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DAS RHEINGOLD



Marco Jentzsch (als Froh), Ekaterina Gubanova (als Fricka), Hanno Müller-Brachmann (als Wotan) und Stephan Rügamer (als Loge) in dem von Guy Cassiers neu inszenierten und von Daniel Barenboim dirigierten RHEINGOLD an der Deutschen Staatsoper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus


Gestern Abend (31. Oktober) fand die letzte Vorstellung vom Rheingold für die aktuelle Spielzeit statt. Die Deutsche Staatsoper Berlin - bis 2013 (der 200. Wiederkehr von Richard Wagners Geburtsjahr) im Charlottenburger Schillertheater vorübergehend beheimatet - eröffnete mit "ihm", wenige Wochen nach der Uraufführung Metanoias von Jens Joneleit, ihr neues Domizil und importierte zu dem Zweck die schon im Mai d. J. am Teatro alla Scala erstgezeigte Produktion aus Mailand. Also Start zum neuen Ring:

Und das Programmbuch scheut sich (prophylaktisch) nicht, von einem "Ring für das 21. Jahrhundert" auszugehen - für den Vorabend des Bühnenfestspiels (Inszenierung: Guy Cassiers) kann, was die Prahlerei betrifft, von dieser ehrgeizigen Anmaßung wohl erst mal nicht die Rede sein. Auch wenn sich Guy Cassiers, so wie zu lesen ist, als Regisseur von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit gewisslich einen Namen machte und sich so (vielleicht) für diesen neuen Ring empfahl, heißt oder hieße das noch lange nicht, dass er mit Wagner irgend etwas anzufangen wüsste oder weiß; wir registrieren jedenfalls: Er weiß es nicht! Er kann auch nicht - nicht einmal das - Personen richtig führen; alle stehen irgendwie vergessen worden rum und warten, dass mit ihnen irgendwas geschieht, ja und statt dessen auf den Regisseur irgend Verlass gehabt zu haben, müssen sich die Sänger - und zu allem Überfluss - ihr eigenes Uninteraktionelles mit 9 (außerordentlich vorzüglich von Sidi Larbi Cherkaoui einchoreographierten) Tänzerinnen/Tänzern teilen; diese fallen freilich dann, nicht nur durch ihre durchweg ansehlichen Körper, permanent und prononcierter Weise auf und "stehlen" den Solisten pur die ganze Schau; o wie das Alles nervte...

In Das Rheingold wird am ehesten ersichtlich, dass sich Richard Wagner mit dem aufkommenden Frühkapitalismus auseinandersetzte, dass er (nicht nur instinktiv) die krieg- und unheilstiftende Ermächtigung des Kapitals als eigentlichen "Liebestöter" - fast schon, wollte man euphorisch sagen, parallel zu Marx & Engels, wenn es stimmen würde - mitbegriff; in dieser Art der künstlerischen Dechiffrierung eines todbringenden Kreislaufs (Macht und Geld) erwies er sich als kindisch-großer Revolutionär; das macht den Ring des Nibelungen zeitlos.

Nichts von alledem bei und durch Guy Cassiers' Regie-Sicht! Null Philosophie!! Nur viel viel Wasser- oder Hightechzeugs; Plansch-, Licht- und Videoüberreizungen en masse...

Wir sind nicht nur befremdet, nein, wir zeigen uns total und rotbackig verärgert über die zur Stückerhellung gänzlich unbrauchbar gewesene Vergeudung der Ressourcen!!!


* * *


Hanno Müller-Brachmann ist ein kräftig klingender und kultiviert könnender Wotan. / Stephan Rügamer überzeugt im Stimmlichen als Loge. / Wolfgang Ablinger-Sperrhacke ist ein Mime der Charakter-Extra-Klasse; seine Textverständlichkeit superb! / Johannes Martin Kränzles Alberich besticht in jeder Frage. / Den Fasolt gab dann einmalig Matti Salminen: legendär! / Sonst Durchschnittliches; außer den drei Rheintöchtern wirkten die Frau-Darstellerinnen diesmal unterhalb der allgemeinen Vollbelichtung... // Daniel Barenboim leitete eine Staatskapelle, die seit Jahren und Jahrzehnten keine Nachhilfen in Sachen Wagner braucht; der neue Graben fürs Orchester macht sich für sie ziemlich gut.



Tänzerinnen und Tänzer der Eastman Company und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (als Mime) im neuen RHEINGOLD an der Deutschen Staatsoper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus

Andre Sokolowski - 1. November 2010
ID 4908
DAS RHEINGOLD (Staatsoper im Schillertheater, 31.10.2010)
Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Guy Cassiers
Bühnenbild: Guy Cassiers, Enrico Bagnoli
Kostüme: Tim Van Steenbergen
Licht: Enrico Bagnoli
Video: Arjen Klerkx, Kurt D'Haeseleer
Besetzung:
Wotan ... Hanno Müller-Brachmann
Donner ... Jan Buchwald
Froh ... Marco Jentzsch
Loge ... Stephan Rügamer
Fricka ... Ekaterina Gubanova
Freia ... Anna Samuil
Erda ... Anna Larsson
Alberich ... Johannes Martin Kränzle
Mime ... Wolfgang Ablinger-Sperrhacke
Fasolt ... Matti Salminen
Fafner ... Timo Riihonen
Woglinde ... Aga Mikolaj
Wellgunde ... Maria Gortsevskaya
Flosshilde ... Marina Prudenskaja
Tänzerinnen und Tänzer der Eastman Company
(Choreographie: Sidi Larbi Cherkaoui)
Staatskapelle Berlin
Ko-Produktion mit der Mailänder Scala
Berliner Premiere war am 17. Oktober 2010

Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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