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Deutschsprachige Erstaufführung

Stepptanz-

Stück

HOUSE OF DANCE
von Tina Satter


Bewertung:    



Zum Auftakt des FIND-Festivals in der Berliner Schaubühne gab es Stepp-Tanz zu bewundern. Die US-amerikanische Autorin und Regisseurin Tina Satter, 2022 mit ihrer Produktion Is This A Room zu Gast beim FIND, hat nun ihr 2013 am New Yorker Off-Broadway uraufgeführte Stück House of Dance für die Schaubühne mit einem deutschen Ensemble neu inszeniert. Im kleinen Globe hat Bühnenbildner Parker Lutz ein kleines Tanzstudio mit großem Spiegel, Tanzstange und Klavier in einer örtlichen Gemeindehalle gebaut. Die hat schon mal bessere Tage gesehen. Ein großes Portal und mit Stoff bespannte Wände zeugen von vergangener Größe. Hier arbeiten Tanzlehrer Martle (Holger Bülow) und der Begleitpianist Jo (Henri Maximilian Jakobs). Sie geben der jungen, etwas schüchternen Toni (Hêvîn Tekin) eine Privatstunde als Training für das Vortanzen bei der "Teen Tap Dance Road Show". Der Traum von Toni ist es, die verhasste Kleinstadt zu verlassen und mit 40 berühmt zu sein. Dafür benötigt sie unbedingt noch eine Choreografie und ein passendes Kostüm.

Im Gegensatz zum hochpolitischen Thema der Festnahme der texanischen Whistleblowerin Reality Winner, deren Verhör durch FBI-Agenten Tina Satter in ihrem Stück Is This A Room wortwörtlich reenactet hat, ist House of Dance ein eher unscheinbarer Text über den Traum einer Amateurkünstlerin mal im Rampenlicht zu stehen, aber zu wissen, dass dies vermutlich nie geschehen wird. Entsprechend bescheiden ist auch das Engagement des Tanzlehrers, der vermutlich schon einige Dauer-Talente betreut hat. Sein Pianist versucht ebenfalls immer wieder aus dem Begleitschatten heraus zu tanzen. Später erscheint noch eine weitere Tänzerin namens Gigi (Genija Rykova), die ihr verlorenes Tanzdress sucht und sich nicht von Martle vertreiben lässt. Scheinbar hatten die beiden mal was miteinander. Er will sie zunächst immer wieder hinauswerfen. Sie steppt sich aber beharrlich ins Bild zurück. Der Abend bietet dafür einige Solonummern und Gruppenauftritte. Eigens dafür haben alle den Stepptanz erlernt. Was hier und da etwas holpert aber mit ein paar Gesangseinlagen ergänzt wird.

Viel mehr über die vier ProtagonistInnen erfährt das Publikum an diesem kaum 80 Minuten langen Abend nicht. Toni bekommt öfter Textnachrichten aufs Handy. Die seien von ihrer Stiefmutter. Ein wohl problematisches Familienverhältnis. Auch der Clinch zwischen den anderen wird nicht aufgelöst. Es geht weiter nur darum Toni für das Vortanzen zu konditionieren. Martle prahlt mit einer Gruppenchoreografie "Capella Jim" aus Barcelona und erklärt Toni, dass sie beim Tanzen immer eine Geschichte erzählen muss. Das mündet in eine krude Maskeraden-Show eines Zombiefilms. Die vier leuchten in ihren Glitzerkostümen (Enver Chakartash) mit Zylinder und Stock, als wären sie für kurze Zeit berühmte Tanzpaare der Filmgeschichte. An diesen Mythen arbeitet sich Satters Stück ebenso ab, wie sie zur Erdung auch kleine ironische Slapstick-Nummern einbaut. Nur zweimal hebt das Tanzstück zu ungeahnten philosophischen Höhen ab. Toni erkennt am Ende, dass sie sich von sich selbst entfernen muss, um sie selbst zu sein. Mehr will dieser relativ undramatische Abend gar nicht und ist damit für ein Internationales Dramatik-Festival vielleicht etwas zu leicht geraten.



House of Dance in der Schaubühne Berlin | Foto (C) Guianmarco Bresadola


Das FIND-Festival an der Schaubühne geht noch bis zum 30. April und hat weitere Stücke aus Japan, Taiwan, Norwegen, Spanien und dem Iran im Programm. Einen besonderen Fokus mit Filmen und Stücken legt das FIND auf das international bekannte New Yorker Kollektiv  The Wooster Group.
Stefan Bock - 21. April 2023
ID 14156
HOUSE OF DANCE (Globe, 19.04.2023)
von Tina Satter
Regie: Tina Satter
Bühne: Parker Lutz
Kostüme: Enver Chakartash
Musik und Sounddesign: Chris Giarmo
Dramaturgie: Bettina Ehrlich
Licht: Erich Schneider
Mit: Holger Bülow, Henri Maximilian Jakobs, Genija Rykova und Hêvîn Tekin
DEA an der Schaubühne Berlin: 19. April 2023
Weitere Termine: 21., 22., 23.04. / 13., 14., 15., 16.05.2023


Weitere Infos siehe auch: https://www.schaubuehne.de


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