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CD-Kritik

Schubert-Raritäten

für 2 mal 2 Hände





Bewertung:    



Vierhändiger Klaviermusik von Franz Schubert (1797-1828) begegnet man nicht allzuoft in den Konzertsälen, zum ersten Mal lauschte ich einem dieser Stücke nach dem Auftritt Martha Argerichs mit der Staatskapelle Berlin (2013), wo sie es mit Daniel Barenboim als Zugabe zum Besten gab; es hatte, auch oder gerade wegen des Dacapo-Feelings, irgendwie was Launig-Beiläufiges, und ich kann mich auch nicht mehr entsinnen, was konkret es war, aber ich glaube fast, es war das Rondo...

*

Überhaupt nicht "launig" und noch weniger "beiläufig" hatten sich in letzter Zeit die Ungarin Adrienne Soós und der Schweizer Ivo Haag - in der internationalen Musikszene auch als Klavierduo Soós & Haag bekannt - mit sechs unterschiedlich großen Werken Schuberts für vier Hände auseinandergesetzt; die schöne Auswahl liegt jetzt als CD vor; aufgenommen wurde sie Ende des vorigen Jahres im Radiostudio Zürich, und das Pianistenpaar spielte auf einem warmholzig als wie konturenscharf akustisch sich vernehmenden Bösendorfer-Flügel aus der Serie 280 VC.



"Die vierhändige Klaviermusik Franz Schuberts", schreibt Ivo Haag, "hat uns in unserem ganzen Leben als Klavierduo stets begleitet. Egal, womit wir uns immer gerade beschäftigten, mal waren es die Symphonien von Johannes Brahms in den Klavierduo-Fassungen des Komponisten, die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug von Béla Bartók und andere Werke für ähnliche Besetzungen, mal war es zeitgenössische Musik, französisches Repertoire oder Raritäten aus verschiedenen Epochen, Schubert war immer präsent und hatte immer seinen Platz in unseren Programmen. Unsere fortgesetzte Beschäftigung mit seinem Werk führte auch zu Projekten wie der Gesamtaufführung seines vierhändigen Klavierwerks in der Alten Kirche Boswil im Jahre 2011."


Außer dass Haag es mit seiner Partnerin Soós auf suggestiv einladende und meinen Hörsinn permanent erfreuende Weise versteht, die zauberhaften Kleinode mit mir zu teilen, informiert er darüber hinaus auch im vorzüglich geschriebenen Booklet über ihre jeweiligen Einzelhistorien. So erfahre ich z.B., dass die dreisätzige Sonate in B-dur (mit der die Platte beginnt) für den "Hausgebrauch" der beiden 16 bzw. 13jährigen hochherrschaftlichen Klavierschülerinnen Marie und Caroline von Eszterházy, die Schubert als 21jähriger Privatlehrer im damals ungarischen Zselíz unterrichtete, gedacht gewesen war. Oder dass sich der Komponist gelegentlich seiner acht As-Dur-Variationen mit Bachs Wohltemperierten Klavier beschäftigte. Den zirka zwei Minuten währenden "Kindermarsch" in G-Dur vermeinte ich schon paar Mal irgendwo gehört zu haben, er klingt so gefällig-putzig, dass man gar nicht anders kann als so was zu vermuten.

Die beiden anspruchsvollsten Stücke dieser Aufnahme sind das Allegro in a-Moll (von Verlegerseite damals als "Lebensstürme" tituliert) sowie das obig schon erwähnte Rondo in A-Dur - beide im Todesjahr von Schubert entstanden; Haag lässt mich im Booklet wissen, dass man annimmt, dass die beiden Werke, zusammen genommen, gar als eine der späten Sonaten hätten (vom Komponisten?) gedacht sein können, dokumentarische Beweise gäbe es für diese These freilich nicht.

Die CD schließt mit den acht prosaisch sich manifestierenden Hérold-Variationen über ein Opernthema des Besagten, wo es auch um einen jungen Müller (nicht zu verwechseln mit dem einseitig Verliebten aus der Schönen Müllerin) geht und wo es auch so'n mühlenräderisches Tic-Tac gibt.

Alles in allem:

Schubert war und ist natürlich auch beim Hören dieser vierhändigen Werke sofort identifizierbar. Soós & Haag vermitteln das mit spielerischer Farbenfreude und, trotz all dem ahnungsvollen Melancholischen, mehr hinter unmilchigem Glas.

Frühherbstlich, dennoch mild.



Andre Sokolowski - 21. September 2020
ID 12478
KLAVIERDUO SOÓS & HAAG
Franz Schubert: Sonate B-Dur op. 30 D 617
- Acht Variationen über ein eigenes Thema As-Dur, op. 35 D 813
- Marsch G-Dur D 928 (Kindermarsch) D 928
- Allegro a-Moll (Lebensstürme) op. 144 D 947
- Rondo A-Dur, op. 107 D 951
- Acht Variationen über ein Thema aus der Oper Marie von Hérold, op. 82/1 D 908
Adrienne Soós, Klavier
Ivo Haag, Klavier
Telos Music tls 246
VÖ: 10. Juli 2020
Vertrieb: Haenssler ALLIANCE


http://www.klavierduo.ch/


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de

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