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Konzertkritik

HYPER!

Sounds

im Kleinen Saal der
Elbphilharmonie Hamburg


Den Sorte Skole | (C) Kristoffer Juel Poulsen

Bewertung:    



Wie beeinflusst Musik die bildende Kunst?

Auf diese Frage hin haben drei Künstler und ein Kurator für je einen Abend die Schlüssel zur Elbphilharmonie erhalten. An diesem Abend sind es Rosemarie Trockel (deutsche bildende Künstlerin) und Thea Djordjadze (Installationskünstlerin), die sich der modularen Musik widmen.

Max Dax, ehemaliger Spex-Chefredakteur und Kurator der parallel in den Deichtorhallen laufenden HYPER!-Ausstellung ("Hyper! Hyper!": weltbekannter Titel der Technoband Scooter), spricht einleitende Worte. Er meint, ohne den Einfluss von Musik wäre die Ausstellung in den Deichtorhallen nie möglich gewesen und betont immer wieder:

„Was der Kunst ihre Appropiation, ist der modernen Musik das Sampling.“

Und wie beeinflusst jetzt Kunst die Musik?

Für Trockel bedeutet die Kunst frei zu sein, nicht zu wissen was man macht. Der erste Auftritt ist dafür sehr exemplarisch.

*

Es beginnt zunächst sehr sphärisch mit dem skandinavischen DJ-Duo Den Sorte Skole, Thema: Ghosts&Robots. Bei ihnen ist jedes Konzert anders, sie haben eine Unmenge an Samples und Sounds, die sie spontan zusammenstellen, sehr aufeinander eingestimmt. Dabei spielt sicherlich der Moment, die Umgebung und auch das Publikum eine Rolle. Sie haben Vertrauen in sich, sind spontan, wie es eben die meisten Künstler sind und holen im besten Fall die Sterne vom Himmel.

An diesem Abend beginnt es zunächst dunkel, wie aus einer Black Box ertönen eklektische Sounds, live durch zwei sich gegenüber stehende Mischpulte.

Die beiden DJ‘s sind umringt von Lichtstäben, die dann mit dem Sound korrespondieren; mal ist es wie Wunderkerzen, dann steigt eine Flammensäule auf... Das flackernde farbige Licht begleitet die Musik von Anfang bis Ende.

Sternenmusik mit ethnischen Klängen, Fetzen bekannter Musikstücke, ob von 1968 oder von heute. Es sind Tausende von Samples aus der Pop- und Weltmusik, Geräusche, Beats, Indisches, gregorianische oder tibetische Gesänge werden stets aufs Neue verwoben; jedes Konzert ist anders.

Verantwortlich für das beeindruckende Lichtspektakel ist das Visual-Artist-Kollektiv Vertigo.

* *

Musik ist Inspiration, gibt Impulse, sie ist eine Weltsprache und identitätsstiftend, ist dies doch auch das Motto des (bis 29. Mai noch stattfindenden) Internationalen Musikfests Hamburg.

Doch man fragt sich auch, wie in Zeiten von Online-Streaming und Algorithmen der Musikgeschmack geprägt wird. Es entsteht eine personifizierte Playlist aufgrund unserer bisherigen Seh- und Hörgewohnheiten. Und da das Publikum offensichtlich sehr unterschiedlich ist, schon vom Alter her, verlassen auffällig viele den Saal, während andere haltlos wippen. Man identifiziert sich mit Musik, ruft nach Vorbildern, etwas was einem Heimat und Selbstsicherheit oder auch Identität gibt.

Während Den Sorte Skole frisch und neuartig klingen, ist eine Gruppe wie Kreidler sehr ihrem zwar avantgardistischen dennoch alten Stil verhaftet. Mit einem fast durchweg gleichen Rhythmus, mit leichten Variationen oder Melodien, blieb das Thema meist düster. Auch ließ die Aussteuerung anfangs zu Wünschen übrig, wie man das schon bei Kristof Schreuf bemängeln konnte. Der fiel durch Unsicherheit auf, seine Stimme klingt angestrengt und er schrie: „Hört man meine Stimme?“ - das Publikum lachte. Weitere unangenehme Ansagen folgten, man wähnte sich am Lagerfeuer mit Klampfe.

Er war mal 1989 bekannt als Sänger der Band Kollossale Jugend und textete seinen eigenen Kram auf Deutsch zu englischer Popmusik oder nahm Texte Dritter und mixte sie zur Melodie von "The End“ von den Doors. Hier tat es meinen Ohren weh.

* * *

Überraschend dann die plötzliche glasklare Stimme der litauischen Star-Sopranistin Asmik Grigorian [u.a. Tatjana in Jewgeni Onegin an der Komischen Oper Berlin]. Es war ein Gastauftritt mit einer ebenso enthusiastischen Pianistin.

Wie wahre Künstler nun so sind, ganz oder gar nicht, singt sie im gleichen schwarzen Avantgarde-Outfit wie die Gruppe Kreidler. Sie liebt den Wandel, muss festgefahrene Rollenklischees aufbrechen, dabei ohne Zweifel und sich total öffnend. Beeindruckend, wie konzentriert sie singt. Die Jugend allerdings ist irritiert, bei mir bleibt Verwunderung über diese Perfektion.

Im Anschluss daran tritt das Quartett Kreidler auf den Plan. Wie gesagt, recht cool, nicht besonders einfallsreich. Auffällig dennoch der Schlagzeuger Thomas Klein, weitere Musiker sind Andreas Reise (Keyboard), Alex Paulick (Gitarre), Detlef Weinrich (Live-Elektronik).

Wie zu lesen ist, benutzt die Band Techniken aus der bildenden Kunst und arbeitete auch im Atelier von Rosemarie Trockel. European Song, ihr dreizehntes Album, zeigt auf dem Cover eine Arbeit der Kölner Künstlerin, die das Ende der kapitalistischen Träume manifestiert.
Liane Kampeter - 15. Mai 2019
ID 11414
HYPER! Sounds (Elbphilharmonie, 13.05.2019)
Internationales Musikfest Hamburg / Musik zur Ausstellung HYPER! in den Deichtorhallen

Rosemarie Trockel und Thea Djordjadze präsentieren:
Den Sorte Skole & Vertigo performing Ghosts & Robots
Kristof Schreuf; Asmik Grigorian und Evgenia Rubinova; Kreidler
Besetzung:
Den Sorte Skole
Kristof Schreuf, vocals
Asmik Grigorian, soprano
Evgenia Rubinova, piano
Kreidler
Andreas Reihse, keyboard
Alex Paulick, guitar
Thomas Klein, drums
Detlef Weinrich, live electronics


Weitere Infos siehe auch: https://www.elbphilharmonie.de


Post an Liane Kampeter

http://www.liane-kampeter.de

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