Was ihr wollt
Shakespeares Liebes- und Verwechslungskomödie als Open-Air-Vergnügen auf der Sommerbühne des Potsdamer Hans Otto Theaters
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Bewertung:
Am vergangenen Freitag hat das Hans Otto Theater Potsdam die Open-Air-Saison auf der Sommerbühne mit Blick auf den Tiefen See eröffnet. Das Wetter nebst Sonne zeigte sich dann auch schon ganz sommerlich. Auf dem Spielplan steht in diesem Jahr mal wieder Shakespeare, und mit Was ihr wollt eine seiner beliebtesten und meistgespielten Liebes- und Verwechslungskomödien. Kurz zur Erinnerung: Das Zwillingspaar Viola und Sebastian wird nach einem Schiffsuntergang getrennt. Viola verdingt sich beim Herzog von Illyrien als sein Diener Cesario und sorgt so für ein paar die Geschlechter verwirrenden Liebesverwicklungen. Sowohl der nach der Gräfin Olivia schmachtende Herzog Orsino wie auch die eigentlich in tiefer Trauer verhangene Gräfin verfallen der als Jüngling verkleideten Viola, die sich selbst ihrer Gefühle nicht mehr ganz sicher ist. Die Verwirrung bei allen Beteiligten ist perfekt, als irgendwann ihr Zwillingsbruder Sebastian wieder auftaucht. Dazwischen gibt es jede Menge Jux und Tollerei, was in der Übersetzung von Thomas Brasch (1945-2001) munter zwischen wortgewandter Poesie und derbem Klamauk changiert. Dazu liefert der Live-Musiker Fabian Kuss den passenden Soundtrack. So ziemlich „Lost in each other“ wie Viola. Oder wie von Sir Toby mehrfach herausfordernd: „Sollen wir nicht die Nacht erzittern lassen von einem Tanz?“
Das Genderthema wird auch in der Inszenierung von Regisseur Moritz Peters ganz großgeschrieben. Der Rock ist Unisex-Kleidungsstück (Kostüme: Arianna Fantin). Ansonsten bleibt die Besetzung gendergerecht, was man in der Inszenierung von Antú Romero Nunes am Berliner Ensemble jüngst auch anders sah. Aber der Spaß am Spiel ist mindestens genauso groß und das Ensemble des Hans Otto Theater mehr als großartig:
Henning Strübbe als liebeskrankem Romantiker Orsino hat man in Potsdam zum schwarzen Brustpanzer ein Hirschgeweih aufgesetzt. Ulrike Beerbaum trägt als unnahbare Gräfin Olivia einen güldenen Brustpanzer, den sie erst nach der Pause ablegt. Ebenso gepanzert muss sich Charlott Lehmann als Viola zum Cesario verwandeln. Während das restliche Personal relativ locker gekleidet ist. Gemeinsam entert das Ensemble die Bühne aus dem Publikum heraus. Ein wenig Wortgewirr, Sturmgeschaukel und ein Eimer Wasser imaginieren einen Schiffsuntergang und wie immer geht auch jemand im Lauf des Abends laut platschend im Tiefen See baden.
Das Illyrien von Bühnenbildnerin Nehle Balkhausen besteht aus großen Torbögen und einem Tresen mit vielen Flaschen. Eine Bar namens „12 Night“, was auf den ursprünglichen Titel des Stücks anspielt. Fürs Komödiantische sind in Potsdam Nadine Nollau als Olivias Zofe Maria, Jörg Dathe als versoffener Onkel Sir Toby und Hannes Schumacher als dümmlicher Ritter Andrew Leichenwang zuständig. Das Trio Infernale mischt Olivias puritanischen Haushofmeister Malvolio (Philipp Mauritz) mit einem gefakten Liebesbrief seiner Herrin auf und Narr Feste gibt dem in die Dunkelheit verbannten Größenwahnsinnigen als falscher Priester den Rest. Jon-Kaare Koppe als „festangestellter“ Narr lässt hier das Politische in Shakespeares Text für gute Ohren leise durchscheinen. Man sollte also gut hinhören.
Gut unterhalten ist man obendrein. Besonders Charlott Lehmann ist schauspielerisch wie gesanglich das Highlight das Abends. Wie man hört, wird sie leider das Potsdamer Ensemble verlassen, aber in der nächsten Spielzeit als Solo Sunny gastieren. Der DEFA-Klassiker von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase mit der Musik von Günter Fischer hat in der Regie von Hakan Savaş Mican am 15. Januar Premiere. Der bisher am Berliner Gorki und Hamburger Thalia Theater inszenierende Regisseur war bereits als Premierengast anwesend und ist für gutes Theater mit viel Live-Musik bekannt. Auf der Sommerbühne haben noch Joshua Seelenbinder als totgeglaubter Zwillingsbruder Sebastian und Joachim Berger als sein schwer in ihn verliebten Retter Antonio ihren Auftritt. So einfach wie beim Original lässt sich dann hier der Verwirrungsknoten auch nicht auflösen. Was natürlich zeitgemäß und letzten Endes ja gemäß dem Titel schon bei Shakespeare sicher ganz genauso gewollt ist.
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Shakespeares Was ihr wollt als Open Air des HOT Potsdam | Foto (C) Thomas M. Jauk
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Stefan Bock - 2. Juni 2026 ID 15888
WAS IHR WOLLT (Sommerbühne am Tiefen See, 29.05.2026)
Aus dem Englischen von Thomas Brasch
Regie: Moritz Peters
Bühne: Nehle Balkhausen
Kostüm: Arianna Fantin
Musik: Fabian Kuss
Dramaturgie: Sina Katharina Flubacher
Besetzung:
Viola … Charlott Lehmann
Herzog Orsino … Henning Strübbe
Gräfin Olivia … Ulrike Beerbaum
Sebastian … Joshua Seelenbinder
Maria … Nadine Nollau
Sir Toby … Jörg Dathe
Andrew Leichenwang … Hannes Schumacher
Narr … Jon-Kaare Koppe
Malvolio … Philipp Mauritz
Antonio … Joachim Berger
Live-Musik … Fabian Kuss
Premiere am HOT Potsdam: 29. Mai 2026
Weitere Termine: 05., 06., 07., 11., 12., 13., 14., 17., 18., 19., 25., 26., 27., 28.06./ 02., 03., 04.07. 2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.hansottotheater.de
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