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Autorentheatertage Berlin 2016


Gespräch wegen der Kürbisse von Jakob Nolte

Deutsches Theater Berlin


Bewertung:    



Kleine Höhepunkte der AUTORENTHEATERTAGE sind mit Sicherheit die Uraufführungen der drei Gewinner der Stückausschreibung, die aus einer Auswahl von 175 eingesandten Stücken durch die diesjährige Alleinjurorin Barbara Behrendt gekürt wurden. Neben Inszenierungen aus Wien und Zürich ging für das Deutsche Theater Berlin Jungdramatiker Jakob Nolte ins Rennen. Er ist u.a. bekannt als Teil des Autorenduos Nolte/Decar, das bereits mit der Groteske Der neue Himmel bei den ATT15 vertreten war und einen veritablen Erfolg mit ihrem Stück Das Tierreich am Schauspiel Leipziger landete.

Noltes einstündige Konversationskomödie Gespräch wegen der Kürbisse wurde von Regisseur Tom Kühnel auf der Hinterbühne der Kammerspiele mit den beiden großartigen DT-Schauspielrinnen Maren Eggert und Natali Seelig uraufgeführt.

Zwei beste Freundinnen mit den sprechenden Namen Anna Krachgarten (Eggert) und Elisabeth Mishima (Seelig) treffen sich in einem Café, und während sie auf ihre Bestellung warten, hauen sie sich, wie man so schön sagt, gegenseitig die Taschen voll. Ein Kaffeekränzchen der besonders grotesken Art. Eine Satire auf bürgerliche Befindlichkeiten, das zunehmend ins Surreale kippt, wie in einem Einakter von Georges Courteline, ohne sich jedoch in dessen absurde Höhen zu schrauben.

Autor Nolte lauscht seinen Damen, einer Wissenschaftlerin und einer Lektorin im Ausstand, ein sogenanntes Frauengespräch über Urlaub, Arbeit, natürlich die Männer und Väter sowie den israelischen Mossad ab. Das klingt nicht nur banal bis absurd, das ist es auch, und auch wieder nicht. Die Spannung liegt hier in der Möglichkeit und Unmöglichkeit gleichermaßen, in den Behauptungen, kleinen Sticheleien, Lügen und Übertreibungen. Man schlägt sich und verträgt sich verbal. Innere Verletzungen sind einkalkuliert. Mit der Wirklichkeit nimmt es hier keine so genau.

Und doch versucht Raketenforscherin Elisabeth die Kontrolle über das Gesagte zu erringen, während Urlauberin Anna ihrer Fantasie allzu freien Lauf lässt. Nolte füttert das Gespräch zunächst mit reichlich Banalitäten und Small Talk, bis es dann weiter mit einer Agentenstory um den angeblich vom Mossad ermordeten Vater Elisabeths und den Suizid von Annas Erzeuger in China geht. Nebenbei erfährt man von einem Bücher schreibenden Sebi und dass Elisabeth mit Frau und Kind unglücklich ist. Das Meer rauscht, und in der blühenden Fantasie von Anna klingen ausgehölte Kürbisse wie Glocken, während für Elisabeth ein Raketenauftrag der Regierung das Selbstverständlichste von der Welt ist.

Die beiden Freundinnen traktieren sich mit gegenseitigen Vorwürfen und Unterstellungen, schweifen oder lenken vom Thema ab und landen irgendwann bei Leichen aus dem Meer, die im Strandkorb angeschwemmt oder samt Atommüll mit Kanonen ins All geschossen werden. Jakob Nolte surft vom Privaten mit Depressionen und Einsamkeit über Verschwörungstheorien zum Aktuell-Politischen und wieder zurück. Dazu dreht sich das Damenkränzchen auf der Hinterbühne der Kammerspiele, und ein von der Volkssternwarte Laupheim e.V. (stimmt wirklich) ausgeliehener Zeiss-Sternenprojektor erzeugt ein wenig Diskokugel-Feeling zu dramatischer Musikuntermalung.

Regisseur Kühnel macht das Beste draus und lässt seinen beiden Protagonistinnen viel Spielraum, den die beiden sogar zu ein paar Gesangseinlagen mit Mikro nutzen. Irgendwann kommt auch noch der Kaffee hereingerollt, ansonsten geht es einem wie dem sprichwörtlichen Sack Reis in China. Who cares? Noltes Weltenmeerfantasie ist relativ flach, aber Dank der Damen doch halbwegs amüsant.



Gespräche wegen der Kürbisse am DT Berlin | Foto (C) Arno Declair

Stefan Bock - 2. Juli 2016
ID 9413
GESPRÄCH WEGEN DER KÜRBISSE (Kammerspiele, 30.06.2016)
Regie: Tom Kühnel
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Linda Tiebel
Dramaturgie: Ulrich Beck
Mit: Maren Eggert und Natali Seelig
Uraufführung am DT Berlin war am 25. Juni 2016
Weitere Termine: 5., 14. 7. / 26. 9. 2016
Gewinnerstück der AUTORENTHEATERTAGE BERLIN 2016


Weitere Infos siehe auch: http://www.deutschestheater.de


Post an Stefan Bock

blog.theater-nachtgedanken.de

Uraufführungen

AUTORENTHEATERTAGE



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