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ALIEN

Richter/Meyer/Marx


Foto (C) Bernd Slotta / Bildquelle: ackerstadtpalast.de

Bewertung:    



Richter/Meyer/Marx ist ein Performancekollektiv, das jetzt im Acker Stadt Palast Berlin sein fünfjähriges Jubiläum feiert; und mit Alien (einer Body Modification) ging's gestern Abend los:


"Der Traum vom perfekten Körper, vom künstlichen Menschen und der Unsterblichkeit scheint sich mehr und mehr zu materialisieren. Welchen Stellenwert hat der menschliche Körper, wenn er zum Objekt wird, das es gilt, stetig und mutig zu gestalten? Mensch, Maschine, Mutant: Wie viele Körper stecken in einem einzigen? Was kann man tun, um seinen Körper zum Statussymbol, vielleicht sogar zum Kunstwerk zu stilisieren?"

(Quelle: ackerstadtpalast.de)


Das [s.o.] klingt sehr theoretisch, und - wie alle graue Theorie - bringt es den Zuschauer, egal ob er "es" sich davor oder dabei oder danach lektürisch einverleibt - nicht groß dann weiter. Fantasie, Beobachtung und Einfühlung ist also mehr denn je gefragt, um Tanz oder Performance ungefähr dann zu verstehen oder sich zumindest einzubilden, dass man "es" verstanden haben könnte.

Hier mein interpretatorischer Versuch:



Katja Richter und Helge-Björn Meyer tun ein nicht mehr ganz so junges Paar verkörpern, das gewissenteils an so was Ähnliches wie einen ehelichen oder eheähnlichen Gemeinschaftsbund gemahnt; also die Beiden haben sicherlich seit Jahren und Jahrzehnten was zusammen und sind gar womöglich wegen oder trotz dieses Zusammenseins so derart eng verbunden und verrammelt und verschweißt, dass fast kein Blatt Papier (nur eine Plastikfolie, ganz zum Schluss des Stücks) dazwischen passen würde - zweihaft, zweisam tanzen sie durchs Leben und die Zeit und tun obgleich nicht eine Miene hierüber verziehen; nein: Stattdessen unternehmen sie partout und unablässig irgend was.

Zum Beispiel auf der Gamescom in Köln; dort kann man sich je eine Virtual Reality Brille umbinden und sieht sofort alles anders als es eigentlich dann wirklich ist. Gesagt, getan...

Oder: Sie kommen augenblicklich aus der Oper - sie trägt ein goldfarb'nes langes Festkleid, er ein goldfarbenes Trägerhemd und dunkelrote Hosen. Nach Aus einem Totenhaus scheinen die Zwei noch lange Zeit fast wie benommen, stehen da wie angenagelt, aber langsam und allmählich kehrt das Leben wiederum in sie zurück, sie fangen an zu atmen, er am Anfang mehr als sie, dann wechseln ihre Atmungen ins Hyperventilierende, und ihren Heimweg treten sie mit Hüpfbewegungen in Richtung S-Bahnhof Savignyplatz an; und die Schillerstraße nimmt und nimmt kein Ende, und die S-Bahn fährt nur alle 10 Minuten, hoffentlich dass sie dann ihre Anschlussbahn ab Ostbahnhof noch schaffen; ja, ihr Hüpfen kulminiert mit starken Stresseinlagen, sie sind plötzlich gänzlich außer Atem, außerdem - - sie muss wohl ihre Handtasche vergessen haben; wie? jetzt noch einmal zurück?? "Nein, Schatz", meint sie, "ich scheiß' auf meine Handtasche, lass uns jetzt ohne sie nachhause gehen!!"

Dann lassen sie Mini-Drohnen in die Lüfte steigen...

Dann spielen sie ein Zyklopen-Pärchen, das Arm-Fitness macht...

Dann sieht sie aus wie er und er wie sie, ja und sie streuen schwarze Luftballons ins Volk...

Dann kommen sie in schönster Splitternacktheit letztmals raus, hängen sich Fechtmasken vor ihr Gesicht und "trennen" ihre Körper mittels einer Plastikfolie [wie schon angedeutet], dass ihr Paartanz nicht zu porentief gerät...

Ja und zu guter Letzt behauptet justamant ein Sprecher, dass der Snowden irgendwo behauptet hätte, dass es Kommunikationen zu den Aliens gäbe. (Hä???)

Und dann ist wirklich Schluss.


* *

Und wer ist Marx???
Andre Sokolowski - 22. April 2017
ID 9981
ALIEN (Acker Stadt Palast, 21.04.2017)
Idee, Texte & Performance: Richter/Meyer/Marx (Katja Richter + Helge-Björn Meyer)
Musik: Upperception (Roman Schönbichler)
SprecherInnen: Alexander Tschernek, Gerlinde Jänicke und Erik Roßbander
Kostüme: Heike Neugebauer
Licht & Ton: Gustav Kleinschmidt
Premiere war am 21. April 2017.
Weiterer Termin: 22.04.2017


Weitere Infos siehe auch: http://www.ackerstadtpalast.de


http://www.andre-sokolowski.de

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