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Freies Werkstatt Theater Köln , 19. Mai 2006

Mozart auf der Reise nach Prag

Ein Scherzo auf dem Theater von Diana Anders nach der gleichnamigen Novelle von Eduard Mörike

Mit Barbara Kratz

Barbara Kratz | Foto: © Hydra Productions

Georg von Nissen schläft und bekommt nichts mit von der ganzen Sache. Seine Gattin Constanze, „gewesene Witwe Mozart“, steht mit dem Wagenschaden an der Kutsche allein da, der Kutscher ist verschwunden. Aber aus Constanzes Empörung wird freudige Erregung, als sie merkt, dass sie vor 23 Jahren im Jahr 1789 an ebendieser Stelle gehalten hat. Damals war sie mit Wolfgang Amadé Mozart auf der Reise zur Uraufführung des „Don Juan“ in Prag. Constanze schwelgt in Erinnerungen an das nah gelegene Dorf, an die gräfliche Familie auf dem Schloss, an einen sorgenfreien Tag, bei dem Mozart sich scherzhaft rechtfertigen musste, unerlaubterweise eine Pomeranze gegessen zu haben, und an die gemeinsame Zeit mit Mozart.


Barbara Kratz | Foto: © Hydra Productions


Der Abend wird getragen von Barbara Kratz’ Spielfreude. Sie ist vor allem eine ältliche Constanze Mozart, die wieder jung wird. Diese Constanze gerät ins Erzählen, ruft aus ihrer Erinnerung vielerlei Gestalten der Vergangenheit hervor: den jovialen Grafen, die vornehme Gräfin, das erblühende Mädchen, deren Verlobung gefeiert wird. Glücklicherweise versucht Barbara Kratz nicht, Mozart selbst mit Kostüm und Requisite zum Leben zu erwecken und somit in Konkurrenz zu den vielen Mozartbildern zu treten, die der Zuschauer im Kopf hat – im Programmheft finden sich die Phantombilder von Constanze und Mozart, die vor einiger Zeit Furore gemacht haben –, sondern sie spielt ihn aus ihrer Rolle als Constanze, die sich an ihn erinnert: an seine Wiener Schmäh, an seine Unbekümmertheit, an seine Energie, an seine Kindlichkeit.
Barbara Kratz ist ihre eigene Requisite, Maske, Bühnenarbeiterin und Tonmeisterin. Gekonnt spielt sie über kleine Pannen hinweg und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Die „stattliche, gelbrote Kutsche“, „Eigentum einer gewissen alten Frau Generalin Volkstett“, ist ein Gefährt, das über die Bühne gezogen werden kann, in dem alles Notwendige untergebracht ist und in dem Georg von Nissen als Puppe sitzt. Von außen ist das Konstrukt sichtbar mit Pappmasché verkleidet, allerdings mit Liebe zum Detail: links und rechts hängen zwei Lampen. Natürlich ist das alles nicht perfekt, aber einfallsreich. Aus drei Koffern mit einem Schirm wird so z.B. ein Pomeranzenbaum. Die Bühne – die wie ein langer Laufsteg aussieht – ist mal eine Straße, mal eine Tafel, mal markiert ein Stuhl in einer Ecke eine Gartenlaube. Und untermalt wird das Ganze immer wieder von Musik – vom düsteren „Don Juan“-Finale bis hin zu italienischer Folklore.


Barbara Kratz | Foto: © Hydra Productions


Das Publikum fühlte sich gut unterhalten und mochte nicht glauben, dass Mozarts Tantiemen 1810 ausgereicht haben, um Constanzes Kostüm im Stil von 1789 „auszustopfen“. Barbara Kratz spielt nicht über die Nähe zu den Zuschauern hinweg, sondern nutzt sie. Eine Anmerkung wie „Kein Mensch weit und breit“ ist mit einem gewissen Augenzwinkern vorgetragen, weil die Zuschauer nur wenige Zentimeter entfernt sitzen. Ein Zuschauer darf Barbara Kratz eine Hand reichen, wenn sie ihr Kostüm umgestaltet oder einen imaginären Bach überquert. Eine andere Zuschauerin wird zur Gesprächspartnerin, wenn Barbara Kratz einen Dialog zwischen Constanze und Mozart spricht (wobei sie dann doch lieber beide Rollen spielt).
Am Ende kann die Reise weitergehen, der Kutscher – den wir natürlich nicht sehen – kommt mit einem Rad aus dem Dorf zurück. So sehr Constanze es auch wünscht, es bleibt keine Zeit mehr, auf dem Schloss zu rasten und zu sehen, wie es den Menschen dort geht, die vielleicht nur in ihrer Imagination leben. Stattdessen drängt Prag und der Termin der Jubiläumsvorstellung.


Karoline Bendig - red / 26.Mai 2006
ID 2417
Mozart auf der Reise nach Prag
Ein Scherzo auf dem Theater von Diana Anders nach der gleichnamigen Novelle von Eduard Mörike

Mit Barbara Kratz www.barbara-kratz.de
Buch und Regie: Diana Anders
Kostüm: Gabie Lindner
Maske und Puppe Gerd von Nissen: Charlotte Anders
Ausstattung: Hedi Kratz
Die Kutsche: Barbara Kratz und Hans Scheffer
Musikalische Beratung: Achim Stricker

Premiere in Köln am 17. Mai 2006
Weitere Vorstellungen am 2. und 3. Juni, jew. 20 Uhr


Das Stück wird auch in anderen Städten als Köln gespielt (u.a. in Pilsen und Prag; siehe dazu die Homepage von Frau Kratz).

Weitere Infos siehe auch: http://www.fwt-koeln.de






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