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nachDRUCK # 6

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Feuilleton


Thalia in der Gaußstrasse, Hamburg

Nacht ohne Arbeit


Es ist ehrenwert und gar nicht so selbstverständlich, wie man denken könnte, dass der Regienachwuchs an den großen Theatern des Landes eine Chance erhält, sich auszuprobieren. Das Thalia Theater Hamburg hat dafür einen Abend konzipiert, der sich am Stichwort Arbeitslosigkeit orientiert. Drei kurze Stücke kommen zur Aufführung:

In Vanessa Badhams "kitchen" leben Helen und Owen, deren beider Job es ist, andere zu entlassen. Owen, genannt "Die Sense" ist so gut, dass er sich selbst schließlich überflüssig macht. Ohne Arbeit, ohne Geld ist er nun auf die Gnade seiner Frau angewiesen, die die Lage scham- und skrupellos ausnutzt und ihren Mann als persönlichen Sklaven ausbeutet. So sieht es also aus, wenn alle Beziehungen total durchökonomisiert sind. Der Arbeitskampf beginnt. Eine hübsche Idee, die Mechanismen des Kapitalismus auf eine persönliche Ebene herunterzubrechen. Das taugte ebenso für ein psychologisches Kammerspiel wie für einen Sketch. Dieses als Farce deklarierte Stückchen bleibt irgendwo dazwischen. Und weder die Regie (Max Claessen) noch die beiden Schauspieler (Katharina Behrens, Johannes Schäfer) bringen den Text auf eine so absurde Höhe, dass nach Logik nicht mehr gefragt würde. Da helfen Castorf-eske Ausflüge in Lebensmittelmissbrauch, Farbschmierereien und Schreierei auch nicht weiter. Schade ums schöne Bühnenbild (Oliver Helf), das in seiner Pappmaterialität geschickt die Yuppie Design Küche zitiert und die Zerbrechlichkeit dieses Lebensstils gleich mitliefert.

Im zweiten Stück dominieren Plastikkästen die Bühne. In "Juni, Juli, August" erzählt Luise Rist eine typische Berliner Großstadtgeschichte. Linda (Anna Blomeier) begegnet ihrem Nachbarn Harald (Christopher Weiß). Der ist merkwürdig, Typ liebenswerter Spinner. Linda erzählt diese in Prosa und nur durch kurze Spielszenen unterbrochene Geschichte. Sie macht das toll, findet die richtigen Töne für die Situationen, wechselt spielerisch spielend von der Erzählerin zur Figur und zurück. Regisseurin Lilja Rupprecht nimmt sich hier und da die Zeit für eine stumme Szene. Das Bühnenbild (Anna Macholz) wird in seinen Möglichkeiten ausgenutzt. Schade, dass die Story selbst keine echte Pointe liefert, irgendwann fasert die Geschichte einfach aus. Das mag einer Großstadterfahrung entsprechen, ist für das Theater aber ein bisschen zu unspannend. Ach ja, und dann war da noch der Mann mit der elektrischen Gitarre (Nicolai von Schweder-Schreiner). Der zupft ein paar atmosphärische Klänge. Das wäre gar nicht nötig gewesen.

Erst nach 22 Uhr beginnt dann das dritte Stück: "Vier Millionen Türen" von Martin Heckmanns und Thomas Melle. Jetzt sitzen sich die Zuschauer gegenüber und zwischen ihnen stehen nur ein paar Drehstühle. Auf denen sitzen, stehen und turnen die Schauspieler Asad Schwarz-Msesilamba, Christoph Tomanek, Judith Rosmair und Andreas Köhler. Und plötzlich scheint ein Ruck durch den Abend zu gehen. Alles ist toll: Das Stück ist spannend, die Schauspieler sind virtuos im Einsatz ihrer Mittel, die Regie ist subtil. Großartige fünfzig Minuten beschließen diese lange Nacht. Dieser Einakter bleibt dem Spielplan hoffentlich erhalten!



http://www.svenlange.com/


Sven Lange - red / 18. Dezember 2007
ID 00000003623

Weitere Infos siehe auch: http://www.thalia-theater.de





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