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Feuilleton


Berlin: Theater im Greenhouse am 03./04. November 2007

„Die menschliche Stimme“ von Jean Cocteau

Schauspielerin: Hanna Fiedrich


Hanna-Fiedrich-Productions

Gefährliche Gefühle

„Die menschliche Stimme“, (Uraufführung 1930 in Paris an der Comédie Française), der Einakter von Jean Cocteau (1889-1963) ist das imaginäre letzte Gespräch einer Frau, mit dem Mann der sie verlassen hat: keine Romanze, sondern ein psychologisch-spannender Monolog am Telefon.

„Hallo … bist du’s?“
Eine Frau spricht am Telefon zum letzten Mal mit Ihrem Geliebten. Sie weiß, er wird sie verlassen, eine andere Frau heiraten. Der Mann ist abwesend, auch seine Stimme, seine Antworten bleiben uns verborgen.
Man hört nur die Frau sprechen – hin und hergerissen zwischen dem Bemühen, stark zu sein und Verzweiflung, scheinbarer Gleichgültigkeit und Gefühlsausbrüchen. Sie verbirgt, täuscht, lügt – und offenbart doch alles.
Wird sie an der Trennung zerbrechen oder kann sie sich vom Objekt ihrer Begierde lösen? Der Hörer fällt zu Boden….
Das Stück ist das berührende Porträt einer Liebe. Es stellt die Frage nach dem Absoluten in ihr – und dem Unaushaltbaren.

Dunkle Bühne, ein schlampiges Zimmer. Verstreute Kleider und Schuhe. Auf einem kleinen Tischchen ein übervoller Aschenbecher, alkoholische Getränke und ein großes schwarzes Telefon. Unordnung. In einem Sessel sitzt eine Frau in einem roten Unterrock. So unaufgeräumt wie das Zimmer wirkt auch diese Frau. Sie scheint angetrunken, ist angespannt. Das Telefon klingelt. Zuerst gibt es eine Fehlverbindung. Nach mehreren Einmischungen der Concierge hat sie ihren Geliebten in der Leitung.
Im Laufe des Gesprächs nimmt das Drama eines erzwungenen Abschieds seinen Lauf.
Es beginnt mit dem Banalen. Sie erzählt ihm, was sie tagsüber getan hat. Gibt sich stark und nimmt alle Schuld an der längst vorhergesehenen Trennung auf sich. Sieht dies als die notwendige Folge ihrer "unsinnigen und unsinnig-glücklichen Liebe".
Dann regeln sie die „Technics“. Briefe-, Handschuh-, Hund-Austausch.
Es folgt die sentimentale Phase. Er soll die Asche der verbrannten Briefe in dem Kästchen aufbewahren, dass sie ihm einst geschenkt hat.
Nach einem Geständnis kommen kleine Erpressungsversuche. Der Hund wolle nichts von ihr wissen, er knurre sie an. Sie habe Furcht vor ihm, er soll ihn zurücknehmen.
In der Nacht habe sie eine große Dosis Schlafpulver genommen, aber dann sei sie von solcher Angst gepackt worden, allein sterben zu müssen, dass sie ihrer Freundin telefoniert habe.
Die Inszenierung wird nicht mit einem schnurlosen Telefon oder Handy gespielt. Der Handlungsradius der Darstellerin ist beschränkt auf die Länge einer Telefonschnur.
Und dann das Ende, eine Bitte. "Versprich mir, Geliebter", sagt sie, "mit jener in Marseille nicht in dem gleichen Hotel abzusteigen wie einst mit mir; ja, du bist so gut".


