Trinken wir zu wenig?
RAUSCH am Münchner Metropoltheater
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Bewertung:
Der Film Rausch dürfte vor allem Kinobesuchern bekannt sein. 2021 erhielt der Regisseur Thomas Vinterberg den Oskar für den besten internationaler Film. Auch die Theaterfassung hat er selbst erarbeitet. Kurz gesagt geht es um vier Lehrer, die sich einem Selbstversuch nach der These eines norwegischen Psychiaters unterziehen. Dieser behauptet, der Mensch komme mit einem halben Promille zu wenig zur Welt. Diesen Pegel aufrechterhalten und sehen, was sich dadurch verändert, das passt gerade zum aktuellen Leben der vier, sie stecken nämlich alle fest.
Eigentlich ein ideales Setting für das Vier-Personen-Stück am Münchner Metropoltheater. (Regie und Bühne: Jochen Schölch). Das Schulleben erfüllt die Lehrer nicht mehr, und privat läuft es auch nicht rund. „Ich muss weinen, weil mir so klar wird, dass mein Leben als Vierzigjähriger nicht optimal ist“, klagt Nikolaj (Bijan Zamani). Wegen seiner drei Kinder und der ganzen Familienarbeit hat er zu wenig Sex mit seiner Frau, Tommy (Hubert Schedlbauer) trauert seiner Ex nach, ruft sie aber nie an und weiß auch gar nicht, wie es ihr geht, Martin (Michele Cuciuffo) überlegt sich nicht, warum seine Frau abends kaum noch da ist, und Peter (Jakob Tögel) hat gar keine, macht aber auch nichts, um daran etwas zu ändern.
Ihre „Freundschaft“ ist auch eher ein hölzerner Umgang, Emotionen sind spärlich. Und dabei gibt es doch diese Sehnsucht nach dem Leben: „Etwas zu wagen, bedeutet, vorrübergehend den festen Halt zu verlieren. Nichts zu wagen, bedeutet, sich selbst zu verlieren“, zitiert Nikolaj Kierkegaard.
Statt sich mit seinen Gefühlen und der Lebenssituation auseinanderzusetzen, ist es dann doch leichter mit dem Trinken anzufangen. Zumal zunächst die Leichtigkeit mit dem Alkoholpegel steigt.
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Die einzelnen Soli der Schauspieler sind überzeugend, aber alle vier auf der Bühne finden kein rechtes Zusammenspiel. Auch mit fortschreitendem Alkoholkonsum wirken sie wie nebeneinander hingestellt. In ihrem Jammer sind sie sich zu ähnlich. Eine wirkliche Reflexion findet nicht statt, vieles bleibt an der Oberfläche. Eine Auseinandersetzung mit den Partnerinnen fand gab es anscheinend nicht. Aber trotzdem, für drei zumindest, ist der Ausgang versöhnlich.
Wenn man an vergangene Stücke wie Putsch denkt, fehlt hier einfach das Zusammenspiel und die Quintessenz. Aber man muss ja nicht immer eine Botschaft mit nach Hause nehmen.
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Rausch am Metropoltheater München | (C) Joel Heyd
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Isabella Schmid – 16. Oktober 2026 ID 16098
RAUSCH (Metropoltheater München, 15.10.2026)
nach dem gleichnamigen Film von Thomas Vinterberg und Tobias Lindholm
Regie und Bühne: Jochen Schölch
Kostüme: Sanna Dembowski
Licht: Martin Hermann
Mit: Michele Cuciuffo (Martin), Hubert Schedlbauer (Tommy), Jakob Tögel (Peter) und Bijan Zamani (Nikolaj
Premiere war am 15. Oktober 2026.
Weitere Termine: 21.-25., 28.-31.10./ 11.-13., 15.-17., 27.-31.12.2026// 06.-10.01.2027
Weitere Infos siehe auch: https://www.metropoltheater.com
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