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Krimi

Ruhelos

im Urlaub



Bewertung:    



„Intuitiv griff er an seine rechte Hüfte. Umsonst. Er war im Urlaub. Ohne Dienstwaffe.“ (Jean-Luc Bannalec, Bretonisches Leuchten, S. 198)

*

Kommissar Georges Dupin wird von seinem Kommissariat Urlaub verordnet. Bei der französischen Inselgruppe Sept Îles soll er mit seiner Freundin Claire die Ruhe am Meer genießen. Doch die Selbstbeherrschung fällt ihm schwer. Er meint schon bald mysteriöse Vorkommnisse bei anderen Badegästen zu beobachten. Tatsächlich verschwindet eine Besucherin des Hotels, in dem Dupin und Claire residieren. Eine Leiche wird gefunden.

Der neue Bretagne-Krimi vom Autor mit dem sprechenden Pseudonym Jean Luc-Bannalec ist wesentlich dünner als der Vorgängerroman (Bretonische Flut, 2016) . Bretonisches Leuchten gewinnt durch die ungewöhnliche Ausgangslage, dass Dupin eigentlich nicht ermitteln darf, an Nervenkitzel:


„Dupin wäre fast »Ich bin in ein paar Minuten da« herausgerutscht. In solchen Momenten war die Ermittlungslage restlos deprimierend. Er konnte nichts tun. Bloß indirekt agieren.“ (S. 132)


Die Handlung scheint kondensierter als im Vorgängerkrimi. Nur anfangs gehen Dupin die teils noch ungelösten Verwicklungen von damals gedanklich noch nach:


„Er würde sich nicht damit beschäftigen. Nicht mit abhandengekommenen sehr alten Gegenständen, zudem auch noch aus Kirchen. Genau darum war es in seinem letzten großen Fall gegangen, der ihm bis heute sonderbar nachhing. Wie ein dunkler mysteriöser Schatten. So viel war ungelöst geblieben.“ (S. 18)


Liebhaber von Dupins stets ergiebigen Sinneseindrücken in der Natur kommen wieder voll auf ihre Kosten:


„Eine kleine, sichelförmige Bucht innerhalb der großen. Weißer, nur ganz leicht rosa gefärbter Sand, der nach vierzig, fünfzig Metern in nassen Meeresboden überging, einzelne pinke, gelbe, weiße Bojen. Wirkungsvoll verstreute rosa Felsmassen in allen erdenklichen Formen und Größen im während der Ebbe so zartblauen Wasser. Was das Panorama darüber hinaus so außerordentlich pittoresk machte: Die Bucht war von wilden Landvorsprüngen eingerahmt, die sich an beiden Seiten sanft absenkten, so als hätte man die Bucht auf die schönstmögliche Weise einfassen wollen. Einzelne mächtige, zerzauste Pinien und Kiefern waren auf den Vorsprüngen perfekt platziert. Genau in der Mitte, auch das ein meisterliches landschaftliches Arrangement: die Île de Costaérès. Möwen, die effektvoll unter einem makellosen blauen Himmel kreisten.“ (S. 146-147)


Auch kulinarisch weidet sich Dupin wieder an den Genüssen, beispielsweise dann, wenn er in seinen Kaffee ein Schokobrötchen tunkt:


„Die Vermengung von Kaffee, Milch, dem weichen, buttrigen Teich und der dunklen Schokolade waren himmlisch.“ (S. 226)


Dupin eilt sein Ruf mal wieder voraus. Er wird von verschiedenen Bewohnern des beschaulichen Ferienortes nach allen Regeln der Kunst unterstützt und begegnet eindrucksvollen Menschen und Tieren. Auch alte Bekannte tauchen wieder auf, wie zwei Ornithologen, die ihm schon bei seinem „Salz-Fall“ begleitet und zugetextet hatten (S. 206). Es gibt diesmal als motivisch wiederkehrendes und einigermaßen skurriles Einsprengsel „Bist du ein Bretone?“-Selbsttest-Fragen, die Dupin aufmerksam in der Zeitung verfolgt (u.a. S. 227). Insgesamt also erneut ein mäßig unterhaltsamer Kriminalfall. Der Lektüre kann man auch unterwegs am Wasser uneingeschränkt genussvoll frönen:


„Er lief über den Strand. Das war eine Ermittlung ganz nach seinem Geschmack, draußen, an Ort und Stelle, bei den Menschen, in der Natur.“ (S. 245)
Ansgar Skoda - 29. Juli 2017 (2)
ID 10167
Jean-Luc Bannalec | Bretonisches Leuchten
320 S., Klappenbroschur
EUR 14,99
Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2017
ISBN 978-3-462-05056-4

Weitere Infos siehe auch: http://www.kiwi-verlag.de/buch/bretonisches-leuchten/978-3-462-05056-1/


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