Foto: Christopher Melching

„Die menschliche Stimme“ wurde 1930 uraufgeführt und ist der erste große Telefonmonolog des europäischen Theaters. Der Klassiker wurde mehrfach verfilmt (mit Anna Magnani und Ingrid Bergman), es gibt eine Opernfassung.
Hanna Fiedrich spielt diesen Einakter-Monolog einzigartig. Eine Stunde lang verfolgt man ihre Stimmungen von Wut und Demut, Ohnmacht und Stärke. Man bangt mir ihr um den Ausgang des Gesprächs, der doch längst beschlossen ist und ist berührt – auch durch eigene Erinnerungen.
In der Thematik der „menschliche Stimme“, „einmal intentiv und exzessiv eine Liebe bis zum Schluss gefühlt zu haben, diese einzigartige Erfahrung gemacht zu haben“, findet Hanna Fiedrich den Reiz des Stückes.
Die gelernte Theater- und Filmschauspielerin absolvierte ihre Ausbildung in München, Toulouse, Paris und Berlin. Neben dem Theater-Workshop am Théâtre du Soleil bei Ariane Mnouchkine in Paris spielte sie in deutschen und französischen Film- und Fernseh-produktionen wie in "Garonne", einem Fernsehfilm von Claude D’Anna, mit. Als Tankwartin erlebte sie schon 2006 im gleichnamigen Tatort „Gefährliche Gefühle“. Produktionen in Deutschland und Frankreich wechseln ab, als Wohn - und Lebensort bevorzugt die gebürtige Deutsche das südfranzösische Toulouse. Hanna Fiedrich arbeitet auch als Sprecherin/ Moderatorin/Autorin für Kultur Radio KIK.
Nicht „Ende einer großen Liebe – sondern: Ende der Begegnung mit ihr“ zeigt dieses Spiel.
Ihre Liebe bleibt, seine bleibt fragwürdig. Das fiktive Gegenüber beantwortet keine unserer Fragen: Aus welchen Gründen er sich der Anderen zugewandt hat? Ob er nur heute lügt? Oder schon immer? Ist seine Liebe nun erkaltet? Oder hat er sie nie wirklich geliebt?
Hanna Fiedrich wählte dieses Stück der Liebe wegen, die ganz und gar „ausgespielt“ wird. Dieses Berührtsein von dem Schicksal der Frau geht ihr, in ihrer Inszenierung, in Fleisch und Blut über. Unter der Regie von Andreas Neu ist sie die starke, schwache, hilflose und selbstbewusste Verlassene mit Bravour.
Der 49-jährige diplomierte RegisseurAndreas Neu führt Regie. Der Berliner fuhr nach dem Abitur jahrelang zur See, um dann bei der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, anzudocken. Seit 1987 arbeitet als Regisseur, Bühnenbildner, Dramaturg an verschiedenen Orten in Deutschland und in Polen, als Dozent an verschiedenen Filmhochschulen und seit 1998 als freischaffender Autor für Theater und Film.
Jean Cocteau wurde in der Nähe von Paris geboren und war Schauspieler, Bühnenbildner, Drehbuchautor. 1954 wird er Mitglied der Akademie der Künste von Frankreich und Belgien.
Jean Cocteau war ein Lebemann und verschwieg seine Homosexualität nicht. Bekannt ist seine lebenslange Partnerschaft mit dem weitaus jüngeren französischen Schauspieler und Bildhauer Jean Marais (1913-1998). Cocteau schrieb ihm Filmrollen wie „Es war einmal...“ auf den Leib und kritisierte Zeit seines Lebens die Homophobie. Er ging auch mit Frauen Verhältnisse ein, bekannt ist seine Liason mit der russischen Prinzessin Natalia Paley (1905-1981).
Trotz seiner Leistungen auf fast allen literarischen und künstlerischen Gebieten bestand der Surrealist Jean Cocteau darauf, in erster Linie ein Dichter zu sein, und nannte sämtliche seiner Werke Poesie.
Die Erstaufführung 1949 in Berlin mit Klaus Kinski wurde von der englischen Militärregierung verboten. Er spielte erst eine Frau, gibt sich dann zu erkennen und reißt sich theatralisch - Kinski eben - die Perücke vom Kopf.

„Wir sprechen und sprechen und denken nicht daran, dass wir nachher schweigen müssen, auflegen, ins Leere zurückfallen.“ sagte Jean Cocteau.

Foto: Christopher Melching
Im Stück wickelt sich die Frau plötzlich in die Telefonschnur ein: "...Ich habe deine Stimme um meinen Hals...". Jetzt mach schnell! Jetzt darfst du trennen! ... Ich hab dich lieb...!"
Der Vorhang fällt.

Die „menschliche Stimme“ ein altes Stück mit altmodischer Thematik möchte man heute – fast schon im Zeitalter des Postfeminismus - sagen. Doch auch heute lieben und leiden manche Menschen mehr und manche weniger, auch heute ist das Telefon die Verbindung, mit der Beziehungen anfangen und auch beendet werden.
Im Zeitalter der SMS-Trennung ist das Stück zeitgemäß. So passt es in den kühlen Charme einer Filmbühne, wie der am Steinplatz, ebenso, wie in das stilvolle Ambiente des Theaters im Greenhouse.

„Die menschliche Stimme“ wird von Hanna Fiedrich mit Herzblut gespielt.



Hilde Meier - red./ 02. November 2007
ID 00000003504

Vorstellungen im Wechsel:
03.11.07, 20 Uhr, Theater im Greenhouse
04.11.07, 18 Uhr, Theater im Greenhouse

09.11.07, 20 Uhr, Filmbühne am Steinplatz
10.11.07, 20 Uhr, Filmbühne am Steinplatz

16.11.07, 20Uhr, Theater im Greenhouse
17.11.07, 20 Uhr, Theater im Greenhouse

23.11.07, 20 Uhr Filmbühne am Steinplatz
24.11.07, 20 Uhr, Filmbühne am Steinplatz

30.11.07, 20 Uhr, Theater im Greenhouse
01.12.07, 20 Uhr, Theater im Greenhouse


Theater im Greenhouse
Roonstr. 12, 14163 Berlin
Kartenbestellung: (030) 8018328
Preise: 13,00 Euro/ermäßigt 10,00 Euro
S-Bahn Linie 1 "Mexikoplatz"; U-Bahn Linie 3 "Krumme Lanke"
http://www.theaterimgreenhouse.kulturserver.de

Filmbühne am Steinplatz
Hardenbergstraße 12, 10623 Berlin
Kartenbestellung: (030) 3126589
Preise: 12,00 Euro/ermäßigt8,00 Euro
S-Bahn, U-Bahn „Bahnhof Zoo“
http://www.filmbuehne-am-steinplatz.de

Hanna Fiedrich productions
„Die menschliche Stimme“ von Jean Cocteau
Deutsch von Barbara Engelhardt
Schauspielerin : Hanna Fiedrich
Regie/Bühne : Andreas Neu
Regieassistenz: : Ricardo Brunn, Mario May
Kostüm : Muni Müller
Licht/Tontechnik : Peter Senkel
Musik : Eric Satie (Interpretation: Hartmut Fiedrich)
Info: Hanna-Fiedrich-Productions 0173/974 13 15
Produktionsleitung : Thomas Melerowicz
Produktionsassistenz : Klaus Böhler, David Vashakidze (Videomitschnitt)



Weitere Infos siehe auch: httt://www.hanna-fiedrich.de





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