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Konzertkritik

Petrenko und sein Faible

für den Suk

LEBENSREIFE mit den Berliner Philharmonikern

Bewertung:    



Die Klangkörper, denen Kirill Petrenko bis dahin als Chefdirigent vorstand, wussten und wissen es, dass er ein Faible für den tschechischen Komponisten Josef Suk (1874-1934) hat - und so veröffentlichten die Musikerinnen und Musiker des Orchesters der Komischen Oper Berlin unter seiner Leitung zwischen 2002 und 2006 eine CD-Box mit fünf ausgewählten Großwerken von Dvořáks einstigem Schwiegersohn, darunter selbstverständlich auch die autobiografisch anmutende Asrael-Sinfonie, die er dann später ebenso mit "seinen" Leuten in München und (zuletzt 2018) mit "seinen" Berliner Philharmonikern darbot. Und wenn man sich vor Augen führt, allein wie viele Tondichtungen Suk dann noch so alles hinterließ, kann sicher davon ausgegangen werden, dass Petrenko in der Zukunft viel, viel Weiteres vom guten alten Suk für uns entdecken wird.

Gestern ergänzte er die Reihe mit der Zrání (Lebensreife) op. 34, einer sinfonischen Dichtung für großes Orchester und Frauenchor:



"Suks Tondichtung beschreibt den Rückblick eines reifen Künstlers über sein vergangenes Leben. Zu Beginn ruft er die Freuden der Jugend in Erinnerung; dem folgt die Trauer über den Tod geliebter Mitmenschen, ein Kampf gegen das Schicksal, und abschließend Versöhnung und Triumph. Die vier Teile des Werkes entsprechen also den traditionellen 'vier Menschenaltern' – Kindheit, Jugend, Reife und Greisenalter.

[...]

In der Harmonik erweist sich in Zrání großer Einfluß durch den musikalischen Impressionismus. Seine einsätzige Anlage bewegt sich allerdings im Rahmen der Vorgaben durch Liszt und Strauss. Suk beschäftigt ein Orchester ‘Mahlerischer’ Ausmaße: dreifache Holzbläser, sechs Hörner, drei Trompeten, sechs Fern-Trompeten, drei Posaunen, Kontrabaßtuba, vielfaches Schlagzeug, zwei Harfen, Glockenspiel, Celesta, Klavier je 16 Violinen, 14 Bratschen, 12 Celli, 10 Bässe und einen vokalisierenden Frauenchor, der aber wie in den Nocturnes von Claude Debussy allein im besinnlichen Schluß des Werkes auftritt – vielleicht eine Allusion an das ‘Ewig-Weibliche’, jedoch wohl natürlich nicht Gretchen aus Goethes Faust, sondern die geliebte Otylka des Komponisten."

(Quelle: Antonín Sova in repertoire-explorer.musikmph.de)


Mir Ersthörer wäre es sicherlich - bei Unkenntnis des Vorstehenden - schwer gefallen, die von Suk behandelten "vier Menschenalter" auseinanderhalten zu können. Zu unverbindlich schien das eine in dem andern über- oder aufzugehen, was dann freilich nicht an der hochexpressiven Darreichung durch die Berliner Philharmoniker (traumschöne Geigensoli mit Noah Benedix-Balgley!) lag. Das allles drückt sich irgendwie und irgendwo/ -wohin im kittlos Rauschartigen aus, es fehl'n Zäsuren, die mir das Geschehen (und mich selbst beim Hören) hätten ordnen oder strukturieren können. Letztlich war ich lediglich beeindruckt von dem Allen, trotz dass ich nicht richtig wusste oder nicht so recht zu wissen glaubte, was ich eigentlich da hörte. Eigenartig diese Resonanz.

Petrenko jedenfalls - das ließ sich bei seiner Verbeugung nach dem Schlussakkord eindeutig konstatieren - war emotional in größter Anspannung; der Suk macht ihm wohl in der Tat sehr, sehr zu schaffen.


*

Davor schien Pianist Sir András Schiff bei seiner Interpretation des zweiten Brahms-Klavierkonzerts dem Altersweisheitlichen seines Vortrags eine hochvorzügliche Bedeutung beizumessen, und obgleich er doch erst 68 (und nicht etwa 86) ist. Ja und ich kann mich nicht entsinnen, dieses Opus jemals derart breit und also ausgewalzt erlebt zu haben wie an diesem Abend; bloß nicht keine Note unterschlagen, alles soll und muss verdeutlicht sein.

Seine Begleitung ging auf seine Intentionen vorbehaltlos ein, bewundernswert (wie eh und je) das zauberhafte, aber nicht ganz ungefährliche Horn-Auftaktsolo mit dem unvergleichlich guten Stefan Dohr, und die an Klangschönheit ganz gnadenlose Cello-Melodie im 3. Satz kam mit Bruno Delepelaire geradezu verführerisch herüber!!



Die Berliner Philharmoniker (Dirigent: Kirill Petrenko) musizierten Lebensreife von Josef Suk
am 10. Februar 2022 | Foto (C) Stephan Rabold

Andre Sokolowski - 11. Februar 2022
ID 13452
BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie Berlin, 10.02.2022)
Johannes Brahms: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 83
Josef Suk: Lebensreife, Symphonische Dichtung für großes Orchester und Frauenchor op. 34
Sir András Schiff, Klavier
Damen des Rundfunkchors Berlin
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Kirill Petrenko


Weitere Infos siehe auch: https://www.berliner-philharmoniker.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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