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Deutschsprachige Erstaufführung

3.31.93



Bewertung:    



Moritz Sostmann, der studierte Puppenspieler und Hausregisseur am Schauspiel Köln (s. beispielsweise Amerika oder Der Menschenfeind oder Und Pippa tanzt!), hat jetzt die deutschsprachige Erstaufführung des als Großstadtreigen kryptisch konzipierten Lars Norén-Stückes 3.31.93 szenisch betreut.

Beim Schnitzler sind es 10 Personen, von denen jeweils 2 - quasi aneinandergereiht (als Reigen) - Geschichten miteinander haben, und zwar je die Eine aus der Vorgeschichte mit der Anderen der Nachgeschichte; 10 Geschichten = 10 Dialoge = 10 Szenen; und am Ende schließt sich der Kreis, und letztlich geht es doch "nur" um die eine allumklammernde Gesamtgeschichte: Sex im Fin de siècle (Reigen wurde 1903 gedruckt!)

Norén erweist sich da bei einer Zahl von 25 handelnden Personen etwas unverbindlicher. Die lassen sich nicht einfach so, als gäbe es einen vereinnehmbaren Stückzusammenhang, disziplinieren oder bändigen, mit andern Worten: 25 sind bzw. scheinen - auch zum Zweck von 25 aufsagbaren Kurzviten aller Betroffenen - einfach zu viel.


"Mitten in Europa. Eine Stadt. Stein, Beton, Rigips, Asphalt, ausgebreitet und in die Höhe gezogen, Straßen, Schienen, Schneisen zwischen Bürogebäuden, Einkaufspassagen, Wohnblöcken. An den Rändern: Einfamilienhäuser, deren Fenster auf verkehrsberuhigte Spielstraßen und eine braungrüne Ackerlandschaft hinausgehen. Vor den Türen die Autos. Noch ist es kalt. Oder schon wieder. Wer keinen Grund hat zu gehen, bleibt, wo er ist. Sie sitzen hinter den Fassaden und warten, die Alten und die ganz Jungen, die ohne Aufgabe sind, ohne Arbeit und ohne Verabredung. Wann fängt das endlich an? Wann hat das bloß ein Ende? Wie konnte so viel Zeit vergehen?" (Quelle: schauspielkoeln.de)


Das [s.o.] bildet dann den atmosphärischen Rahmen. Bühnenbildner Christian Beck hat diesen mittels einer überlangen Esstafel mit überlangem Tischtuch in der Interimsspielstätte Depot 1 neutralisiert. Dahinter (meist im Dunkeln) stehen oder liegen die von Hagen Tilp gebauten Puppen und ein Cello - dieses wiederum, das Cello, ist als äußerliches Hauptindiz dafür signifikant, dass es dann in dem Stück, vermuten wir, wohl auch eine Geschichte, die mit einem Cello was zu tun hat, gibt; ja, in der Tat:

Nikolaus Benda verkörpert einen querschnittsgelähmten Cellisten und Katharina Schmalenberg die ihn dauerpflegende Gattin. Eine für uns Zuschauer sehr schreckliche, schockierende und selbstverständlich auch zu Herzen gehende Konstellation, wo zusätzlich auch noch der Vater des Betroffenen - die ihm bestimmte Puppe hat dann übrigens das Aussehen von Lars Norén! - zu einer beziehungsträchtigen Rolle kommt.

Dann nehmen wir auch Teil am Lebensende einer alkoholsüchtigen Mutterfrau, deren krächzende Puppenstimme Christian Pfütze spricht.

Und Thomas Müller spielt einen verlorenen Sohn, der einen ziemlich ausufernden und beeindruckenden Monolog (wahrscheinlich unter stark autobiografischem Aspekt vom Stückautor ausformuliert) zu absolvieren hat.

*

Die konsequent bestechende Regieästhetik Sostmanns:

Sehenswert!



Das ist der schwedische Schriftsteller Lars Norén (2007) | Bildquelle: Wikipedia

Andre Sokolowski - 14. November 2015
ID 8980
3.31.93 (Depot 1, 12.11.2015)
Deutsch von Maja Zade

Regie: Moritz Sostmann
Bühne: Christian Beck
Kostüme: Elke von Sivers
Puppen: Hagen Tilp
Musik: Nis Sogaard
Licht: Hartmut Litzinger
Dramaturgie: Nina Rühmeier
Mit: Mohamed Achour, Nikolaus Benda, Johannes Benecke, Steffi König, Thomas Müller, Christian Pfütze, Philipp Plessmann, Katharina Schmalenberg, Magda Lena Schlott und Nis Sogaard
Uraufführung im Stockholm Stadsteatern war am 23. August 2013
DSE am Schauspiel Köln: 12. November 2015
Weitere Termine: 18., 22., 29. 11. / 4., 13., 19., 30. 12. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.schauspielkoeln.de


http://www.andre-sokolowski.de

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