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Harter Tobak



V.l.n.r.: Karin Moog, Dominik Dos-Reis und Oliver Möller in Vom Ende der Einsamkeit - am Schauspielhaus Bochum | Foto (C) Sophia Hegewald

Bewertung:    



Auf der Website vom SCHAUSPIELHAUS BOCHUM gibt es zu jedem Stück ein als digitales Propgrammheft funktionierendes BO-Book, das zu lesen umfangreiches Wissen (zum Stück, zum Autor, zur Inszenierung usw.) vermittelt und, auch aufgrund seiner visuellen Aufmachung, einen geradezu zwingenden Drauf- und Dranbleibeneffekt (jedenfalls bei mir, der ich das jetzt zum ersten Male sah) erzeugt; ja und so lese ich gleich zu Beginn:


"Jules Moreau, der Protagonist aus Benedict Wells’ Roman Vom Ende der Einsamkeit, begibt sich auf eine Reise durch seine Erinnerung. Aus der Rückschau verfolgen wir über 35 Jahre hinweg das Schicksal von Jules, seinen Geschwistern Marty und Liz, ihres gemeinsamen Freundes Toni, seiner Jugendliebe Alva und des berühmten Schriftstellers Romanow. Die drei Geschwister verlieren als Kinder durch einen Autounfall ihre Eltern und finden sich schlagartig in einem ihnen fremden Leben wieder – alle Vorhaben und Träume nichtig, als hätte die Zukunft eine Abfahrt genommen, die in der Lebensplanung nicht vorgesehen war."


Eigentlich bin ich prinzipiell skeptisch gegenüber der (inzwischen zu einer inflationierenden Verlegenheitslösung oder auch bloß Mode auf deutschsprachigen Bühnen gewordenen) "Vertheaterungen" von Büchern oder Filmen; das hat sich nun seit Jahren irgendwie erfolgreich etabliert und zeugt, wenn ich's noch skeptischer als skeptisch betrachte, von einer gewissen Armut oder Ahnungslosigkeit des hausinternen Dramaturgie-Abteilungen hinsichtlich neuer sprich originärer Stücke, also Texten, die ausschließlich fürs Theater geschrieben worden sind, und da existieren aller Wahrscheinlichkeit nach hunderte oder sogar tausende Angebote neuer(er) und teils bis heute völlig unbekannter Stückautoren, die neu zu entdecken oder aufzuführen durchaus geboten wären - ich selbst betrachte mich da als gebranntes resp. "unentdecktes" Kind; aber egal.

*

Der Griff zum Wells-Roman schien (was mein persönliches Interesse hieran motiviert haben sollte) legitim zu sein, ging es ihm doch vorrangig um die Höhen und Tiefen eines werdenden Schriftstellers, der das Thema und den zu behandelnden Stoff hierfür autobiografisch begriff und auskostete - bis zu einer (was die theatralische Umsetzung von Regisseur Guy Clemens und seinem Dramaturgen Marvin L.T. Müller betrifft) emotional kaum aushaltbaren und daher gefühlsmäßig funktionierenden Schlusslösung:

Mathias Max Herrmann (als der erst zur Hälfte des Stücks in Erscheinung getretene und inzwischen 67-jährige Erfolgsschriftsteller Romanow) vollzieht einen leisen Abgang mit Gewehr hinter die Bühne. Und Nina Steils (als Romanows um Jahrzehnte jüngere Frau Alva) verschwindet auch dann plötzlich und fast unbemerkt von den restlichen vier Mitmenschen, die sich zum Abendessen verabredeten - und beide Male stehen Suizide im Raum: Romanow wegen seiner Gehirnerkrankung und Alva wegen ihrer Leukämie.

Da blieb kein Auge trocken, auch bei mir nicht.




Vom Ende der Einsamkeit am Schauspielhaus Bochum | Foto (C) Sophia Hegewald



Sowieso: Dominik Dos-Reis (als Jules), Karin Moog (als Liz), Oliver Möller (als Marty) und Payam Yazdani (als Toni) - lang anhaltender Applaus natürlich auch für sie!
Andre Sokolowski - 23. Mai 2026 (2)
ID 15876
VOM ENDE DER EINSAMKEIT (Schauspielhaus Bochum, 23.05.2026)
nach Benedict Wells

Regie: Guy Clemens
Bühne und Kostüme: Anja Rabes
Lichtdesign: Johannes Zotz
Video: Anne Rietmeijer
Dramaturgie: Marvin L. T. Müller
Besetzung:
Jules ... Dominik Dos-Reis
Liz ... Karin Moog
Marty ... Oliver Möller
Alva ... Nina Steils
Romanow ... Matthias Max Herrmann
Toni ... Payam Yazdani
Premiere war am 7. März 2026.
Weitere Termine: 29.05./ 05., 14.06.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.schauspielhausbochum.de


https://www.andre-sokolowski.de

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