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Krimi

Schwein gehabt

auf der

Schnitzel-

jagd





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Die Bretagne-Bestseller um den ermittelnden Kommissar Georges Dupin sind scheinbar nichts für Vegetarier oder Muslime, wie der neueste Krimi der Reihe vermuten lässt. Dupins Standardsandwitsch enthält „besonders viel“ Schweinepaté (S. 212). Auch seine Sekretärin Nolwenn hat bereits „ein ganzes Schwein gegessen“ (S. 134), wenn sie mit dem Fall vertraut gemacht wird. Nolwenn verkündet irgendwann ihrem geneigten Chef sogar, dass auch beim Abschluss der Ermittlungen „ein ganzes großes Schwein!“ (S. 226) als eine Art Siegerprämie winke. Immer wieder läuft Dupin das Wasser im Munde zusammen. Im Romanverlauf werden auch ein Speckquiche, bretonische Wurst, Hummer und Krebsfleisch und allerlei wohlschmeckende Fische von stattlichen Grillständen verspeist.

Kein Wunder, ein Großteil des Kriminalfalles in Bretonisches Vermächtnis spielt in Dupins Lieblingsrestaurant, dem L’Amiral, in dessen Hinterhof dieses Mal der angesehene Arzt Docteur Pierre Chaboseau in den Tod stürzt. Wer könnte es auf den umtriebigen Kardiologen und wohlhabenden Kunstsammler abgesehen haben? Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren. Dupin ermittelt erstmals in seiner neuen Wahlheimat, dem Fischerörtchen Concarneau, und kann so auf einige redefreudige Bekannte zurückgreifen. Binnen kurzem findet er heraus, dass Chaboseau zusammen mit zwei geschäftstüchtigen Freunden auch in bretonische Brauereien, Fischkonserven-Fabriken und in den Bau von Luxusyachten investierte. Schon bald gibt es einen Anschlag und einen weiteren Toten.

Wie in den Vorgängerkrimis Bretonische Geheimnisse (2018), Bretonisches Leuchten (2017), Bretonische Flut (2016), Bretonischer Stolz (2015), Bretonisches Gold (2014) und Bretonische Brandung (2013) zeichnet der Autor mit dem sprechenden Pseudonym findige Nachforschungen in ungewöhnlichen Arbeitsmilieus in unmittelbarer Küstennähe. Anschaulich werden etwa Dupins Eindrücke von einer Schiffswerft wiedergegeben, wenn er die Arbeiten im Innenhof durch ein Fenster betrachtet:


„Es gab den Blick frei auf das wuselige Werftgelände, eine eigentümliche Welt, vor allem eine Welt Dutzender sich überlagernder Lärmarten: Hämmern, Schweißen, Schleifen, die Geräusche der Hochdruckreiniger auf Metall, bisweilen verstärkt durch die gewaltigen Resonanzkörper der Schiffe, an denen die meisten Arbeiten stattfanden; ein Zischen, Piepsen, Quietschen, alles unglaublich laut, vor allem, wenn große Metallteile gegeneinanderstießen, man dachte unwillkürlich an dumpfe Glockenschläge. Dupin sah auf einen imposanten Funkenflug, der beim Schleifen eines langen Metallträgers hinter dem Haus entstand. Ein chemischer Geruch hing in der Luft.“ (S. 161)



Weniger interessant sind da atmosphärisch dichte und detailreiche Zeichnungen von Landschaften, Gemälden oder lukullischen Genüssen vor Ort, die die Romanhandlung nicht sonderlich vorantreiben. Bilderbuchstrände, pittoreske Szenerien, majestätische Buchten und versteckte Kleinode, phänomenale Blicke, spektakuläre Farbspiele von Sonnenuntergängen überm Meer voll sphärischen Schimmerns werden wiederholt en detail beschrieben. Sämtliche Sinneseindrücke werden in Worte gefasst. Der genossene Wein schmeckt kräftig und samtig; die frische Brise belebt. Dupin erweist sich wie in den Vorgängerbänden als ein Spürhund, der mit allen Sinnen auch das Dasein genießt. So weiß er auch zu belehren, dass das Leben stets anders spielt, als etwa im Kriminalroman:


„Kriminalfälle waren in vielerlei Hinsicht eine verrückte Angelegenheit: Manchmal existierte schon ganz zu Beginn der Ermittlung der eine Hinweis, welcher der Schlüssel zu allem war. Die Lösung lag schon im ersten Moment vor aller Augen, unter Umständen geradezu grotesk offen, da. Dummerweise zumeist erst in der Rückschau ersichtlich – aber eben nicht immer. Manchmal wiederum gab es lange Zeit überhaupt keinen einzigen Hinweis. Es war, anders als in Kriminalromanen, die reine Willkür.“ (S. 69)


Nichtsdestotrotz spielt in Bretonisches Vermächtnis auch ein Krimi eine prominente Rolle. So ist Bannalecs jüngster Roman aufgrund brisanter Parallelen zudem eine Hommage an Le chien jaune (1931) aus der Maigret-Reihe des Belgiers Georges Simenons. Maigret und der gelbe Hund - so der Titel der deutschen Ausgabe - spielt ebenfalls in der Kleinstadt Concarneau und nimmt hier im L’Amiral seinen Anfang. Bannalec dankt übrigens Goerges Simenons Sohn John auf den letzten Seiten für seine Unterstützung des Romans. Immerhin, die komplexen Verstrickungen um Geld, Gier, Machthunger, Rache und Vergeltung lassen im jüngsten Dupin-Fall trotz ungezählter Gaumen- und Sinnesfreuden und ebenso lustvoller Verweise auf altbekannte Schmankerl aus den Vorgänger-Krimis stets aufs Neue mitfiebern.


Ansgar Skoda - 16. August 2019 (2)
ID 11621
Verlagslink zum Krimi Bretonisches Vermächtnis


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