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Theater Feuilleton

Theaterdiscounter, Berlin

HAHA!

Theater Plan B - Fata Morgana Productions


Comedy ist allgegenwärtig. Zahllose TV-Shows und Serien setzen das Volk unter permanenten Lachzwang. Kleinkunst ist mehr als salonfähig geworden, die Vorreiter der schnellen Pointe genießen Popstar-Status. Muss denn nun auch noch das Theater in diesem Sinne komisch sein?

Vier Schauspieler (Stefanie Heipcke, Karl Heinz Ahlers, Thomas Esser, Hartmut Fiegen) führen all das vor, was bekanntermaßen witzig ist: Perücken, trashige Kostüme, Dialekte, bescheuerte Choreographien, Parodien auf TV-Shows, doofe Figuren, etc. pp. Das ist die ersten Minuten gewöhnungsbedürftig. Soll das jetzt wirklich witzig sein? Aber dann wird das System klar. Nicht die vorgeführte Pointe (bis hin zur berühmten Torte, fehlte gerade noch die Bananenschale), sondern der Umgang mit dieser, die Wiederholung, die Variation, die Penetranz und Konsequenz der Behauptung macht den Witz aus. Dadurch entsteht eine Pointe auf einer Meta-Ebene, die den ursprünglichen Witz mit seiner Darbietung und seiner gleichzeitigen Hinterfragung auf komische Art konzentriert. Manchmal geschieht dies auf denkbar einfache Art und Weise „Wenn man jemandem den Stuhl unterm Hintern wegzieht, dann ist das komisch und man muss lachen, kann man auch zuhause mit sich selber spielen.“ erklärt Stefanie Heipcke dem Zuschauer, während wir genau dies in mannigfaltiger Variation vorgeführt bekommen. Und warum das überaus komisch ist, muss man vor Ort selber erleben, denn diese Art gespielter Witz zwischen Life Art, Performance und „wir sind gerne unästhetisch“ lässt sich nicht rein verbal vermitteln. Und wenn auch nicht jede Szene von gleich bleibender inhaltlicher, darstellerischer oder komischer Qualität ist, so ist der Rhythmus adäquat und die Pointendichte ausreichend hoch um zwischen den absoluten Highlights und den etwas ruhigeren Momenten zu vermitteln.

Mitunter gewinnt der Abend sogar an Tiefe, wenn gescheiterte Wünsche und Sehnsüchte der Privatpersonen auf der Bühne geäußert werden und uns daran erinnern, was die Basis eines Witzes ist: das Lachen über den scheiternden anderen (auch den in sich selbst). Lachen ist eben auch immer ein bisschen Triumpfgeheuel des Tieres in uns.

Nein, das Theater braucht keine Kopie des TV-Comedy-Wahns. Es braucht Stücke wie dieses, die hinterfragen, was denn eigentlich witzig ist. Es braucht Schauspieler wie diese, die sich trauen, noch einen Schritt weiter zu gehen (und noch die Lächerlichkeit des Comedians nebenbei mit vorführen). Es braucht Orte wie den Theaterdiscounter in Berlin, wo Experimente dieser Art durchgeführt oder vorgestellt werden. Und nicht zuletzt braucht es Zuschauer, deren Zwerchfelle etwas aushalten können.


s.l. - red / 14. April 2004
ID 948
Weitere Infos siehe auch: http://www.theaterdiscounter.de






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