Brinkmann
hoch fünf
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Die Wörter sind böse am Schauspiel Köln | Foto (C) Birgit Hupfeld
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Bewertung:
Kennen Sie Brinkmann? Oder vielleicht (noch besser): Lieben Sie Brinkmann?
Wie, weder noch??
Nix wissen oder was???
Also:
Rolf Dieter Brinkmann.
"Geboren am 16.04.1940 in Vechta, begann 1959 eine Buchhandelslehre in Essen. Seit 1962 in Köln; Pädagogikstudium., dann freier Schriftsteller. Aufenthalte in Rom (Villa Massimo), London, Gastdozent in Austin/Texas Brinkmann flüchtete sich in die Rolle des provozierenden Rebellen, für den das Leben 'etwas unvorstellbar Gemeines, Viehisches' war: einerseits Auflehnung gegen die biologischen Gegebenheiten des Daseins und Abscheu vor dem Leben, andererseits Faszination und Zustimmung. Sein Credo: 'Ich bin für den einzelnen.' Brinkmann machte die amerikanische Pop-Lyrik in Deutschland bekannt und wurde selbst der führende Pop- und Underground-Lyriker Deutschlands in den 60er Jahren. Lyrik war für ihn Spiegelbild und direkter Reflex des Faktischen. Auf die kurzzeiligen Gedichte der Pop-Zeit folgten vielstrophige Gedichte, in denen sein starker vitaler Antrieb zu unaufhörlich sich bewegenden Bildern und elementarisch behandelten alten Themen führt. Westwärts 1 & 2 wurde als der wichtigste und virtuoseste Gedichtband der 70-er Jahre bezeichnet. Rom, Blicke ist die Ausbeute seines Rom-Aufenthaltes 1972, mit wilder Unerbittlichkeit auf Verfallenes, Obszönes fixiert, ein Konvolut aus Briefen, Notizen, Zeitungsausschnitten, Fotos, als Arbeitsbuch für künftige Projekte. Brinkmann wurde 1975 mit dem Petrarca-Preis ausgezeichnet. Er starb am 23. 4.1975 in London." (Quelle: rowohlt.de)
Sein Name war mir irgendwie geläufig, ich glaube, dass ich ihn erstmals während meines Literaturstudiums am damaligen Becher-Institut in Leipzig vernahm, das müsste bei einer Vorlesung - entweder in den Fächern "Lyrik" oder "Weltliteratur" - gewesen sein; gelesen hatte ich von ihm bis heute allerdings (noch) nichts.
Und Sie, vor allem Sie als Kölnerinnen und Kölner oder Zugereiste dorthin?
Brinkmann und seine Frau Maleen wohnten mit ihrem sprachbehinderten Sohn Robert eine Zeitlang in der Kölner Engelbertstraße...
"...in ärmlichen Verhältnissen [...] regelmäßig wird der Strom abgestellt, immer wieder müssen Verlage und Bekannte um finanzielle Unterstützung gebeten werden. Die bürgerliche Ordnung erscheint als Lüge, als erstarrtes System, das Individualität erstickt und Verwirklichung verhindert. Die Wut, mit der Brinkmann diese Lebensform zerlegt, ist dabei zutiefst ambivalent: Sie richtet sich nicht zuletzt gegen ein Leben, dem er selbst nicht entkommt." (Dramaturg Lennart Göbel)
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Ja, insbesondere für Sie als Kölnerinnen und Kölner oder Zugereiste dorthin wäre - nach meiner instinktiven Wahrnehmung - die gestern Abend am Schauspiel Köln inszenierte Performance Die Wörter sind böse (nach dem gleichnamigen WDR-Hörspiel von Brinkmann aus dem Jahre 1974; nachzuhören in der ARD-Audiothek) - bestimmt gewesen; auf dass er Ihnen, die Sie ihn bis dahin immer noch nicht kannten oder womöglich noch nie etwas von ihm gehört zu haben meinten, etwas näher kommen sollte, also rein menschlich oder so...
Aber ich sag' es gleich vorab: So gut wie es vielleicht (vom Regisseur Wolfgang Menardi) gemeint gewesen war, misslang das ambitionierte Vorhaben, und zwar vollends.
Es war zu schrill, es war zu laut, es war zu hektisch also viel zu aufgeregt, und die den Brinkmann sozusagen verfünffacht habenden Nikolaus Benda, Paul Grill, Lavinia Nowak, Uwe Schmieder und Birgit Unterweger verausgabten sich, nicht nur sportiv, völlig umsonst, kurzum:
Den Menschen Brinkmann "durchschaute" dieses hyperaktiv aufgedrehte Brimborium mitnichten, ich erfuhr also wenig resp. nichts, was ihn mir hätte "rein menschlich" dahingehend aufwerten können, dass ich mich von jetzt auf gleich auf sein bei Rowohlt und anderen Verlagen nachbestellbares Oevre stürzen wollte, um es für mich quasi nachzuholen. Nichts dergleichen regte sich in mir.
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Die Wörter sind böse nach dem gleichnamigen Hörspiel von Rolf Dieter Brinkmann - am Schauspiel Köln | Foto (C) Birgit Hupfeld
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Andre Sokolowski - 19. Januar 2026 ID 15658
DIE WÖRTER SIND BÖSE (Depot 2, 17.01.2026)
nach dem gleichnamigen Hörspiel Rolf Dieter Brinkmann
Regie und Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Jelena Miletić
Komposition und Sounddesign: Matteo Haitzmann
Choreografie: Mason Manning
Videoart: Jan Isaak Voges
Ton: Jakob Heisters
Dramaturgie: Lennart Göbel
Mit: Nikolaus Benda, Paul Grill, Lavinia Nowak, Uwe Schmieder und Birgit Unterweger sowie dem Live-Musiker Nico Stallmann
Premiere am Schauspiel Köln: 17. Januar 2026
Weitere Termine: 22.01./ 22.02.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.schauspiel.koeln
https://www.andre-sokolowski.de
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