Spaltung als
politische
Strategie
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Putsch von Alistair Beaton & Dietmar Jacobs - am Metropoltheater München | Foto (C) Marie-Laure Briane
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Bewertung:
Unheimlich still ist es im Theater, wenn der alerte Oskar Falk, erfolgreicher Anwalt, Herausgeber einer rechtsintellektuellen Zeitschrift und Vorstandsmitglied der rechten Partei UHD „Unser Haus Deutschland“ die erfolgreiche Influencerin Klara umgarnt.
Falk ist einer, der nicht gleich mit rechten Parolen kommt und – angeblich – die Nazis in seiner Partei auch loswerden möchte, um neue Wählerschichten zu erreichen:
„Wir haben 25 Prozent in den Umfragen. Aber wir stoßen an eine gläserne Decke. Es fehlt etwas, um ganz nach oben zu kommen. Denn zu viele normale Bürger wählen uns nicht, wegen Typen wie unserem Kanzlerkandidaten."
Und dafür braucht er jetzt Klara, erfolgreiche Comedian mit eigener Fernsehshow. Die wird allerdings erst gekürzt und dann abgesetzt, als sie gegen Multi-Kulti, Trans-Gender und Wokismus hetzt. Sie fühlt sich zensiert und will rebellieren, aber doch nicht mit den Nazis gemeinsame Sache machen. Bis jetzt.
Wie sich Oskar Falk und Klara umschleichen und Falk, nach erster Abwehr Klaras, doch noch sein Gift platzieren kann, das ist schon eine großartige Schauspielleistung von Michele Cuciuffo und Ina Meling.
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Anleitung zur Zerstörung einer Demokratie ist der Untertitel des Stückes Putsch. Alistair Beaton & Dietmar Jacobs haben es als Auftragsarbeit für das Theater Trier geschrieben. Beaton ist ein vielfach ausgezeichneter britischer Autor, und Jacobs ist in Deutschland für zahlreiche Satiresendungen und Fernsehserien tätig.
Regisseur und Intendant Jochen Schölch hat das Stück kongenial für das METROPOLTHEATER MÜNCHEN umgesetzt.
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Putsch von Alistair Beaton & Dietmar Jacobs - am Metropoltheater München Foto (C) Marie-Laure Briane
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Für einen Putsch braucht man keine bewaffneten Rebellen mehr. Das wird schon in der ersten Szene klar, als vermummte Gestalten mit Maschinengewehren das Kanzleramt stürmen. Halt, stopp, alles zurück. So etwas ist oldfashioned. Heute bereitet man den Sturz der Demokratie im Internet vor. Vieles in dem Stück hat reale Bezüge: Das Treffen von rechten Politikern mit Neonazis, Mitglieder der Partei, die den Hitlergruß zeigen, die Aussagen von rechten Politikern, dass sie keine Inhalte brauchen, sondern Chaos, die Androhung die Schulpflicht abzuschaffen und Richter auszutauschen. Dazu kommt das Unvermögen demokratischer Parteien, statt zu streiten, sich zusammenzuschließen, und eine immer hilfloser werdende konservative Partei im Umgang mit der Brandmauer.
Der Angriff auf die Demokratie wird eindringlich beschrieben, kommt aber überhaupt nicht belehrend, sondern höchst unterhaltsam daher. Das ist auch der spielfreudigen Schauspieltruppe zu verdanken. Wowo Habdank als Wutbürger, der kein einziges Argument hat, aber alles zerstört sehen will; Hubert Schedlbauer, der sowohl Klaras verschwurbelten Agenten Thorben als auch den Kanzler wunderbar draufhat; Anna Graenzer als Talkshow-Host und Lea Luisa Schönhuber als überzeugend sperrige, aufmüpfige Tochter von Klara. Alle Darsteller/innen spielen mehrere Figuren. Ganz köstlich die immer wieder hinter einer Bretterwand aufpoppenden und wie die Muppets agierenden Social-Media Trolle. Jeder Hasskommentar wird mit „Ausrufezeichen! Ausrufezeichen!“ in die Welt geblasen.
Eine Tanz- und Gesangseinlage des Ensembles über Politik als Showgeschäft führt zu Beifallsstürmen.
Neben aller Unterhaltung wird es immer wieder sehr nachdenklich. Klara erkennt, dass sie für eine rechte Verschwörung missbraucht wird, aber da ist es schon zu spät. Die Ereignisse überschlagen sich, eine Wut- Welle schwappt über das Land. Wie es in dem Stück heißt:
„Eine Demokratie lebt davon, dass Menschen eine Gemeinschaft bilden, in der man Kompromisse findet. Für jeden Putsch ist es daher wichtig, Gemeinschaften zu spalten. Und zwar am besten so lange, bis sie Spaltungen durch die ganze Gesellschaft gehen.“
Welche Auswirkungen das hat, kann man schon ganz gut in den USA verfolgen.
Heftigster Applaus! Doch zufriedenes Zurücklehnen im Theatersessel - schön, dass wir uns alle einig sind - bringt nichts. Michele Cuciuffo hat am Ende noch ein paar eindringliche Apelle. Aber die hören Sie am besten selbst, in dieser höchst gelungen Inszenierung.
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Isabella Schmid – 4. Juli 2026 ID 15932
PUTSCH (Metropoltheater München, 02.07.2026))
Anleitung zur Zerstörung einer Demokratie
von Alistair Beaton und Dietmar Jacobs
Regie: Jochen Schölch
Bühne: Thomas Flach
Kostüme: Cornelia Petz
Licht: Martin Hermann
Ton: Kevin McCarthy
Musik: Andreas Schnermann
Musikalische Einstudierung: Alan Sokol
Choreografie: Sophie Rogall
Mit: Michele Cuciuffo (Oskar Falk, Soldat u.a.), Anna Graenzer (General, Maskenbildnerin, Talkshow-Host u.a.), Wowo Habdank (Günter Feldmann, Wutbürger u.a.), Ina Meling (Klara), Hubert Schedlbauer (Thorben Holzapfel, Kanzler Georg Kuhn u.a.) und Lea Luisa Schönhuber (Melli, Helmar Heberl u.a.)
UA am Theater Trier: 10. Mai 2025
Münchner Premiere war am 2. Juli 2026.
Weitere Termine: 04., 07.-09., 11., 12., 18., 21., 25., 26., 28.-31.07./ 01., 05.-09., 11.-14.08.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.metropoltheater.com
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