch ihr Kind als Fehlgeburt verliert und sie in einem anhaltenden Zustand schreit und schreit und schreit...

Nein, wahrlich nichts für Zartbesaitete.




Hexenjagd am Düsseldorfer Schauspielhaus | Foto (C) Sebastian Hoppe

Andre Sokolowski - 14. Juli 2017
ID 10143
HEXENJAGD (Central, 13.07.2017)
Regie: Evgeny Titov
Bühne: Christian Schmidt
Kostüme: Nicole von Graevenitz
Musik: David Lipp
Licht: Konstantin Sonneson
Dramaturgie: Janine Ortiz
Besetzung:
Samuel Parris, Pastor von Salem ... Thomas Wittmann
Abigail Williams, seine Nichte ... Tabea Bettin
Betty Parris, seine Tochter ... Cennet Rüya Voß
Tituba, Sklavin im Hause Parris' ... Bianca Twagiramungu
John Proctor, ein Bauer ... Sebastian Tessenow
Elizabeth Proctor ... Judith Bohle
Mary Warren, Magd im Hause Proctors ... Lieke Hoppe
Rebecca Nurse, Großgrundbesitzerin ... Manuela Alphons
Ann Putnam, Großgrundbesitzerin ... Esther Hausmann
Giles Corey, ein Freund John Proctors ... Markus Danzeisen
Susanna Walcott, ein junges Mädchen ... Janna Gangolf
John Hale, Exorzist ... Stefan Gorski
John Hathorne, Schreiber bei den Hexenprozessen ... Andrei Viorel Tacu
Thomas Danforth, Stellvertreter des Gouverneurs ... Florian Lange
Premiere am Düsseldorfer Schauspielhaus: 10. Juni 2017

Central — Große und Kleine Bühne
Worringer Straße 140
40210 Düsseldorf

Weitere Infos siehe auch: http://www.dhaus.de


http://www.andre-sokolowski.de

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