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Premierenkritik

Lustigsein

und Singen



Amphitryon am Berliner Ensemble - Foto (C) Lucie Jansch

Bewertung:    



In der Hauptstadt gibt es gute Boulevardtheater, und das Unterhaltende (im allgemeinen Umkehrschluss bedeutet das zumeist, dass Boulevardtheater Stücke FÜR das Publikum, so ganz in seinem Sinne, machen) hat hier einen hohen Rang; es wird durch sie/in ihnen außerordentlich professionell betrieben. Seit Claus Peymann am BE der Hausherr ist, zählte und zählt auch das Theater am Schiffbauerdamm zu diesen "angenehmen" Bühnen. Früher mal - falls sich noch wer daran erinnert - wurde (fast nur) Brecht von Brecht und andern linksgestrickten Querdenkern in Folge aufgeführt; das ist zwar immer noch, partiell, am Haus zu spüren, aber wirklich wichtig scheint das kaum noch wem zu sein.

Die immer wieder gleiche Malart Robert Wilsons, wenn er (fast) alljährlich seine individuell-texanischen Performances mit großartigem Aufwand am BE realisiert, könnte vielleicht als wirklich einziges und wahrlich nachprüfbares Stilmuster, das dem BE - bis heute - seine überregionale (Rest-)Bedeutung gab und sicherlich noch eine Weile gibt, herhalten.

Und ansonsten - wie schon angedeutet [s.o.] - wäre nicht viel Großes oder Weltbewegendes mehr vom BE nachzuvermelden.

* * *

Kleist-Stücke gingen und gehen immer ziemlich gut hier - Peter Steins Zerbrochner Krug (mit Klaus Maria Brandauer) zählt zu den echten Rennern der Berliner Bühnen insgesamt! Aber auch Anderes lief hier - - vor ungefähr vier Jahren gabs z.B. eine nette Aufführung vom Käthchen, wo die Schauspielerin Laura Tratnik jene Titelheldin war. Jetzt ist sie wieder Kleist-präsent und spielt Alkmene in der Kleist'schen Verwechslungskomödie um Amphitryon - - - doch halt; der Reihe nach:

Denn Katharina Thalbach (die Amphitryon jetzt inszenierte) traute irgendwie dem Kleist'schen Blankvers nicht, d.h. nicht vollständig geschweige konsequent, weswegen sie sich (eine Dichterwitwe darf das selbstverständlich!) eine eigene und für sie einzig-spielbare Privatfassung aus Texten Kleists, Molières und Plautus' (alles ausgewiesene Amphitryon-Stoff-Verarbeiter vergangener Jahrhunderte) zusammenschusterte und frei nach ihr verfuhr. Der "neue" Stücktext ist im (so wie immer aufwändig gestalteten und typografisch hochvorzüglich abgefassten und zum Preis von nur 4 Euro angebotenen) Programmheft des BE zu lesen; er sieht fast wie Kleist aus, ist es aber freilich nicht und sollte es ja auch nicht (also 100pro nicht) sein...

Griechische und/oder nichtgriechische Klänge - dargeboten von superben Profimusikern [Namen s.u.] - werden hie und da im Text, wo's passt, ergänzend eingeführt.

Dass Komödiantisches dann immer wieder schwer (am schwersten überhaupt) zu "machen" ist, braucht man der Regie-Rampensau und Ur-Ulknudel Thalbach keineswegs erklären - allerdings: dass alles Das natürlich nur dann "richtig" funktioniert, wenn man entsprechend' Personal zur Seite hat...

Nun ja, geschenkt.

Den Leuten müsste es dem Anschein nach gefallen haben, der Premierenbeifall jedenfalls war überschwänglich, froh und heiter-laut.

Na dann - ruhig weiter so!



Amphitryon am Berliner Ensemble - Foto (C) Lucie Jansch

Andre Sokolowski - 23. November 2014
ID 8271
AMPHITRYON (Berliner Ensemble, 22.11.2014)
Regie: Katharina Thalbach
Mitarbeit: Wenka von Mikulicz
Bühne: Momme Röhrbein
Kostüme: Angelika Rieck
Musik: Christoph Israel
Dramaturgie: Dietmar Böck
Mit: Anke Engelsmann, Laura Tratnik; Raphael Dwinger, Martin Schneider, Martin Seifert, Felix Tittel und Guntbert Warns sowie den Musikern Nasko Georgiev, Vladimir Karparov, Marc Alexej Papanastasiou und Thanasis Petsas
Premiere war am 22. November 2014
Weitere Termine: 23., 29. 11. / 1., 6., 19. 12. 2014 / 3., 4. 1. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-ensemble.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de




 

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