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nachDRUCK # 5

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DVD-Kritik

In memoriam

Rehberg





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Die deutschen Bühnen haben nun schon seit einiger Zeit die aus England stammende Semi-Opera und da allen voran King Arthur für sich entdeckt. Das dürfte vor allem daran liegen, dass eine Neubewertung von Henry Purcell stattgefunden und man ihn zu Recht aus dem Schatten des etwas jüngeren, aber sehr viel älter gewordenen Georg Friedrich Händel hervorgeholt hat, aber auch an den Möglichkeiten, die John Drydens Libretto im Gegensatz zu vielen Opern Händels für die Visualisierung auf dem Theater anbietet. Martin Kušej hatte mit King Arthur in Stuttgart einen seiner größten Erfolge, Jürgen Flimm hat ihn für die Riesenbühne der Salzburger Festspiele inszeniert, und der eigenwillige Herbert Fritsch hat ihn sich in Zürich unter die Nägel gerissen.

Sven-Eric Bechtolf und sein Koregisseur und Bühnenbildner Julian Crouch haben sich auf allen Ebenen für eine bedenkenlose Stilmischung, für Anachronismus und Inkompatibilität entschieden, was die Gattung freilich nahe legt. Es handelt sich eben um eine Halb-Oper, für die die strengen Regeln der kontinentaleuropäischen (Barock-)Oper keine Verbindlichkeit besitzen. Schauspieler stehen neben Sängern und Puppen, moderne Kostüme und Requisiten neben historisierenden und fantastischen wie aus einem Kinderbuch, satirische Einfälle neben pathetischen, groteske Spielweisen neben realistischen, für die der Text erweitert wurde, symbolhaft aufgepäppelte Details neben Zauber- und Maschinentheater.

Drydens märchenhaften, mit Illusionen durchsetzten Kampf der Briten gegen die Sachsen analogisiert die Regie mit dem Luftkrieg der Deutschen gegen England. Das naive Lob des Kolonialismus und des Siegs des Christentums über die Heiden entschärft sie durch Humor. Eine ernsthafte politische Durchdringung der Vorlage haben o.b. anlässlich der Inszenierung an der Berliner Staatsoper im Schiller Theater Anfang 2017 an dieser Stelle und Alban Nikolai Herbst auf faustkultur.de zu Recht angemahnt.

Gesprochen wird in deutscher, gesungen in englischer Sprache. Mit René Jacobs leitet einer der besten Kenner der postelisabethanischen Musik die Akademie für Alte Musik Berlin, präzise, aber nicht dogmatisch.

Jetzt ist die Aufführung als DVD und Blu-ray erschienen. Die Kamera verzichtet auf Mätzchen. Zu sehen gibt es ohnedies genug. Zu hören erst recht. Und gewährt wird eine Wiederbegegnung mit dem großartigen, schon gebrechlichen Hans-Michael Rehberg, der im Jahr der Premiere verstorben ist.



Thomas Rothschild – 12. Mai 2020
ID 12236
NAXOS-Link zu King Arthur von Henry Purcell


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