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Performance

Der kleine

Unterschied


frei nach
Alice Schwarzer


Bolero von Richter/Meyer/Marx (Berlin) | Foto (C) Bernd Slotta

Bewertung:    



Alien war das erste Stück, mit dem ich das Performance-Kollektiv von Richter/Meyer/Marx - bestehend "aus einer Stuntfrau und studierten Choreografin, Fashion-Designern, House-Produzenten und einem studierten Philosophen und Tanzdramaturgen" - fast genau vor einem Jahr zum allerersten Male wahrnahm. Das gefiel mir sehr, sehr gut, und ich vergab daher die Höchstnote 5 K.

Jetzt spielen sie Bolero (mit der gleichnamigen und in Endlosschleife größtenteils dezent im Hintergrund erhörbaren Ravel-Komposition) und haben - quasi auf sie draufgepackt - Originalzitate des Alice Schwarzer-Bestsellers Der kleine Unterschied "vertanzt" bzw. verbewegt.



"Als ich 1974 das Buch konzipierte", schreibt die weltbekannte Emma-Gründerin auf ihrer Website, "da habe ich alle 17 Fälle [ihrer damaligen Gesprächspartnerinnen, a.so] in der Tat so ausgewählt, dass eine Mehrheit der Frauen sich darin wiedererkennen konnte: in Bezug auf Alter, Bewusstsein, soziale Situation, sexuelle Identität usw. Der Kalkül ging auf. Der kleine Unterschied löste Mitte der siebziger Jahre in Deutschland eine Art kollektiven Aufschrei aus: der Zustimmung oder der Ablehnung, dazwischen gab es wenig. Die meisten Frauen (wenn auch nicht alle) waren dafür, die meisten Männer (wenn auch nicht alle) waren dagegen. Folge: die Hexenjagd auf die Überbringerin von der schlechten Nachricht von der Misere der Geschlechter, auf 'Schwanz-ab-Schwarzer'."

(Quelle: aliceschwarzer.de)


Freilich, wenn man(n) die Zitate jetzt so hört - und es ertönen während der Performance überwiegend "nur" von Männerstimmen nachgesprochene Passagen; lediglich zum Ende gibt's dann noch paar frauenstimmlich eingeworf'ne Frauenpositionen, die dann allerdings mit den Originalzitaten aus dem Kleinen Unterschied (wahrscheinlich) weniger zu tun haben - , wird man(n) als Hörer schnell dann zu der Kurzformel getrieben: Männer sind schon Scheiße oder wie.

Und merkt der Leser spätestens dann jetzt, worauf der Schreiber lenken will?

*

Die "Falle" der Performance ist bzw. war, dass sich jene akustisch oktroyierte Textlast über alle gut gemeinte Ambition der zwei vorzüglichen PerformerInnen - Katja Richter und Helge-Björn Meyer - stülpte und sie derart eine ihr nicht unbedingt dann zustehende Oberhand gewann, will sagen: Dass du hier, an Ort und Stelle, mehr dann lauschen tatst bzw. tust als dir den sicherlich präsent gewesenen höheren Sinn des künstlerischen Unterfangens optisch (mit den neugierigen Augen) sozusagen 'rauszufiltern.

Deutlich wurde unbedingt die humoristische Distanz der beiden Macher zu den sturzbächigen Anti-Männer-Phrasen - immer schien es so, als würde ein sich paritätgeschlechtlich eingerichtet habendes und irgendwie seit hundert Jahren und noch mehr unter-, über- und miteinander funktionierendes Traumpaar mit unendlicher altersweiser Größe und Gelassenheit den Text-Wust dergestaltig "kommentieren". Ja und so gesehen kriegte das Projekt, im Umkehrschluss, tatsächlich einen Sinn.




Bolero mit Katja Richter und Helge-Björn Meyer | Foto (C) Ronja Schulz

Andre Sokolowski - 21. April 2018
ID 10657
BOLERO (Acker Stadt Palast, 20.04.2018)
Idee und Performance: Richter/Meyer/Marx (Berlin)
Kostüme: Heike Neugebauer
Licht und Ton: Marek Mauel
Dramaturgie: Anne Pantaleon
Mit: Katja Richter und Helge-Björn Meyer
SprecherIinnen: Fabian Gerhardt, Ingo Rabe, Philippe Reinhardt, Ilja Rossbander, Christian Schmidt, Alexander Tschernek, Yüksel Yolcu sowie Gerlinde Jänicke, Alexandra Kamp, Ilse Ritter, Catherine Stoyan und Moon Suk
Premiere war am 20. April 2018.
Weitere Termine: 21.04. / 08., 09.06.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.richtermeyermarx.de


http://www.andre-sokolowski.de

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