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Konzertkritik

Über

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Kirill Petrenko (als Dirigent) und Daniel Barenboim (als Pianist) nach ihrem ersten gemeinsamen Konzert mit Beethovens drittem Klavierkonzert bei den Berliner Philharmonikern am 9. Januar 2020 | Foto (C) Stephan Rabold

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Spektakulär und interessant sollte es bei den Berliner Philharmonikern gestern Abend - und zwar in zweierlei Hinsicht - zugehen; zum Einen war es das erste offizielle Aufeinandertreffen von Kirill Petrenko (als Dirigent) und Daniel Barenboim (als Pianist) mit Beethovens drittem Klavierkonzert, und zum Anderen die noch viel spektakulärere und interessantere Darreichung der Asrael-Sinfonie des tschechischen Komponisten Josef Suk (1874-1935); und insbesondere für Suk setzt sich Petrenko, nicht erst seit er hier der neue Chef ist, leidenschaftlich ein, weil er ihn "nicht nur für einen der bedeutendsten tschechischen, sondern überhaupt für einen der wahrhaft großen spätromantischen Komponisten" hält.

Also, wie war es?

Barenboim - was nicht verwunderte - diktierte dem Orchester seine doch mehr altbackene Auffassung von Beethoven; wir (seine treuen Hörer) und natürlich auch die Philharmoniker, bei denen er dank seines über 50jährigen Zusammenspiels mit ihnen letztes Jahr zum Ehrendirigent ernannt wurde, sind hinlänglich mit ihr vertraut, von daher überraschte wenig, um nicht gar zu sagen: nichts. Die Tempi der drei Sätze nimmt er breit und redundiert nach Lust und Laune - dass "sein" Largo (2. Satz) geradezu impressionistisch aufgeladen wirkt, hat wiederum eine gewisse Nähe zu den Langsamsätzen "seiner" 32 Beethoven-Klaviersonaten, die er momentan im Pierre Boulez Saal absolviert und ebenso einem, vielmehr dann "seinem" freigestalterischen Ambitionismus unterwirft; das klingt auch gar nicht mal so schlecht, hat aber kaum noch was mit einem aufführungspraktischen Historisch-Informiertsein irgendwie zu tun. / Petrenko, der ja nun erwies'ner Maßen einen völlig andern Ansatz für den Bonner pflegt, ließ sich bereitwillig auf Alles ein und setzte dennoch punktuell ein paar Akzente, dass man das Orchester "etwas anders atmen" hörte als den reifen Rauch aus Richtung Steinway; nach der Darbietung gab es frenetischst Jubel und auch herzige Umarmungen. Vom menschlichen Aspekt her stimmte die Chemie zwischen den Beiden. Schon mal gut.

*

Suks über einstündiger Asrael (den hiermit gemeinten "Todesengel" gibt es in jüdischer wie in arabischer Überlieferung) ist eine Trauerarbeit auf die zwei Tode Anton Dvořáks sowie dessen 27jähriger Tochter Ottilie, mit der Suk verheiratet gewesen war. Der Zugang zu dem düster klingenden und überaus komplexen Werk erfolgt nicht ohne Weiteres, strengt ziemlich an, macht hie und da besonders müde; und wahrscheinlich müsste man von vornherein besonders scheiße drauf sein, um dem unentrinnbar Depressiven der zweiteiligen Komposition eine gewisse "Lust" beim Hören und beim hörenden Verstehen abzuwringen - ich z.B. ziehe mir (so zum Vergleich) dann immer, wenn ich meine, dass es mir "rein seelisch" schlecht geht und ich daher etwas "seelisch" mich Begradigendes bräuchte, Wagners dritten Akt aus Tristan rein; das hilft. Der Suk'sche Asrael dauert im Übrigen genauso lang, in etwa jedenfalls...

Ereignisreicher Abend.




Josef Suk (1874-1935) | Bildquelle: Online Anthologie Tschechische Musik

Andre Sokolowski - 10. Januar 2020
ID 11923
BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie Berlin, 09.01.2020)
Ludwig van Beethoven: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 37
Josef Suk: Symphonie c-Moll op. 27, Asrael
Daniel Barenboim, Klavier
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Kirill Petrenko


Weitere Infos siehe auch: https://www.berliner-philharmoniker.de/


http://www.andre-sokolowski.de

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