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Kindertheater

Schnellkurs in

griechischer Antike

und Schöpfungs-

mythologie


GÖTTER. WIE DIE WELT ENTSTAND von subbotnik


Foto (C) Leonie Paschke

Bewertung:    



Am Anfang ist nicht sehr viel mehr als eine Glühbirne, die von oben herabhängt, und ein Junge, der davon erzählt, wie alles begann. Vielleicht mit einem Urknall, mit einem Loch, das sich erst ausdehnt und dann wieder zusammenzieht, wirkungsvoll akustisch untermalt von einem geloopten Geräusch und jeder Menge Nebel. Doch gut, dass sich die Tür öffnen lässt, so entgehen die Zuschauer im Freien Werkstatt Theater in Köln weiteren Hustattacken.

Keines geringeren Themas als der Entstehung der Welt hat sich das Künstlerkollektiv subbotnik, bestehend aus Kornelius Heidebrecht, Martin Kloepfer und Oleg Zhukov, an diesem Abend angenommen. Das Ganze dazu noch für Kinder ab 10 Jahren, als Musiktheater und in knapp 75 Minuten. Sehr kenntnisreich, aber niemals didaktisch vollzieht sich dieser Parforce-Ritt durch die Entstehung der Welt nach Lesart der griechischen Antike. Auch der Humor kommt nicht zu kurz – siehe die geöffnete Tür gleich zu Beginn oder Posaunist Henning Nierstenhöfer, der der mächtigen Göttin Gaia eher ruppig den Herrschermantel abnimmt und selbstbewusst als neuer Herrscher neben ihr steht – nur leider um einiges kleiner, da sie auf einer Art Kothurn steht.

Wie so häufig in Schöpfungsmythen beginnt alles mit einer Vielzahl von Kindern, in diesem Fall der Göttin Gaia und ihres Gatten. Und da dieser, wie so viele Herrscher, Angst um seine Macht hat, lässt er die Kinder in der hintersten Ecke der Hölle verstecken. Im FWT ist dies die hinterste Ecke der Bühne, in der die leeren Wasserflaschen, die die Titanen darstellen, dann auch in einem blauen Müllsack ihren Platz finden. Nur der Titan Kronos entkommt dieser Maßnahme, ermordet den Vater, zeugt selbst Kinder, gerät aber in dieselbe Gedankenfalle und verspeist sie. Das macht Kornelius Heidebrecht im Zusammenspiel mit Nadja Duesterberg sprichwörtlich und verschluckt Süßigkeiten, die er nachher, wenn er von seinem Sohn Zeus zu einem epischen Zweikampf gefordert wird, wieder ausspuckt. Die Welt wird aufgeteilt zwischen den drei Brüdern Zeus, Hades und Poseidon, und irgendwann wachsen auf der Erde Blumen und Bäume, es gibt sogar einen blauen Himmel.

Mit Harmonie ist es dann in diesem neu geschaffenen Konstrukt aber nicht weit her. Zunächst will Zeus (Oleg Zhukov), dass die Erde bevölkert wird, damit er unterhalten wird, dann sind ihm aber die Ameisen, das Lieblingsprojekt seines Cousins Prometheus, zu langweilig. Gesagt, getan: Der Mensch wird erschaffen (ein bisschen lebensunfähig zunächst, aber das wird ja noch werden) und erhält von Prometheus die Gabe, Feuer zu machen. Das war bisher aber ausschließliches Privileg der Götter, die in Gestalt von Zeus protestieren und die Büchse der Pandora auf die Welt loslassen. „Ja, was denn nun?“, möchte man da fragen. Ganz schön wankelmütig, diese Götter – und damit auch ziemlich menschlich.

Götter. Wie die Welt entstand kommt leicht und verspielt daher, mit dem Charme des Unfertigen – was dem Unterhaltungswert der Aufführung aber keinen Abbruch tut. Mit einfachsten Mittel und einer Vielzahl von Ideen zünden die drei von subbotnik und die weiteren Darsteller und Musiker ein wahres Feuerwerk auf der Bühne ab. Manches ist absurd bis sinnfrei, etwa Heidebrechts Auftritt als Echo. Manches dicht und gut komponiert – wie die Szene, in der Martin Kloepfer als Prometheus aus Ton erst die Tiere und dann den Menschen erschafft. Hier ist vor allem die Hingabe erwähnenswert, mit der er sich dann anschließend um diese schutzlosen Wesen kümmert (dargestellt von einem Laienchor aus Menschen unterschiedlichen Alters) und ihnen das Sprechen beibringt. Unterweltgott Hades tritt mit einer Hasenmaske auf (was natürlich in Sachen Ikonographie auf der Bühne bzw. in der Kunst ein sehr weites Feld eröffnet) und erkennt irgendwann, dass er bei der Aufteilung der neuen Welt übers Ohr gehauen wurde. Prompt fordert er Zeus’ Tochter Kore als Ehefrau. Düster sind diese Szenen und zeugen davon, dass auch die Götterwelt sich zu einer Soap Opera mit Herzschmerz und Eifersucht eignet – aber das wussten bereits die Griechen.

Götter. Wie die Welt entstand ist gut recherchiert und zeugt von einigem Wissen der griechischen Mythologie, aber im Mittelpunkt steht der Spaß, gerade weil nicht alles perfekt gelingt. Den anwesenden Kindern hat es jedenfalls gefallen. Etwas unvermittelt geht die Aufführung dann zu Ende. Gerne hätte man subbotnik noch ein wenig länger dabei zugesehen, wie sie die Entstehung der Welt erklären, dieses Mal vielleicht aus christlicher Sicht.



Götter. Wie die Welt entstand | Foto (C) Leonie Paschke

Karoline Bendig - 11. November 2016
ID 9680
GÖTTER. WIE DIE WELT ENTSTAND (FWT Köln, 10.11.2016)
Inszenierung, Spiel und Musik: subbotnik (Kornelius Heidebrecht, Martin Kloepfer und Oleg Zhukov)
Spiel: Nadja Duesterberg
Harfe: Esra Mutlu
Posaune und Schlagzeug: Henning Nierstenhöfer
Chor: Ursula Burg, Brigitte Hofmann, Thuy-Tien Nguyen, Gabriel Rodriguez, Angelina Trichilo, Gundula Völker, Ari von Angern und Patricia Wolf
Uraufführung war am 10. November 2016.
Weitere Termine: 12. 11. 2016 / 18. - 20. 2. 2017 sowie weitere Vorstellungen in den Koproduktionshäusern
Eine Stückentwicklung von subbotnik in Koproduktion mit FFT Düsseldorf, Theater an der Ruhr Mülheim und Freies Werkstatt Theater Köln


Weitere Infos siehe auch: http://fwt-koeln.de


Post an Karoline Bendig



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