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Theaterkritik

Pferde-

getrappel



Heinrich von Kleist stammte aus einer preußisch-militärischen Familie. Seine Stücke drehen sich fast alle um das Thema. Auch im KÄTHCHEN, irgendwie, spukt dieses Säbelrasslerische mit. Hier ist sein Wappen resp. das von der Familie, nur mal nebenbei erwähnt, zu sehen.


Kleist ist nicht sehr alt geworden. Nicht mal 35. Schließlich knallte er am Kleinen Wannsee in Berlin erst Henriette Vogel (seine letzte Wegbegleiterin; sie hatte unheilbaren Krebs und wollte nicht mehr leben) und dann sich über den Haufen. Bums und Aus.

Davor hatte er ein beträchtlich anmutendes Werk - Dramatik, Prosa, Lyrik - angehäuft. Die meisten Stücke von ihm (seine Stücke sind das Beste, was er schuf) werden auch heute noch, das eine mehr, das andre weniger, gespielt. Sie haben Sprachgewalt und einen guten Bau.

Beim KÄTHCHEN uferten die Sprache und der Bau dann freilich etwas aus, weswegen es auch nicht sogleich den Weg ins Schauspielhaus geschafft hatte; die eine und die andre deutsche Bühne lehnten dankend ab - am Ende kam es erstmals am Theater an der Wien heraus. Ein Jahr vor seinem Tod war das.

Simone Blattner hat es jetzt für das BE extrem gerafft und eine schöne Spielfassung, die "nur" zwei Stunden (ohne Pause) dauert, hergestellt. Zwei Drittel Kleist'scher Textbrei sind da weggestrichen, und es blieb ein hübscher und fast nacherzählbarer Plot von dem Ganzen übrig: Jürgen Holtz, der Kaiser, hatte sich dereinst unter das Volk gemischt und Käthchens leibhaftige Mutter volkstümlich geschwängert. Axel Werner, der seit ca. 17 Jahren Käthchens Vater mimte, glaubte sich bis zu der (kaiserlichen) Aufklärung der wahren Kindsgeschichte als der Käthchen-Vater. Laura Tratnik war das alles bisher scheißegal; sie lebte und sie leibte - Käthchen, das sie nun mal war - Sabin Tambrea, diesen Friedrich Wetter Graf vom Strahl, wie eine Hündin hinterher; gelebte und geleibte Liebe... im Verständnis des Geliebten freilich, und bisher, als außerordentliche Penetranz. Und Ursula Höpfner-Tabori, die die Kunigunde ist, wollte dann eigentlich in Ruhe Hochzeit mit dem schönen Ritter, den sie eigentlich um sein Besitztum prellen wollte, machen; und das Käthchen stand ihr plötzlich überall im Weg - - weswegen sie es schlicht und schlechterdings vergiftete. Auch viele viele Ritter spielten bei dem Ritterschauspiel mit; ja und es trappelten die Pferde (wenigstens akustisch) ohne Unterlass durch das BE.

Die Bühne ist mit jede Menge Freitreppen und Sichtblenden rechts/links, also zum Auf- und Abgehen, gemacht gewesen. Auch den Schlossbrand hat man da sehr eindrucksvoll durch rotes Licht und weißen Nebel nachvollziehen können; die Kostüme schwarz und heutig, also sehr "modern". Ja, Alain Rappaport & Sabin Fleck hatten hier ihre kreativen Zaubermützen auf.

Viel altes Publikum. Und blutdruckschonende Begeisterung.

Das KÄTHCHEN glaubt(e) halt an große Liebe - dieses war und ist die allerschönste Hauptbotschaft in diesem zeitlosen uralten Stück.


Andre Sokolowski - 22. März 2010
ID 4584
DAS KÄTHCHEN VON HEILBRONN (Berliner Ensemble, 21.03.2010
Inszenierung: Simone Blattner
Bühne: Alain Rappaport
Kostüme: Sabin Fleck
Personen und ihre Darsteller:
Der Kaiser ... Jürgen Holtz
Friedrich Wetter, Graf vom Strahl ... Sabin Tambrea
Gräfin Helena, seine Mutter ... Anke Engelsmann
Ritter Flammberg, des Grafen Vasall ... Dejan Bucin
Gottschalk, sein Knecht ... Christopher Nell
Brigitte, Haushälterin im gräflichen Schloss ... Ruth Glöss
Kunigunde von Thurneck ... Ursula Höpfner-Tabori
Rosalie, ihre Kammerzofe ... Judith Strößenreuter
Theobald Friedeborn, Waffeschmied aus Heilbronn ... Axel Werner
Käthchen, seine Tochter ... Laura Tratnik
Maximilian, Burggraf von Freiburg ... Veit Schubert
Der Rheingraf vom Stein, Verlobter Kunigundens ... Boris Jacoby
Eginhardt von der Wart, sein Freund ... Marko Schmidt

Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-ensemble.de




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