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Gut gelaunt

in die

Bartholomäus-

nacht



Lenneke Ruiten (als Marguerite de Valois) und Enea Scala (als Raoul de Nangis) vergnügen sich an sich in Meyerbeers Les Huguenots in La Monnaie | (C) Baus

Bewertung:    



Die fast fünfstündigen Les Huguenots von Giacomo Meyerbeer klingen die meiste Zeit dann so, als wäre ihre komponierte Gutgelauntheit absichtsvoll, will sagen nicht versehentlich, gewesen. Dabei steht in der Opéra en cinq actes (nach einem stümperhaft zusammengeschusterten Libretto von Eugène Scribe & Émile Deschamps) eines der grauenvollsten Großmassaker der Weltgeschichte, nämlich die so genannte Bartholomäusnacht, im Mittelpunkt.


"Hintergrund der Handlung sind die Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und den Hugenotten genannten, französischen Protestanten, die in den Hugenottenkriegen und im Gemetzel der Bartholomäusnacht vom 23. auf den 24. August 1572 kulminierten. Vorausgegangen war die Vermählung des protestantischen Königs Henri von Navarra mit der französischen Königstochter Marguerite am 18. August 1572, als sich viele Hugenotten in Paris aufhielten. Beginnend mit dem Mordanschlag auf den Hugenottenführer Coligny am 22. August, den darauf entstandenen Unruhen in Paris und der Furcht vor einem protestantischen Vergeltungsschlag erfolgte das Massaker der Bartholomäusnacht, bei dem die katholische Fraktion mit dem Herzog von Guise an der Spitze die Hugenottenführer und etwa 3.000 Menschen ermordete.

Mit Ausnahme Marguerites sind die Handlungsträger der Oper fiktive Personen."


(Quelle: Wikipedia)



Und insbesondere wegen all dieser unentwirrbaren Liebes- und Leidhandlungen, die um das historische Ereignis ranken, driftet Meyerbeers Musik so sehr ins Schwerelose ab, dass man vermuten könnte, dass er seine Un-Beschäftigung mit all dem Schrecken und dem Grauen [s.o.] ganz bewusst so wählte, um mit all den komponierten "Liebsten" schutzraummäßig klar zu kommen, sie vor unnötigem Kugelhagel sozusagen zu bewahren.

*

Brüssels Oper LA MONNAIE hatte jetzt ihre 2011er Inszenierung Olivier Py's [s. auch dessen Le Prophète, DOB 2017] aus der Mottenkiste geholt und sie mit einem Silberputztuch abgeschrubbt und nachgeglänzt. Das wegen seines dauernden und immer wieder überraschenden Verwandlungsgrads sensationelle Bühnenbild Pierre-André Weitz' blieb überwiegend nur auf indirekte Weise angestrahlt; das sollte sicherlich das alte Gaslampen- und/ oder Kerzenlicht zitieren, was man anno dazumal in der Pariser Oper zu Beleuchtungszwecken nutzte.

Py entschied sich hinsichtlich seiner Personenführung für entkrampfte und mitunter gar enthemmte Leichtigkeit, es gab viel sexuelle Ausgelassenheit und dementsprechend reichlich Haut zu registrieren, ein paar Nacktszenen erfreuten zusätzlich das Auge; und an genereller Kurzweil, was das Optische betraf, war daher insgesamt kein Mangel.

Die gesangliche Herausforderung an das Protagonistinnen- und Protagonistenquartett war enorm! Was Meyerbeer den Kehlen der Agierenden da zumutet, würde man heutzutage übergriffig nennen; wer das oft oder womöglich immer öfter sänge, könnte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ihre resp. seine Stimme baldigst ruiniert wäre. Nichtsdestotrotz schlugen sich der koloraturgeübte und in seiner überspitzten Grellheit höhensichere Enea Scala (als Raoul) sowie seine Kolleginnen Lenneke Ruiten (als Marguerite), Karine Deshayes (als Valentine) und Ambroisine Bré (als Page) tapfer und begeisterten ihrer Stimmbänderakrobatik wegen das mit ihnen mitfühlende und sympathisierende Brüsseler Publikum.

Der exklusiv für seine Donizetti- und Bellini-Expertise international gefragte und geschätzte Evelino Pidò dirigierte mit gelassenster Emphase; die ihm anvertrauten Orchestre Symphonique et Choeurs de La Monnaie folgten den Fingerzeigen ihres Maestros hochprofessionell und ohne jede Störanfälligkeit.

Ein eigentlich doch ziemlich anstrengender Abend - halt mehr kurz- als langweilig, wie schon gesagt. Freilich mit wenig emotionalem Tiefgang; doch das lag und liegt wohl mehr am Stück.



Meyerbeers Les Huguenots an La Monnaie in Brüssel | (C) Baus

Andre Sokolowski - 21. Juni 2022
ID 13681
LES HUGUENOTS (La Monnaie, 18.06.2022)
Musikalische Leitung: Evelino Pidò
Inszenierung: Olivier Py
Choreografie: Daniel Izzo
Bühne und Kostüme: Pierre-André Weitz
Licht: Bertrand Killy
Choreinstudierung: Emmanuel Trenque
Besetzung:
Marguerite de Valois ... Lenneke Ruiten
Valentine ... Karine Deshayes
Urbain ... Ambroisine Bré
Raoul de Nangis ... Enea Scala
Comte de Saint-Bris ... Nicolas Cavallier
Comte de Nevers ... Vittorio Prato
De Retz ... Yoann Dubruque
Marcel ... Alexander Vinogradov
Cossé ... Pierre Derhet
Tavannes ... Valentin Thill
Thoré ... Patrick Bolleire
Méru ... Jean-Luc Ballestra
Dame d’honneur ... Blandine Coulon
Bohémienne ... Fiorella Hincapie
Une coryphée & Bohémienne ... Margaux de Vlensart
Maurevert & 3e moine ... Luca dall'Amico
Bois-Rosé & 1er moine ... Maxime Melnik
Un moine ... Emmanuel Junk
Un valet ... Alain-Pierre Wingelinckx
Deux jeunes filles catholiques ... Alessia Thais Berardi und Marta Beretta
Un archer du guet ... René Laryeau
Un étudiant catholique ... Alain-Pierre Wingelinckx
Trois coryphées ... Alain-Pierre Wingelinckx, Pascal Macou und Emmanuel Junk
Orchestre Symphonique et Choeurs de La Monnaie
Académie des Choeurs de La Monnaie
Premiere war am 13. Juni 2011.
Wiederaufnahme an La Monnaie: 15. Juni 2022
Weitere Termine: 21., 23., 26., 29.06. / 02.07.2022
Koproduktion mit der Opéra national du Rhin


Weitere Infos siehe auch: https://www.lamonnaiedemunt.be/


https://www.andre-sokolowski.de

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