Vom Acker
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Paul Michael Stiehler (als Alba) und Daniel Stock (als Philip 2) in Felix Krakaus Don Karlos (A New Morning) am Theater Bonn Foto (C) Matthias Jung
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Bewertung:
Der Bonner Don Karlos schreibt sich mit K wie bei Schiller, hat aber den an die englische Band Suede erinnernden Zusatz (A New Morning), denn er wurde von Felix Krakau, der auch Regie führt, „überschrieben“, auf 120 pausenlose Minuten gekürzt und mit einem Personal von nur sechs statt zwanzig Damen und Herren besetzt. Es ist die erste Arbeit des 1990 in Hamburg geborenen Autors und Regisseurs am Theater Bonn. Erfahrungen hat er unter anderem in Düsseldorf, Wien, Bremen und Essen gesammelt.
Die Ergänzung im Titel verdankt sich wohl doch nicht, wie so oft, der jüngeren Popgeschichte, sondern einer Rede des Marquis von Posa im letzten Akt: „Es hätte/ Bei mir gestanden, einen neuen Morgen/ Heraufzuführen über diese Reiche.“ Felix Krakau verzichtet zum Glück auf Anspielungen auf Persönlichkeiten der Gegenwart. Er muss uns nicht unter die Nase reiben, dass es auch heute Machtmissbrauch, Unterdrückung und Grausamkeit auf der einen und Freiheitsdrang auf der anderen Seite gibt. Seine Bearbeitung ist, auch in der Kostümierung von Jenny Theisen, heutig und zugleich zeitlos. Sie betrifft nicht sosehr den ausgedünnten Handlungsablauf wie die Sprache. Die Ersetzung der Verse durch Prosajargon (Elisabeth von Valois: „Machen Sie sich vom Acker“) sorgt für Episierung und Trivialisierung. Gleich zu Beginn werden die Figuren vorgestellt wie in einem lebendigen Personenverzeichnis. Immer wieder sprechen sie frontal ins Publikum.
Das gestische Vokabular der Darsteller ist begrenzt. Ob das auf das Konto der Regie geht oder auf Mägel im Talent und in der Ausbildung, können wir nicht entscheiden. Der Regisseur wollte offenbar weder eine psychologische, noch eine politische Deutung des Stücks. Sein Ansatz ist grafisch gedacht. Aber Felix Krakau ist, mit Verlaub, kein Robert Wilson. Und der monotone Elektrobass, der die Dialoge gnadenlos begleitet, ist nur nervig.
Zu den Positivposten zählen die gestaffelten Neonrahmen von Florian Schaumberger. Sie tragen bei zur visuellen Konzeption. Aber sie liefern keinen Ersatz für den verabschiedeten Großinquisitor und damit für jene politische Dimension, die Andrea Breth einst in ihrer legendären Inszenierung herausgearbeitet hat.
So gesehen ist der Bonner Don Karlos auf der Höhe, wenn nicht eines neuen Morgens, der Zeit. Wem’s behagt… Der Premierenapplaus jedenfalls wurde durch keine Missfallensäußerung gestört.
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V.l.n.r.: Riccardo Ferreira (als Marquis v. Posa), Jacob Z. Eckstein (als Don Karlos) und Daniel Stock (als Philipp 2) in Felix Krakaus Don Karlos (A New Morning) am Theater Bonn Foto (C) Matthias Jung
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Thomas Rothschild – 21. März 2026 ID 15759
DON KARLOS (A NEW MORNING) | Schauspielhaus, 20.03.2026
von Felix Krakau nach Friedrich Schiller
Regie: Felix Krakau
Bühne, Video und Lichtkonzept: Florian Schaumberger
Kostüme: Jenny Theisen
Licht: Ewa Górecki
Dramaturgie: Sarah Tzscheppan
Musik: Timo Hein
Besetzung:
Philipp 2 ... Daniel Stock
Elisabeth v. Valois ... Imke Siebert
Don Karlos ... Jacob Z. Eckstein
Marquis v. Posa ... Riccardo Ferreira
Alba ... Paul Michael Stiehler
La Eboli ... Julia Kathinka Philippi
Premiere am Theater Bonn: 20. März 2026
Weitere Termine: 25.03./ 12., 18., 23.04./ 02., 15.05.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-bonn.de
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