In Ingrid
Bergmans
Spuren
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Felician Hohnloser und Lisa Wildmann in Gaslicht von Patrick Hamilton - im Alten Schauspielhaus, Stuttgart | Foto (C) Tobias Metz
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Bewertung:
Gaslicht (Gas Light) ist ein Theaterstück von Patrick Hamilton (1904-1962), das 1938 in London uraufgeführt wurde. Seinen Weltruhm allerdings erlangte es durch mehrere Verfilmungen, allen voran jener von George Cukor mit Ingrid Bergman und Charles Boyer. Bis heute wird der spannende Psychokrimi immer wieder auf Spielpläne gesetzt, aber die Konkurrenz mit der Erinnerung an die charismatische Ingrid Bergman stellt jedes Mal eine Herausforderung dar.
Im Stuttgarter Alten Schauspielhaus (nicht zu verwechseln mit dem Schauspiel Stuttgart, dem es nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1946-1962 als Ausweichquartier diente) spielt Lisa Wildmann die Bergman-Rolle der Bella Manningham. Es ist nicht das erste Mal, dass sie in Bergmans Spuren tritt. Mit großem Erfolg verkörpert sie in einer Ein-Personen-Bühnenfassung von Stefan Zweigs Angst jene Frau, die Ingrid Bergman in einer Verfilmung von Roberto Rossellini spielte. Beide Vorlagen, Hamiltons Stück und Zweigs Novelle, handeln vom Psychoterror eines Mannes gegenüber seiner Frau. Bellas verbrecherischen Gatten gibt Felician Hohnloser. Die dritte große Rolle gehört, wie in vielen Krimis, dem Kommissar. Ihn spielte in Cukors Film Joseph Cotten, der Gegenspieler von Orson Wells in Citizen Kane, in Stuttgart ist es Andreas Klaue, ein regelmäßiger Gast am Alten Schauspielhaus, das über kein festes Ensemble verfügt, und an anderen Theatern der Umgebung. Er ist ein durchaus bemerkenswerter Vertreter seiner Profession, der wohl mehr Beachtung erführe, wenn er an einem Staatstheater aufträte.
Das Alte Schauspielhaus pflegt eher altmodische Spielformen. Experimente sind nicht sein Ding. Das kann man belächeln, aber diese konservative Auffassung von Theater hat ihr Publikum. Es ist kein Zufall, dass das Alte Schauspielhaus unter derselben Leitung steht wie die Komödie im Marquardt, die sich, vergleichbar der Komödie am Kurfürstendamm oder dem Fritz Rémond Theater seligen Gedenkens, dezidiert dem Boulevardtheater widmet. So verfestigt ist der Stil der beiden als „Schauspielbühnen in Stuttgart“ zusammengefassten Theater, dass er auch den Wechsel der Intendanten nach der 26 Jahre währenden Intendanz von Elert Bode unbeschädigt überlebt hat. Selbstbewusst verkündet die Website der Schauspielbühnen: „Im Vergleich aller Sprechtheater haben sie regelmäßig den höchsten Publikumszuspruch in ganz Baden-Württemberg.“ Das Quotenargument sticht nicht nur bei den Öffentlich-Rechtlichen.
Den Erwartungen seiner Klientel bleibt der Intendant und Regisseur Axel Preuß auch bei Gaslicht treu. Das Stück fand schon bei seiner Uraufführung in der Vergangenheit statt, im London von 1880. In den Jahren danach wurde das Gaslicht, das nicht nur den Titel abgibt, sondern für die Handlung auch eine wichtige Rolle spielt, als Straßenbeleuchtung vollends durch elektrisches Licht ersetzt. Preuß belässt das Stück im späten 19. Jahrhundert und hat so die Gelegenheit, es mit den dekorativen Kostümen des Viktorianismus auszuschmücken. Zugleich rückt er es in die Nähe von Labiche und Feydeau. Chaiselongue und Fauteuil gehören dazu.
Zu Beginn spielt Lisa Wildmann die Bella Manningham als unbekümmerte, kokette Kindfrau, ehe ihr Mann ansetzt, sie in den Wahnsinn zu treiben. Felician Hohnloser ist der strenge und zugleich grausame Patriarch, ein Seelenverwandter von Stefan Zweigs Fritz Wagner. Und Andreas Klaue mit Schirm und Zylinder, ein ganz anderer Typus als Joseph Cotten, ist unheimlich und auch ein wenig komisch.
Eins allerdings hat der Film dem Theater voraus. Er kann Zeit, Dauer suggerieren. Auf der Bühne findet das Menschenexperiment, die langsame Erzeugung von Wahnsinn sehr zügig und plötzlich statt. Ohne Schnitt und Überblendung sind Zeitsprünge halt nur schwer zu vermitteln. Da bleibt Lisa Wildmann notgedrungen hinter Ingrid Bergman zurück. Der Schrecken des allmählichen Verfalls bleibt bei ihr verborgen.
Wie so oft, wenn ein Stück mysteriös wirken soll, sorgt Saties Gymnopédie Nr. 1 für die erforderliche Atmosphäre.
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(V.l.n.r.:) Andreas Klaue, Lisa Wildmann, Felician Hohnloser, Annette Mayer und Hannah Sophie Schad in Gaslicht von Patrick Hamilton - im Alten Schauspielhaus, Stuttgart Foto (C) Tobias Metz
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Thomas Rothschild - 19. September 2026 ID 16047
GASLICHT (Altes Schauspielhaus, 18.09.2026)
von Patrick Hamilton
Regie: Axel Preuß
Bühne und Kostüme: Vesna Hiltmann
Bühnenkampf: Stefan Müller-Doriat
Dramaturgie: Susanne Schmitt
Besetzung:
Bella Manningham ... Lisa Wildmann
Jack Manningham ... Felician Hohnloser
William Rough ... Andreas Klaue
Elisabeth ... Annette Mayer
Nancy ... Hannah Sophie Schad
Premiere an den Schauspielbühnen in Stuttgaert: 18. September 2026
Weitere Termine: 19., 23.-26., 29., 30.09./ 01.-03., 06.-11., 13.-17., 19.-24.10.2026
Weitere Infos siehe auch: https://schauspielbuehnen.de
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