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nachDRUCK # 6

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Performance

Von der Roten

Rübe ging

"es" aus

MEET THE SHAMAN


Bewertung:    



"Viele Bewohner Burjatiens haben sich unbeirrt vom Kommunismus über die Sowjetzeit hinweg eine schamanistische Spiritualität bewahrt. Und mit der allgemeinen Rückbesinnung auf religiöse Traditionen und Werte in Russland haben schamanistische Seminare in Burjatien derzeit regen Zulauf. Den Teilnehmern werden Techniken vermittelt, mit denen ein erweiterter Bewusstseinszustand erreicht werden soll, der es ermöglicht, in eine spirituelle Welt einzutreten und mit ihr zu interagieren. Dieser Mystizismus ist Teil des sibirischen Alltags und wird pragmatisch integriert." (Quelle: nordwind-festival.de)

*

Den in Wien lebenden und arbeitenden russischen Tänzer und Choreografen Oleg Soulimenko (55), den diese gesellschaftsreligiösen Absonderlichkeiten [s.o.] irgendwann zu Ohren gekommen sein müssen, wollte es partout genauer wissen, und so reisten er und Videokünstlerin Anna Jermolaeva prompt dorthin und ließen sich "rund um den Baikalsee von drei SchamanInnen in ihre Praktiken einweisen"...

Die Performance, die daraus entstand, nannte er Meet the Shaman, und sie wurde gestern Abend im 3. Stock der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz - anlässlich des stattfindenden NORDWIND Festivals - als Deutschlandpremiere aufgeführt:



Meet the Shaman © Andreas Hirsch


Oleg - nachdem er ein paar Lebensmittel- sowie andere (Schamane-)Zutaten zurechtpositioniert - beginnt sein einstündiges Stück mit einer Roten Rübe, die er schält. Mit deren feuchter Fruchtfarbe bemalt er nicht nur sich, sondern auch ebenso den hellen Tanzbodenbelag, aus dem er kurz darauf mit seinem Taschenmesser (das zuvor die Rote Rübe schälte) eine Art Schamane-Maske rausschneidet und mit den beiden Schnürsenkeln von seinem Turnschuhpaar vor sein Gesicht bindet...

Eine (wahrscheinlich aus dem Baumarkt hergeorderte) vierkantige und hellholzige Latte sägt er nun mit seinem Rote-Rübe-Taschenmesser in zwei gleiche Teile, die er vorher a) mit Rote-Rübe-Farbe sowie b) mit nass gewordenem Kakaopulver - so duftete es jedenfalls - vollmalte...

Dann stellt er sich unter'n Hochgestell (wieder aus hellem Baumarktholz), aus dessem Hochgestellkasten es, als er mit der Latte daran pocht, Kartoffeln "regnet", die er justament dazu benutzt, einen Kartoffelkreis zu legen...

Special Guest Lisa Stuckey redet sehr plötzlich viel und lang; alles auf Englisch...

Videos von besagter Baikalsee-Expedition werden links, rechts und hinten projiziert, eines von den zentraleren handelt von einer Hanha Mongol, die, so wie sich schließen lässt, eine berühmt-berüchtigte Schamanin war und ist - ihre Berufskleidung nahmen unsre Exkursanten mit nach Wien; ja, Oleg hat sie zur Performance mitgebracht...

Er kriecht, während dieses zentrale Video läuft, mit seinem Adamskleid in einen schwarzen Müllsack, welcher nachgerade ein doch irgendwie gespenstisch anmutendes Eigenleben demonstriert...

Als Oleg aus dem Müllsack steigt, ist er mit einem Male wieder angezogen...

Ganz zum Schluss nimmt Oleg mitten im Kartoffelkreis, wo er 'nen Haufen Sprühsahne (von "Ja!") kreiert hat, Aufstellung und wird abrupt ekstatisch; der DJ dieb13 macht Musik dazu...


* *

Ja und das war's auch schon.

Herzlichen Dank fürs Kommen.
Andre Sokolowski - 25. November 2015
ID 9003
MEET THE SHAMAN (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, 3. Stock - 24.11.2015)
Konzept, künstlerische Leitung und Performance: Oleg Soulimenko
Video: Anna Jermolaewa
Musik: dieb13
Theoretischer Input: Elisabeth von Samsonow
Special guest: Lisa Stuckey
Bühne und Kostüm: Lena Winkler-Hermaden und Oleg Soulimenko
Text consultant: Rosemarie Poiarkov
Kostümberatung: Anke Philipp
Licht: Sabine Wiesenbauer
Production management: Andreas Fleck
Production assistant: Kaie Olmre
Assistant: Jasmin Hoffer
Deutschlandpremiere war am 24. November 2015
Weiterer Termin: 25. 11. 2015
Eine Koproduktion von Oleg Soulimenko/Vienna Magic und brut Wien


Weitere Infos siehe auch: http://www.nordwind-festival.de


http://www.andre-sokolowski.de

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