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nachDRUCK # 6

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Rosinenpicken (625)

Marthaler

auf Französisch



Veronika Vasilyeva-Rije (als Olga) in der Performance Le Paradoxe de John von Philippe Quesne | Foto (Detail): Martin Argyroglo

Bewertung:    



Gestern war die deutsche Premiere der Performance Le Paradoxe de John von Philippe Quesne (56). Sie fand im HAU2 statt, und sowieso hatte der französische Theatermacher im Hebbel am Ufer schon mindestens acht Stücke von sich dort laufen, das HAU dürfte also eines seiner internationalen "Stammhäuser" sein.

Ich selbst konnte eine der bisher herausragendsten Produktionen von ihm, nämlich seinen Swamp Club, vor ungefähr 13 Jahren im Haus der Berliner Festspiele erleben - und letzten Sommer fiel er mir durch sein Bühnenbild für Derniers Feux von Némo Flouret (beim TANZ IM AUGUST) auf; ja, so was macht er auch hin und wieder, dass er halt "nur" Bestandteiliges zusteuert. Absolut!


"In Quesnes neuer Arbeit rückt nun eine kleine Gruppe von Freund*innen in den Mittelpunkt, die gemeinsam eine Kunstgalerie einrichtet. Auf der Bühne entsteht ein ebenso humorvolles wie poetisches Universum aus animierten Objekten, einem Pianola und Schaumstoffskulpturen. Das Stück untersucht erneut den Platz der Kunst im Alltag, während musikalische und visuelle Erfindungen auf die poetisch eigenwilligen Texte von Laura Vazquez treffen. Zwischen wirkungsvollen Effekten und absurden Situationen entsteht ein Theater der Nähe, das Menschen und Gegenstände in einer gemeinsamen, atmosphärischen Komposition versammelt und die Notwendigkeit des künstlerischen Akts betont, so klein er auch sein mag." (Quelle: hebbel-am-ufer.de)


Bei mir setzte all das folgende Assoziationen frei:

Isabelle Angotti (als berentete Madame L. oder so) eröffnet in der verlassenen Wohnung ihres früheren Lebensgefährten, Freundes oder Idols Serge - der entspricht zugleich dem unsichtbaren Elefanten im Raum - eine Galerie.

Das macht sie zusammen mit ihrem (wahrscheinlich ebenso bereits berenteten oder von ihr notunterhaltenen) norwegischen Kumpel Jasper, gespielt von Marc Chevillon, dem sie hausmeisterliche Dienste oder Reparaturen abverlangt oder zumutet; irgendwie hat der auch Ahnung von Chemie, jedenfalls trägt der da plötzlich eine Schüssel mit irgendeiner chemischen Flüssigkeit auf die Bühne, kippt ein Glas Wasser darein, und sofort "explodiert" das Gemisch als aus der Schüssel herausbreiender und sich gleichsam verfestigender Schaum - das sieht schon sehr bedrohlich aus und riecht auch etwas, und ich kriege Paranoia, dass es sich hierbei vielleicht um eine krebserzeugende Substanz gehandelt haben könnte, aber nein, das war sie ganz bestimmt dann nicht!

Doch ehe ich weiter abschweife kurz noch die restliche Geschichte...

Marc Susini (als John, der Vater von zwei Töchtern??), Veronika Vasilyeva-Rije (als Olga) und Céleste Brunnquell (als ihre Schwester mit Fuchsfell) treten auf und machen sich als Möchtegernkünstlertrio bei der Möchtegerngaleristin bemerkbar - und mittels in der verlassenen Serge-Wohnung herumstehender und -hängender Exponate, alles Einrichtungsgegenstände von früher, sollen oder wollen die drei nunmehr probieren, was und wie aus ihnen Möchtegernkunst entstünde. Das alles funktioniert auf hochabsurde Art und Weise, also alles, aber auch wirklich alles, was es da im Nachhinein in der von Serge verlassenen Wohnung zu entdecken gibt, wird als (Möchtegern-)Kunst betrachtet und performt; und es wird ellenlang hierüber philosophiert - - mitunter führt das zur gelegentlicher Ermüdung beim Zuhören und Zusehen, auch weil sich vieles erwartbar wiederholt.

Schlussendlich - und das ist dann der Mega-Gag dieser Performance - verselbstständigen sich fünf unter grauen Pferdedecken befindliche Figuren, die als quasi Untote des nicht anwesenden Serge identifizierbar sind; die darunter befindlichen Mitspieler bzw. Mitspielerinnen werden dann leider nicht beim Schlussapplaus gezeigt, sie bleiben leider, leider, leider unter ihren grauen Pferdedecken stecken und erhaltern sodurch keinerlei direkten Dank von uns, also von Mensch zu Mensch; wie schade aber auch.
*

Ich hatte das Gefühl bei einem Marthaler auf Französisch beigewohnt zu haben, was als unbedingtes Kompliment zu verstehen sein soll.



Le Paradoxe de John von Philippe Quesne | (C) Martin Argyroglo

Andre Sokolowski - 21. Februar 2026
ID 15712
LE PARADOXE DE JOHN (HAU2, 20.02.2026)
mit Musik von Noel Boggs, Fred Buscaglione, John Cage, Morton Feldman, Friedrich Hollaender, Lucy Railton, Franz Schubert, Demetrio Stratos und Riz Ortolani

Konzept, Inszenierung und Bühnenbild: Philippe Quesne
Text: Laura Vazquez
Kostüme: Anna Carraud
Kostümassistenz: Mirabelle Perot
Bühnenmanagment und künstlerische Zusammenarbeit: François Boulet und Marc Chevillon
Technische Mitarbeit: Thomas Laigle
Malerei und Dekor: Marie Maresca
Produktion: Alice Merer / Vivarium Studio
Mit: Isabelle Angotti, Céleste Brunnquell, Marc Susini, Veronika Vasilyeva-Rije und Marc Chevillon
Deutsche Premiere war am 20. Februar 2026.
Weiterer Termin (in Berlin): 21.02.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.hebbel-am-ufer.de


https://www.andre-sokolowski.de

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