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nachDRUCK # 6

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Performance

Tagtraum-

wandelnd



Meg Stuart | Foto (C) Iris Jahnke

Bewertung:    



Die US-amerikanische Tänzerin und Choreografin Meg Stuart (59), die als zentralen Anlaufpunkt ihrer künstlerischen Behausung seit den 1990ern abwechselnd Berlin und Brüssel bestimmte, ...


"... ist bestrebt, eine neue Sprache für jedes Stück in Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen kreativen Disziplinen zu entwickeln und arbeitet im Spannungsfeld zwischen Tanz und Theater. Die Verwendung von Theater-Objekten, neben dem Dialog zwischen Bewegung und Erzählung, sind wiederkehrende Themen in ihren Choreografien. Stuarts choreografische Arbeit dreht sich um die Idee eines unbeständigen Körpers, der verletzlich und selbstreflexiv ist. Durch Improvisation, erkundet Stuart körperliche und emotionale Zustände oder die Erinnerungen an sie. Ihre künstlerische Arbeit steht analog zu einer ständig wechselnden Identität. Sie definieren sich ständig selbst neu auf der Suche nach neuen Präsentationskontexten und Bereichen für den Tanz." (Quelle: Wikipedia)


Meine bisherigen Erfahrungen mit ihren Stücken haben etwas Ambivalentes. Von den letzten drei Malen, da ich Produktionen von und mit ihr sah, erschienen mir sowohl Violet als auch Sketches/Notebook geradezu ereignishaft, während ich allerdings nach ihrem Hunter etwas ratlos meinen Heimweg angetreten hatte. Seitdem sah ich nichts weiter von ihr - doch nunmehr (jetzt!) wollte ich's wieder wissen. Stuart zählt ja vollkommen zurecht zu den Ikonen des modernen Tanzes, und ihr live auf einer Bühne zu begegnen, ist dann schon ein Privileg.

*

Im HAU2 präsentierte sie (als deutsche Erstaufführung) All the Way Around, eine Solo-Performance, bei der sie mit und nach Musik des Jazzbassisten Doug Weiss und der Pianistin Mariana Carvalho privat Erlebtes und Erlittenes improvisierte und erklärtermaßen "eine Reise in Bewegung und Klang" (im Trio) unternahm. Das hatte schon dann etwas Tagtraumwandlerisches und wirkte nicht selten humoristisch unterwandert.

Es fing damit an, dass Doug mit seinem Geigenbogen die tiefste der vier Kontrabasssaiten (tontechnisch verstärkt) an-strich, ja und es hörte sich beinahe wie das legendäre Auftakt-Es-Dur aus dem Rheingold-Vorspiel an - ich selbst hab' zwar kein absolutes Gehör, bin mir also im Nachhinein nicht sicher, ob es wirklich Es-Dur war, aber es hatte schon etwas von alledem. Meg ihrerseits trat etwas später auf und tat sich unterschiedlich ausdrucksstark und temperamentdosiert auf einer unsichtbaren Linie von Dougs Monstergeige mehr fort- als wieder zu ihm hinbewegen. Dann gesellte sich Mariana unauffällig zu ihrem aufgeklappten Salonflügel und fuhrwerkte in dessem Inneren, also unterhalb des Klavierdeckels, an den Hämmerchen herum - und plötzlich zog die Meg eine überlange dünne Metallschnur aus dem offenen Flügel und erzeugte sodurch einen an die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik gemahnenden extraordinären Klang; das überraschte, und wie!

So ähnlich ging's dann weiter... In Erinnerung blieb mir besonders, in Bezug auf Meg, wie sie sich (Klang- und Themenwechsel in dem Stück) ganz unbefangen und recht locker wie in einem Jazzkeller verhielt; der gute Doug lieferte dementsprechend stimmungsvoll Gezupftes - aber auch, wie sie, als kniete sie vor einem Grabstein, traurige oder verzweifelte Momente ihres Lebens nachempfand. Auch absolvierte sie "Ballettübungen" an der Bühnenrückwand, wo sie sich an der verkleideten Strom- oder Wasserleitung, die in dem Moment wie 'ne Ballettstange aussah, zu schaffen machte; dann trat sie erst mal ab - und in der Zwischenzeit absolvierten die beiden Musiker sportive Solo-Einlagen (Doug auf dem Rücken liegend, seinen Kontrabass wie eine Geliebte über sich positioniert; Mariana fast ganzkörperlich in das Innere des Flügels vorübergehend verschwindend), das sah schon sehr, sehr komisch aus; ja und sie machten dazu natürlich auch entsprechende Musik...

Schlussendlich - als dann Meg mit einem neuen frischen Sweatshirt wieder auftauchte - gab's "richtige Musik"; Doug & Mariana stimmten eine tagtraumhafte Melodie slowmotionartig an, und Meg tanzte gelöst hierzu.

Schön war es.



Meg Stuart und Doug Weiss in All the Way Around/i> | Foto (C) Iris Jahnke

Andre Sokolowski - 31. Januar 2024
ID 14580
All the Way Around (HAU2, 30.01.2024)
Konzept: Meg Stuart & Doug Weiss
Choreografie und Tanz: Meg Stuart
Musik: Doug Weiss (Bass) und Mariana Carvalho (Piano)
Lichtdesign: Emese Csornai
Technische Koordination: Tom De Langhe
Outside Eye: Mor Demer
DEA war am 30. Januar 2024.
Weitere Termine: 31.01./ 01.02.2024
Eine Produktion von Damaged Goods


Weitere Infos siehe auch: https://www.hebbel-am-ufer.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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