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Premierenkritik

Ein klassischer Nathan – und doch ganz modern



Bewertung:    



Mit der Inszenierung von Nathan der Weise am Ernst Deutsch Theater hat der Lessing’sche Nathan-Stoff zum zweiten Mal in dieser Saison in Hamburg prämiert. Die Inszenierung von Wolf-Dietrich Sprenger könnte freilich nicht weiter von der Inszenierung Leonie Böhms entfernt sein. Denn wo jene den Stoff so frei behandelt, dass dieser nur als Projektionsfläche für eine eigene erzählte Geschichte dient, hält sich Sprenger ziemlich genau an den Text. Damit – um doch wenigstens einen kleinen Vergleich zu ziehen – gleicht sie ein Manko der Produktion in der Gaußstraße aus: den nämlich, dass von der sprachlichen Schönheit des Lessing’schen Textes in Nathan die Weise so gar nichts mehr übrigbleibt.

Ein großes Lob muss zunächst einmal dem Bühnenbild gelten, das – schlicht und schön – dem Zuschauer, der das Stück nicht kennt, sogleich als Orientierungshilfe dient: Halbmond, Kreuz und Stern leuchten jeweils auf, wenn sich die Szene im jeweiligen religiösen Kontext abspielt. Sind mehrere Religionen beteiligt, leuchten dann auch entsprechend mehrere Symbole auf.

Klar und verständlich inszeniert, ist dieser Nathan gewiss kein großes Wagnis auf der Bühne. Dafür aber setzt sich diese Inszenierung intensiv und differenziert mit der von Lessing aufgeworfenen Problemstellung auseinander, die aktueller nicht sein könnte. Sie verzichtet dabei aber auf gewollte „Modernisierungen“ und triefende Moralisierung. Vor der Pause allerdings will das Geschehen nicht so recht in Schwung kommen – es lohnt sich jedoch zu bleiben- Nach der Pause kommt dann eine fulminante „2. Halbzeit“. Insofern: Sprengers Regie ist insgesamt eine würdige Nathan-Interpretation für unsere Welt.

Auch schauspielerisch überzeugt die Aufführung. Die Hauptfigur selbst (gespielt von Wolf-Dietrich Sprenger) kann man nicht anders als rundum gelungen nennen. Mohammad-Ali Behboudi als Sultan Saladin und Hartmut Schories als Patriarch von Jerusalem sind ihm rundum ebenbürtige Spielpartner. Auch Jonas Minthe als junger Tempelherr, der Recha aus den Flammen rettete, spielt seine Rolle facettenreich aus. Ganz besonderes Lob muss man aber Pascal Pawlowski als Klosterbruder aussprechen, dem es gelingt in diese sehr kleine Rolle viel Witz und Tiefsinn hineinzulegen. Dagegen fallen Karime Vakilzadeh (Sittah), Paula Bierend (Recha), Jessica Kosmalla (Daja) und auch Güter Schaupp (Derwisch) etwas ab – sie alle wirken relativ hölzern, in komischen Passagen eher albern als lustig. Überhaupt ist dies ein kleines Manko in dieser Inszenierung, dass neben reflektierende Passagen aus dem Nichts bisweilen überaus alberne, fast Slapstick-Einlagen folgen, die eigentlich in dem Kontext nicht recht passen und auch nicht wirklich komisch sind. Mag sein, dass dies dem Zweck dient, den denkungewohnten Teil des Publikums wieder aufzuwecken – es tut der gesamten Inszenierung aber leider etwas Abbruch.
Ann-Kristin Iwersen - 4. Oktober 2016
ID 9598
NATHAN DER WEISE (Ernst Deutsch Theater Hamburg, 29.09.2016)
Regie: Wolf-Dietrich Sprenger
Ausstattung: Achim Römer
Musik: Christoph Iacono
Mit: Mohammad-Ali Behboudi, Paula Bierend, Jessica Kosmalla, Jonas Minthe, Pascal Pawlowski, Günter Schaupp, Hartmut Schories, Wolf-Dietrich Sprenger und Karime Vakilzadeh
Premiere war am 29. September 2016
Weitere Termine: 4. - 10., 13. - 15., 17. - 24., 25. - 30. 10. 2016


Weitere Infos siehe auch: http://www.ernst-deutsch-theater.de


Post an Dr. Ann-Kristin Iwersen



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