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tanzt



Doughnuts am Thalia Theater Hamburg | Foto (C) Fabian Hammerl

Bewertung:    



Als im Januar die Einladungen zum Berliner THEATERTREFFEN bekanntgegeben wurden, überraschte die Entscheidung der Jury, die eher kleinere Inszenierung Doughnuts des japanischen Regisseur Toshiki Okada im Thalia in der Gaußstraße der von vielen favorisierten Inszenierung Der schwarze Mönch des russischen Regisseurs Kyrill Serebrennikov am großen Thalia Theater Hamburg vorzuziehen. Okada wurde bereits 2020 mit seiner Inszenierung The Vacuum Cleaner an den Münchner Kammerspielen eingeladen. In seinen Stücken treffen immer wieder Menschen aus ähnlichen Personenkreisen an ganz bestimmten Orten aufeinander und verhandeln in einer nahezu poetischen Sprache die scheinbar komplizierten Dinge des Lebens auf eine leicht absurd wirkende Art.

Okadas neues Stück Doughnuts, das der Regisseur wieder selbst auf der kleinen Bühne des Thalia in der Gaußstraße inszeniert hat, spielt in der Lobby eines japanischen Hotels im 21. oder 22. Stock hoch über der Stadt. Eine Gruppe ZukunftsforscherInnen wartet auf ein Sammeltaxi zum Konferenzort und unterhält sich zunächst über die Vorzüge der sich in allen Städten gleichenden Hotels und die Sinnhaftigkeit, die Lobby in den oberen Etagen einzurichten. Ein relativ skurriler Smalltalk über Frühstücksjogurts, Düfte in Aufzügen sowie Aspekte der Sicherheit und Exklusivität.

Das Besondere der Inszenierung besteht darin, dass sich die DarstellerInnen beim Sprechen stark gestikulierend und verrenkend in einer Art choreografierten Körper- oder Gebärdensprache ausdrücken, was dem Sprechen eine zusätzliche Rhythmik verleiht. Okada bedient sich hier wie schon in seinem Stück No Sex auch bei Elementen des japanischen Nō-Theaters. Der Körper-Slapstick, der bis zu Stuhl- und Sofaakrobatik geht, erzeugt eine Komik und sich steigernde Absurdität, die das Geschehen spätestens dann erreicht, als das Taxi auf sich warten lässt und nach Aussage des Hotelmitarbeiters wegen starken Nebels und mehrerer Massenkarambolagen ganz ausbleibt.

Die WissenschaftlerInnen kommen mit der unerwartet auftretenden Störung in ihrem gewohnten Ablauf nicht mehr so recht klar und bleiben in ihren phrasenhaften Gesprächen stecken, bis sie Alternativen wie die Fahrt mit dem Bus erwägen, damit aber auch nicht wirklich weiter kommen. Die Geschichte eines Bären, der in Supermärkte eindringt, was im Internet in den sozialen Medien kursiert, ist ein weiteres Indiz für das unkontrollierte Eindringen der Natur in die Realität der menschlichen Zivilisation. Die aktuelle Lage der Welt erweist sich für die ZukunftsforscherInnen als nicht so konsistent und auch die Ereignisse nicht so klar vorhersehbar, wie von ihnen geglaubt. Ihnen scheint die Fähigkeit, zukünftige Ereignisse vorherzusehen und entsprechend zu analysieren, verloren gegangen zu sein. Etwas nagelt sie an ihren Plätzen fest und lässt sie nur hilflos zucken.

Eine Beckett´sche Versuchsanordnung, ein Warten auf etwas, das nicht vorhersehbar eintrifft und sich so dem Denkkosmos der Forscher entzieht. So zwangsentschleunigt auf sich selbst geworfen winden sie sich in einer Art Endlosspirale, einem kuriosen Spiel das durch die wiederkehrenden Einwürfe und Entschuldigungen des um Hilfe bemühten Lobbyangestellten (Johannes Hegemann) immer weiter ins Absurde getrieben wird. Das sich stetig drehende Bühnenrondell von Dominic Huber begrenzt kongenial den Bewegungshorizont der übrigen SpielerInnen (Maike Knirsch, Björn Meyer, Toini Ruhnke, Steffen Siegmund, André Szymanski), die zum minimalistischen Klassik- und Popsound (zusammengestellt von Kazuhisa Uchihashi) sichtlich um Kontrolle ringen. Ein durchaus gelungener kleiner Abend, der mit viel Lust zur absurden Komik unterhält und auch zum Nachdenken anregen kann, aber für das Theatertreffen vielleicht doch etwas zu unspektakulär ausfällt.



Doughnuts am Thalia Theater Hamburg | Foto (C) Fabian Hammerl

Stefan Bock - 6. März 2022
ID 13503
DOUGHNUTS (Thalia in der Gaußstraße, 03.03.2022)
Regie: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: Tutia Schaad
Dramaturgie: Julia Lochte und Makiko Yamaguchi
Musik: Kazuhisa Uchihashi
Mit: Johannes Hegemann, Maike Knirsch, Björn Meyer, Toini Ruhnke, Steffen Siegmund und André Szymanski
UA am Thalia Theater Hamburg: 21. Januar 2022
Weitere Termine: 11., 12., 28.03. / 15.,04. / 07.05.2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.thalia-theater.de


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