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Feuilleton


Schauspiel Dortmund

experiment. prisoner 819 did a bad thing



Foto: Schmidt/www.bildautor.de

Das Schauspiel Dortmund verlässt mit diesem Stück eingetretene Pfade

Ganz normale Studenten. Aufgeteilt in Wärter und Gefangene in einem simulierten Gefängnis. Nur ein Experiment! Die Wärter sollen ihre eigenen Mittel und Wege finden, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Was als harmloses Spiel beginnt, gerät nahezu sofort außer Kontrolle. Die Einen verwandeln sich in brutale Aufseher, die Anderen in emotional gebrochene Gefangene …
Vorlage des Stückes ist das legendäre Stanford-Prison-Experiment, in dem im Jahr 1971 an der kalifornischen Universität untersucht wurde, welche gruppendynamischen Prozesse die (hoffentlich in den meisten Fällen) Ausnahmesituation „Haft“ erzeugt. Der Versuch musste zur völligen Überraschung der Wissenschaftler nach wenigen Tagen abgebrochen werden, als klar wurde, zu welchen Taten unauffällige Durchschnittsbürger in der Lage sind, wenn ihnen eine beliebige Autorität suggeriert, alles sei legitim, was der Sache des „Guten“ diene. Der Sozialpsychologe Prof. Philip Zimbardo, der das Experiment leitete, entwickelte auf dessen Grundlage eine Theorie, unter welchen Umständen Menschen nahezu zwingend Gewalt anwenden. Der Mensch als zivilisiertes Tier? Zuletzt war Zimbardo als Sachverständiger im Kriegsgerichtsverfahren um die Folter im US-Gefängnis Abu Ghraib tätig.

Im Auftrag des Schauspiel Dortmund hat dessen Chef, Hermann Schmidt-Rahmer auf Grundlage des Stanford-Prison-Experiments ein beklemmendes Bühnenstück geschaffen: experiment. prisoner 819 did a bad thing. Premiere war am 9. November in der Revierstadt.


Foto: Schmidt/www.bildautor.de


Soweit die Zusammenfassung! Das Stück – es heißt nicht nur Experiment, es ist auch eins. Viele kennen den Film mit Moritz Bleibtreu in der Titelrolle. Das kann Spannung nehmen, aber auch Interesse wecken, erfordert in jedem Fall außergewöhnliche Mittel. Und so wird die Bühne des Schauspiels auch zum (ausverkauften) Zuschauerraum, was dem Publikum eine ungeahnt prickelnde Interaktion mit den intensiv und wie um ihr Leben spielenden Akteuren ermöglicht. Sicher: Es würden mehr Leute in den Zuschauerraum passen, nur erfordert es das Spiel, dass sich Akteure und Theaterbegeisterte die Bühne teilen. Viel nackte Haut ist zu sehen im Experiment! Die Atmosphäre ist drückend, gewollt trostlos, dramatisch. Wie gesagt: Man kennt den Film. Und die szenische Umsetzung sieht – vielleicht, um dem Rechnung zu tragen – vor, dass jeweils nur eine agierende Gruppe, gespielt von den gleichen sieben Schauspielern, gezeigt wird: Erst die Gefangenen und dann die Wärter. Auf der steril gestalteten Bühne, die einem Gefängnistrackt gekonnt nachempfunden ist. Kameras begleiten die Darbietung, zeigen bruchstückhaft das Geschehen auf „den Brettern, die die Welt bedeuten“ und Zeitgeschichte, ja, mehr oder weniger wissenschaftliche, philosophische Erkentnisse widerspiegeln können. Alles natürlich unter dem Deckmäntelchen der Unterhaltung, denn das Publikum will ja Spaß haben. Unsere Zeit ist multimedial – auch im Theater – das nur zu den Videoelementen.
Wer, wenn nicht wir, die Bürger, soll verhindern, dass es künftig reell im breiten Maße zu solchen Situationen kommt, die das Experiment beschreibt. Nach der Erstaufführung war das Publikum tief bewegt, blieb mancher Klatscher im sprichwörtlichen Halse stecken.


Christopher Dömge – red / 12. Dezember 2008
ID 00000004136
Es spielen
Alexander Gier
Günther K. Harder
Matthias Heße
Patrick Jurowski
Michael Kamp
Jakob Schneider
Andreas Vögler

Regie: Hermann Schmidt-Rahmer
Bühne: Michaela Springer
Kostüme: Michael Sieberock-Serafimowitsch
Dramaturgie: Barbara Winzer

Nächste Vorstellungen: 26. Dezember 08, 4. und 21. Januar 09 – Karten: 0231/50 27 222 und www.theaterdo.de



„Ein Experiment (von lateinisch experimentum „Versuch, Beweis, Prüfung, Probe“) im Sinne der Wissenschaft ist eine methodisch angelegte Untersuchungsanordnung. Das wissenschaftliche Experiment darf deshalb nicht mit dem Begriff Zufallsexperiment aus der Stochastik verwechselt werden.
Experimente gibt es in einer Vielzahl von Wissenschaften, besonders in Naturwissenschaft, Ingenieurwissenschaft, Psychologie und Soziologie. Da es sich bei dem Experiment lediglich um eine Versuchsanordnung handelt, ist es prinzipiell bei allen Verfahren der Datenerhebung, einer Befragung, einer Inhaltsanalyse oder einer Beobachtung und ggf. auch bei einer physiologischen Messung, möglich.
Das Experiment ermöglicht als einzige wissenschaftliche Versuchsanordnung zuverlässige Kausalaussagen (Ursache-Wirkungs-Beziehungen). Die Auswertung der Versuchsergebnisse erfolgt als Schlussfolgerung. Dadurch werden neue Erkenntnisse gewonnen oder Hypothesen untermauert oder widerlegt. Im Zusammenspiel mit einem Modell sind Experimente die Grundlage einer Theorie. Experimente sind in vielen Wissenschaften aus Kostengründen oder moralischen Bedenken nicht durchführbar.“
Quelle: wikipedia



Weitere Infos siehe auch: http://www.theaterdo.de





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