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THEATER DER WELT | Düsseldorf, 17.06.-04.07.2021

The Shadow Whose Prey the Hunter Becomes

Back to Back Theatre


Bewertung:    



Der Titel macht neugierig: The Shadow Whose Prey the Hunter Becomes (Der Schatten, dessen Beute der Jäger wird). Leider bekommt man diese einstündige Aufführung des australischen Back to Back Theatre in Düsseldorf wieder einmal nur als Film zu sehen.

Die Mitglieder des Ensembles diskutieren ihre Situation und darüber hinaus diverse Themen ihres Alltags. Das ist spannend und nichts weniger als unintelligent. Weil der Film ambitioniert gemacht ist, bleibt die Problematik unbeschädigt erhalten. Aber es ist eben ein Film, eine Dokumentation anstelle eines Bühnenstücks. Als Zwitter aus Dokumentarfilm und Spielfilm hätte er auf jedem Dokumentarfilmfestival zwischen Leipzig, Duisburg und Nyon Erfolg. Denn er geht unter die Haut und erzeugt Sympathie für seine Protagonisten. Dass echte Menschen sich selbst darstellen erhöht die Glaubwürdigkeit. Zugleich nähert die Methode den Film dem dokumentarischen Spielfilm an, wie er beispielhaft von Ken Loach mit Family Life realisiert wurde. Unsere Bewertung ist demnach die Bewertung eines Films – nur ihn kennen wird –, nicht die des zugrunde liegenden Theaterstücks.

Dass so genannte Behinderte Theater machen, ist für Deutschland nichts Exotisches mehr. Man denke an das Theater Thikwa oder an RambaZamba. Auch das Back to Back Theatre ist kein Fremder, sofern die Öffentlichkeit von THEATER DER WELT Kenntnis nimmt. Es war bereits 2017 in Hamburg dabei, mit dem beeindruckenden Lady Eats Apple. Aber originelle Einfälle sind offenbar nicht zu erwarten. Die Stafette wird unreflektiert weitergegeben. Für das nächste THEATER DER WELT, 2023 in Frankfurt, haben die eben bestellten japanischen Kuratorinnen angekündigt, sie wollten „das Prinzip der nicht-westlichen, nicht-binären und sogar nicht-menschlichen Perspektiven zum Anlass nehmen, um unsere Vorstellungen von Theater, Festivals und der Welt neu zu justieren und zu überdenken“. Die Corona-Pandemie, die offenbar für jede Entlastung und jede Erleuchtung herhalten muss, habe sie gelehrt, „uns nicht nur um kranke Menschen, sondern auch um kranke Tiere, Pflanzen, unsere Umwelt und die Natur zu kümmern“. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Ob ich es noch erleben werde, dass Kulturmanager*innen zum Stichwort „Theater der Welt“ eher Meyerhold, Peter Brook oder Kabuki einfällt als Moreno oder Berne?

Ich versuche, Witze zu machen, aber offen gestanden: ich finde es deprimierend, mit welchem Konformismus den gängigen Moden gefolgt wird. Was Sibylle Berg in GRM Brainfuck als Dystopie entworfen hat, ist doch längst Gegenwart, ein alter Hut wie Orwells 1984. Auf den Bühnen ahmt man nach, was gerade en vogue ist, wie man Nike Sneakers trägt, bei jeder Gelegenheit das Handy zückt oder den Cocktail der Saison in sich hinein gießt. Eben hat sich der Leiter von Impulstanz in Wien darüber beklagt, dass die Wiener Festwochen gehäuft Tanz und Performance zeigen, die bislang die Domäne von Impulstanz waren. Es geht um Konkurrenz, aber es geht auch um Genrebewusstsein und Beliebigkeit. Was für die Wiener Festwochen gilt, trifft auch auf THEATER DER WELT zu. Tanz steht auf der Speisekarte, also bietet man ihn an. Bis zum nächsten Hype, den nicht-binären Perspektiven zum Beispiel. Verglichen mit den Kulturmachern von heute waren die Chinesen, die einst Maos rote Bibel schwenkten, extreme Individualisten.



The Shadow Whose Prey the Hunter Becomes
mit dem Back To Back Theatre
Foto: Jeff Busby

Thomas Rothschild – 5. Juli 2021
ID 13020
Weitere Infos siehe auch: https://www.theaterderwelt.de


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