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Festival

RUSSISCHER

THEATERFRÜHLING

2016 in Berlin

Teil 2


Bewertung:    



Auch ganz neue Locations kann man beim diesjährigen RUSSISCHEN THEATEFRÜHLING im Berliner Herbst kennenlernen. So lädt das Kühlhaus am Gleisdreieck zur Theaterpremiere auf eine Baustelle in ein Gebäude in der Luckenwalder Straße gleich neben der Station Berlin, die sonst die abc-Kunstmesse der Berlin Art Week beheimatet. Mit einem Aufzug geht es in den 5. Stock, wo das Meyerhold-Zentrum Moskau mit dem 2015 entstandenen Stück Sascha, bring den Müll raus gastiert. Und damit ist nicht etwa der Baustellendreck der ansonsten recht blank gefegten Fabriketage gemeint.

Das Stück entstand in einer Zusammenarbeit der bekannten ukrainischen Autorin Natalija Woroschbit mit dem russischen Regisseurs Wiktor Ryschakow. Es liegt auch bereits in deutscher Übersetzung vor und wurde im Mai 2016 beim Festival „Wilder Osten" mit dem Themenschwerpunkt „Ereignis Ukraine“ im Theater Magdeburg szenisch gelesen. Eine Möglichkeit des Nachspielens auf deutschsprachigen Theaterbühnen bestünde also. Die russische Erstaufführung des Moskauer Meyerhold-Zentrums vermittelt da als ziemlich gelungene Inszenierung einen recht guten Eindruck.

Sascha (Alexander Userdin) ist ein Oberst der ukrainischen Armee und stirbt zu Beginn des Stücks ganz unheldisch an einem Herzanfall im heimischen Bad. Seine Frau Katja (Swetlana Iwanowa-Sergeewa) und die hochschwangere Tochter Oksana (Inna Suchoretskaja) sitzen in der Küche, trauern über den Verlust und erinnern sich jede auf ihre Weise an den geliebten Mann oder Vater, der die Stieftochter wegen ihres freien Lebenswandels auch mal gegen die Verwandtschaft verteidigt hat. Beide verklären ihr Bild von Sascha und bitten ihn, er möge doch zu ihnen zurückkehren, was dieser aber, außerhalb der Szene hinter der Zuschauertribüne stehend, verneint.

Sehr sparsam ist das Setting mit zwei Stühlen an einer kahlen Klinkerwand, an die das gezeichnete Kücheninventar mit einem Videobeamer geworfen wird. Das wechselt dann nach einem Jahr, wenn Mutter und Tochter auf dem Friedhof vor dem Grab Saschas weiter in Erinnerungen schwelgen und ihn in einem Fremden zu erkennen glauben. Tatsächlich erscheint Sascha dann aber mit Beginn der Mobilmachung wegen des Kriegsausbruchs in der Ostukraine und kehrt plötzlich den Helden und Beschützer des Vaterlands, der sich ans seinen Eid gebunden fühlt, heraus. Nur wollen ihn die Frauen nicht verabschieden, um ihn dann wieder an den Tod zu verlieren. Die Frauen verweigern sich dem aufopferndem Heldentum, und leben einfach ihr Leben ohne den Mann weiter.

So sparsam das parabelhafte Stück in seinem mal erzählenden, mal dialogisch angelegten Text ist, so feinfühlig nähert sich die Inszenierung auch den drei Charakteren. Die Familie als kleinste Zelle der Menschlichkeit und des Strebens nach Glück, aber auch anfällig für Patriotismus und Fanatismus, in die der Krieg einen Keil treibt. Zum Schluss erklingt dazu der Scorpions-Hit Wind Of Change, einst das Lied des Liebespaars Sascha und Katja, die sich damit an einen gemeinsamen Sommer auf der Krim erinnert. Einerseits Ausdruck persönlichen Glücks und Zeichen für grenzenlose Freiheit (die Berliner Mauer fällt im Hintergrund), andererseits aber auch eine Hymne der Zeitenwende am Beginn des Zerfalls der Sowjetunion, an deren Erbe man nun in Russland und der Ukraine trägt.



Sascha, bring den Müll raus | (C) Meyerhold-Zentrum

Stefan Bock - 5. November 2016
ID 9665
SASCHA, BRING DEN MÜLL RAUS (Kühlhaus, 03.11.2016)
Text und Dramaturgie: Natalja Woroschbit
Regie: Wiktor Ryschakow
Ausstattung: Olga Nikitina
Mit: Swetlana Iwanowa-Sergeewa, Inna Suchoretskaja und Alexander Userdin
Meyerhold-Zentrum Moskau, 2015

Weitere Infos siehe auch: https://www.facebook.com/Theaterfruehling/


Post an Stefan Bock

blog.theater-nachtgedanken.de

RUSSISCHER THEATERFRÜHLING in Berlin (1)



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